2011

ein Jahr danach..

Nun ist es schon ein Jahr her seit dem großen Beben mit all seinen Folgen.
Die Zeit vergeht rasend schnell und nur gelegentlich bemerkt man etwas davon.

Ich möchte jetzt keinen endlosen Post über die Folgen des Erdbebens schreiben, mich auch nicht über die nicht enden wollend grauenvolle Berichterstattung, die einige Medien an den Tag gelegt haben aufregen. Nein, ich mag mich auch nicht an der Sensationsgeilheit für noch dramatischere Schlagzeilen aufhalten.

Stattdessen möchte ich der Opfer gedenken.

All jene, die in der Flutwelle ihr Leben gelassen haben.

All jene, die zusehen mussten, wie Freunde und Familie ums Leben kamen.

All jene, die hilflos in der Ferne saßen.

All jene, die jemanden verloren haben.

Besonders auch an die Menschen denken, die nie ihre Angehörigen wiedergefunden haben, und an die Kinder, die nun ohne Eltern leben müssen.

Advertisements

Auflösung..

Hat eigentlich einer von euch die 3 Sachen auf dem Bild gefunden?

Ich habe ja eigentlich nur wild aus dem Flugzeug heraus fotografiert weil ich den Anblick so nett fand, aber später bemerkte ich dann die Kleinigkeiten.

Hier habe ich die drei mal für euch eingekringelt (in der Zeit in der ich mich jetzt schon ums lernen drücke…)

Fujisan ist ja fast unübersehbar in der oberen Mitte, der Tokyo Tower in der mittleren linken Hälfte und der Sky tree in der unteren Mitte.
Der Fluss, der sich so nett schlängelt, ist der Sumidagawa – und am schönsten (finde ich) von Asakusa aus zu betrachten. Der Sensoji liegt ganz in der Nähe des Flusses – und somit auch nicht unweit vom Skytree. Werde darüber demnächst noch was kleines schreiben..
*seufz* Ich möchte gerne eine Tüte „mehr Zeit“ kaufen…….


immer wieder gerne..

20120223-103707.jpg

wenn ich schon so freundlich gebeten werde..


Der Fluch der Flüge..

Um den Bericht über den Sommer abzuschließen – nach unserem Rundtrip ist nicht mehr allzuviel spannendes passiert. Wir sind noch einmal nach Chiba ins Krankenhaus gefahren und haben uns ansonsten dem Altag hingegeben bis ich wieder in den Flieger zurück steigen musste.

Es war ein angenehmer Flug – und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, war es wohl einer der angenehmsten (den Flug mit Korean airlines ausgenommen – der eine davon war nicht zu toppen!)

Mit Flügen ist das bei mir nämlich immer so eine Sache. Hier scheine ausnamsweise ich das ausgeprägte Talent für Griffe ins Klo zu besitzen.

Mein erster Rückflug mit British airways fiel wegen des netten Isländischen Vulkans ins Wasser – ich musste zwei Wochen auf einen Ersatzflug warten. Ok, immerhin wurden Hotel und Fahrtickets bezahlt – und ich für den einen Flug in die Buisnessclass hochgestuft – aber trotzdem…

Der nächste Versuch – von Frankfurt mit Korean air. Auf dem Weg zum Flughafen wurde der Flieger leider von einem Blitz getroffen.. eigentlich war gegen 18:00 Abflugzeit, doch um kurz nach Mitternacht saßen wir immernoch und warteten. Kamen uns ein bisschen so vor wie in diesem Film mit Tom Hanks…
Nachdem man eigentlich schon aufgegeben hatte und uns zurück zum Gepäckband schickte, kam auf einmal doch noch die Durchsage zum Start der Maschine. Wieviele Menschen gehen in so einen Flieger rein? Jetzt stelle man sich vor, dass die ALLE nochmal durch Passkontrolle, Sicherheitskontrolle und Zoll müssen… Gleichzeitig… bei zwei geöffneten Schaltern….
Wir strandeten dann in Seoul, da wir natürlich sämtliche Anschlussflüge verpasst hatten. Eine Nacht im Luxushotel mit Vollpension über den Dächern der Stadt – garnicht mal so schlecht!
Und – qualitativ war der Flug mit Korean Air der Beste bisher! Die haben sogar USB Anschlüsse zum aufladen von elektrischen Geräten (Iphone?) und Wiedergabe seiner eigenen MP3 – plus – man konnte seine eigenen Kopfhörer ohne jegliche Probleme benutzen!
Das Essen war großartig und man konnte es sogar als „lecker“ bezeichnen. Eine Seltenheit!
Der Koreanische Zwischenstopp war also eigentlich garnicht so schlimm und der Rückflug verlief traumhaft! Wusstet ihr übrigens, dass es in Seoul ein Unterhaltungsprogramm für Reisende gibt? Traditionelle Musik, Kleidung, Tee.. und kostenloses Wifi – bzw. für die, die keinen Laptop dabei haben Massenweise frei nutzbare Netbooks und Internetterminals! Luxus pur!

Weiter mit der Edelweiß Airline – Volksmusik Beschallung und eine saftige Verspätung inklusive. Das Essen schlecht, der Service unfreundlich. Es gab verkohlte Crossaints an denen nicht nur ich mir die Finger verbrannt habe – denn es gab natürlich keine Servietten oder ähnliches dazu..

Zurück mit Austrian airlines – Essen weitestgehend ungenießbar, das Entertainment Programm in Endlosschleife ohne anwählbare Optionen – einzige Fluchtmöglichkeiten: Schlafen oder lesen.

Und nochmal British Airways – mit katastrophalem Service aber zumindest mit nur 1 1/2 Stunden Verspätung noch relativ pünktlich… der Rückflug verlief sogar ohne nennenswerte Verspätung. Fast schon ein Wunder. Gut, das Essen sollte man wirklich eher nicht zu sich nehmen.

So, und nun zur Winterkatastrophe schlecht hin.

Von Düsseldorf nach Paris lief alles glatt. Eine 3/4 Stunde zum Umsteigen reicht locker, dachte ich und stieg gut gelaunt aus dem Flugzeug aus.
Dumm wie ich feststellte, denn der Flughafen ist riesig!  Rennen war angesagt. Keuchend nach Luft schnappend kam ich bei den Pass- und Sicherheitskontrollen an, da bemerkte ich nur aus den Augenwinkeln heraus uniformierte und schwer bewaffnete Männer. Es dauerte keine 2 Minuten, da wurde das gesammte Terminal geräumt – wir wurden von den Männern mit vorgehaltenem MG nach hinten gedrängt. Alles nur auf Französisch und kein Wort Englisch. Sprich – keiner wusste was los war bis einer der anderen Touristen netterweise für uns übersetzt hat. Unbeaufsichtigtes Gepäck (wohlgemerkt HINTER dem Durchgang zur Sicherheitskontrolle). Eine Stunde lang blieb das Terminal gesperrt. Die Flüge fingen schon sämtlichst an auf der Anzeigetafel rot zu blinken und letzte Aufrufe zu machen – aber was sollten wir denn tun? Wir konnten ja nicht vorwärts! Panik stellte sich langsam ein. Dann wurde das Gate wieder frei gegeben und ALLES stürmte zu den Sicherheitskontrollen. Nachdem einige Leute ihrem Unmut Luft gemacht hatten, wurden die Passagiere der rot blinkenden Flüge nach vorne beordert um schnell zum Flieger zu kommen.

Wir waren also durch die Kontrollen durch, rannten sämtlichst zum Flieger, waren die Letzten, suchten unsere Plätze und dann ging es auch schon los. 1 Stunde Verspätung bisher – die ließe sich beim Flug aufholen meinte der Kapitän.

Wir rollten auf die Startbahn. Und rollten eine Runde. Noch eine Runde. Noch eine. Die ersten wunderten sich schon. Und dann rollten wir zurück ins Terminal. Ein Technischer Defekt! Yay! Man müsse auf die Handwerker warten, das könne eine Weile dauern. Zumindest stellten sie das entertainment Programm an. Eine Stunde später kamen die Handwerker endlich, überprüften fleißig 30Minuten lang alles, stellten fest, dass man ein Ersatzteil bräuchte. Das ganze sollte so um die 2 Stunden dauern. Ich fasse zusammen, bis dahin waren es schon 2 1/2 Stunden Verspätung und zwei angedrohte dazu – also 4 1/2.

Nach den 2 Stunden kam erneut eine Durchsage.Flugzeug irreperabel – wir müssen den Flieger wechseln – aber zuerst muss ein Ersatzflieger her. Alle raus aus dem Flugzeug und warten. Zumindest gab es irgendwann Essensgutscheine für ein Sandwich. Da es allerdings nur einen Laden gab im Terminal, der nichts davon wusste und plötzlich eine Horde von Menschen darauf zustürmten, bekamen nur die ersten 150 ungefähr etwas. Ich befand mich darunter, schleuste aber ein paar Familien noch dazwischen damit wenigstens die Kinder etwas Essbares und Trinken bekamen. Chaos. Verzweifelung. Schreiende, unglückliche Kinder. Gestresste Eltern.

Nach zwei weiteren Stunden stand dann endlich unser Ersatzflieger bereit. Das Einsteigen verlief recht unproblematisch und schnell – wir wollten schließlich alle nur noch sitzen und unsere Ruhe haben! Mit gut 7 Stunden Verspätung ging es dann endlich in die Luft.

Über das Essen brauchen wir da garnicht mehr zu sprechen. Katastrophe von vorne bis hinten. Genervte Stewardessen (dabei wurden die sogar vorher frisch eingetauscht) wo man nur hinblickte und selbst für das Bedürfnis nach nem Glas Wasser wurde man zusammengefaltet. Nein Danke! Da waren sich die meißten der Passagiere einig. Die anderen schliefen erschöpft. Schade, dass es die japanische Höflichkeit nur selten zulässt zu explodieren – hier wäre es zwischenzeitig sehr wohl angebracht gewesen.

Der Rückflug mit KLM war auch nicht so prickelnd – ich habe am Flughafen Narita noch nie zuvor ein solches Chaos erlebt! Zu dem Zeitpunkt als der Flug als Rot anfing zu blinken, waren höchstens erst 25% der Passagiere durch die Gepäckabgabe und noch nichtmal durch den Sicherheitscheck. Es ist doch immer wieder spannend…

Zumindest gab es dort dann aber „nur“ 2 Stunden Verspätung – die hatte ich eh schon einkalkuliert- und somit war alles Gut.

(Na? Wer findet in diesem Bild Fujisan, Tokyo Tower UND den Sky tree? – August 2011)

In diesem Sinne freue ich mich auf den nächsten Flug (irgendwann) und gehe jetzt erstmal die langsam frühlingshafteren Temperaturen mit den Kindern draußen genießen! cheers!


Kyoto – eine Sommermelodie

Da stehen wir nun im abendlichen Kyoto, haben uns auf dem Weg in unser Ryokan ordentlich verlaufen („das ist nicht weit vom Bahnhof weg Schatz, mach dir keine Sorgen ich weiß wo wir lang müssen“…….) und leichter Regen prasselt auf uns hernieder. Ist bei den Temperaturen um 30 grad jetzt auch nicht ganz so tragisch.

Nach ein paar Mal im Kreis laufen, schaffen wir es endlich das kleine und sehr versteckt liegende Hotel zu finden. Hier ist man international – und rechnet nicht damit, dass sie eine Langnase auf japanisch zublubbert. Man starrt mich an. „You speak english?“ Ah.. ja.. aber immer doch. Erleichterung. Bis, ja- bis mein Männe sich mit ihnen austauscht, sich zu mir wendet und trotzdem auf japanisch weiterredet. Die Kinnladen fallen auf den Tisch, man entschuldigt sich vielmals und nun ist Kommunikation auch kein Thema mehr.

Endlich eingecheckt, treibt uns der Hunger auch schon wieder nach draußen.

Natürlich nicht nur zum Essen, sondern auch um dem Maruyama Kougen einen Besuch abzustatten.
Regen. Jetzt auch nicht mehr angenehm leichter Regen, sondern prasselnde riesige Tropfen! Wir rennen also förmlich den Weg ins Zentrum, werden trotzdem klitschnass, und retten uns schließlich unter das Dach des Tempels in der Mitte des Parks. Außer uns keine Menschenseele da. Macht aber auch nichts, denn wir haben dadurch erst richtig Spaß! Wir wagen es sogar – und jetzt haltet euch fest – einen Regenschirm zu teilen! Händchenhalten inklusive. Meinetwegen darf es jetzt jeden Tag regnen.. hab ich nichts gegen.
Als schließlich meine Schuhe mit Wasser vollgelaufen sind, geben wir das nächtliche Sightseeing seufzend auf und begeben uns lieber in das gut temperierte Nakau (ein Kettenrestaurant) nebenan.
Böööser Fehler. Wer dort schonmal war, wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied davon singen können. Der Jingle der Kette brennt sich schon beim ersten hören tief ins Gehirn!

Auf dem Rückweg zum Ryokan noch ein bisschen Schaufenstershopping -und dann heißt es sich im Hauseigenen Onsen gegen merkwürdige Zeitgenossen zu verteidigen, den Yukata zurechtzurücken und schließlich ein wenig Kraft für den nächsten Tag zu sammeln.

Wir werden von strahlendem Sonnenschein begrüßt.
Mit einem Bus geht es ca. eine 3/4 Stunde aus der Stadt heraus. Hier ist alles ländlich und ruhig. Der Duft von Sommer liegt in der Luft.
Ich kann keinen Tempel weit und breit entdecken, aber mein Freund weiß (diesmal ausnahmsweise wirklich) den Weg zum Ziel – und so steigen wir einen schmalen geschlängelten Weg an einem Hügel hinauf.

Nach kurzer Zeit begegnen uns die ersten kleinen Fressbüdchen und wir wissen – bald sind wir am Ziel. Der Sanzen-in. Ein relativ großer Tempel, der aber auf Grund seiner Abgeschiedenheit meißt nur von japanischen Touristen aufgesucht wird. Dabei ist dieser Tempel jede Minute Fahrt wert!

Besonders beliebt ist es, auf der Außenfläche zu sitzen und Matcha mit Yokan zu genießen wärend man auf den sehr beruhigenden Tempelgarten blickt.

Wesentlich bekannter ist der Tempel jedoch durch ein paar kleine im Moos liegende Statuen.

Auf dem Rückweg ereilt uns wieder der heißgeliebte Nieselregen. Meine Freude über diese Abkühlung wird nur dadurch getrübt, dass ich andauernd Tropfen aus wahlweise meiner – oder Bfs Kamera wischen muss! Arrgh!

Wir passieren natürlich auch wieder die kleinen Fressbuden, wiederstehen aber, wollen uns zum weitergehen wenden, da schallt es uns hinterher „Laaadyyyy…heeee, Laaaadyyyy..“ Eine tiefen Männerstimme. „Lady! Watsch! Japaniiiis Reeeis! Berry Berry guuuuuto!“ Mein Gehirn sortiert noch diese seltsamen Laute während mein Freund neben mir schon vor lachen halb zusammenbricht.

Wir schleppen uns zurück zur Haltestelle, erwischen überraschender Weise sogar den Bus zurück und stürzen uns direkt auf das nächste Ziel – den Nanzen-ji.

Beeindruckend.

Sattgesehen geht es auf zum nächsten – und für uns sehr speziellen Tempel. Kyomizu-dera.

Bei Gelegenheit werde ich dazu noch mehr schreiben, aber für den Moment sei gesagt, dass dieser Tempel im Frühling während der Kirschblüte wesentlich schöner ist als in der Sommerhitze. Außerdem ist der Terrassenteil des Tempels „under construction“ und somit bleibt teilweise nur der Blick durch den Bauzaun.

Ein letzter, vom Namen her mir unbekannter Tempel mit schönem ruhigem Garten und wenigen Besuchern.

Unsere letzte Nacht in Kyoto verbringen wir damit, Shabu Shabu tabehoudai zu genießen! Eins meiner liebsten Gerichte in Japan – und in dem Restaurant besonders gut.

Den Weg zurück rollen wir dann eher, aber gut..man muss halt opfer bringen..

Der nächste Tag ist nicht so sonderlich spannend. Packen, sich im nächsten Zug auf den Weg nach Osaka begeben, einmal herzhaft in ein Okonomiyaki beißen (und den Rest beim Starbucks im Flughafen aufmümmeln) und schon sitzen wir im Flieger zurück nach Haneda..

P.s: „Sommermelodie“ rührt von einem Musikstück her, das wir auf unserer Reise im Sommer sehr häufig gemeinsam gehört haben..


Von Kobe, Valentinstag und was mir sonst noch so einfällt

20120214-124548.jpg

Bevor ich den Reisebericht fortführe, möchte ich euch, meinen lieben Lesern, einen schönen Valentinstag wünschen.

Denn ja, heute ist es mal wieder so weit. Verliebte schieben sich gegenseitig kleine Geschenke zu, gehen romantisch essen oder machen was auch immer ihnen grade einfällt. Natürlich suggerieren diverse Schaufenster in sämtlichen Städten, wie wichtig doch dieser Tag ist – und das man ihn (vor allem als Mann) auf keinen Fall verpassen sollte! Ja, es wird sogar die schon seit gut zwei Monaten vor sich hinstaubende Osterdeko zu diesem Zweck ein wenig zur Seite gerückt. Pink, Rosa und Rot dominieren. Herzchen überall. Vor allem Schmuckgeschäfte protzen gradezu mit überladener Deko und „Mahnschildern“ damit der Mann auch ja ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er nicht SOFORT den Laden betritt und etwas unglaublich teurer (und unglaublich unnützes) dort kauft. Wie wäre es mit ein paar Blumen? In Pink? Und Pralinen? Auch in Pink?… achja, sowas sollten Männer nur als Beigabe zusätzlich schenken (Achtung- diese zwei Komponenten dürfen auf garkeinen Fall fehlen, liebe Männer!)

Frauen scheinen nicht ganz so sehr unter Druck zu stehen, aber natürlich spielt sich in den meißten weiblichen Gehirnen ähnliches ab. Was schenke ich nur meinem Angebeteten?! Von Jahr zu Jahr wird es schwerer etwas zu finden. Von Jahr zu Jahr steigen die Ansprüche. Natürlich nur im Hinblick darauf, was man geschenkt bekommt.

Es ist also ein gesellschaftlich wichtiger Tag. Aber warum eigentlich? Wie kamen wir vom 14. Februar -dem Tag des Verräters Judas, also nicht so sonderlich positiv – plötzlich auf das „Fest der Liebenden“? Und was hat eine römische Göttin damit zu tun?

Wie fast alles, ist es mal wieder eine „Erfindung“ der Katholischen Kirche – die einen alt gebräuchlichen Feiertag zu Ehren der Göttin Juno zum eigenen Vorteil nutzte. Ähnlich wie bei Ostern (dem eigentlichen Fest der Göttin Ostara) wurde dem Tag nun also die Bedeutung zu Teil, dem heiligen Valentin zu gedenken. Dieser hat zwar weder Geburtsdatum noch Todestag irgendwo verewigt, jedoch wagte er es – in Zeiten in denen der Christliche Glauben verboten war – Ehewillige Paare nach christlichen Sitten zu trauen. Also ordnete man ihm diesen Tag zu, verband das Ganze ein bisschen mit der Bedeutung der Juno (Göttin der Ehe und Geburt)- und schwupps, das Blumenopfer, dass jährlich der Göttin galt wurde nun nicht mehr unnütz in den Kirchen abgelegt, sondern seiner eigenen Angebeteten überreicht. Als Zeichen der Liebe. Und.. welche Frau fühlt sich nicht gerne als Göttin?

Der Valentinstag ward geschaffen – und irgendwann kam auch den Unternehmern der Gedanke, dass man das doch irgendwie kommerziell nutzen könne.

Wieder was gelernt.

Schauen wir nun einmal auf die andere Seite des großen Teiches, in unser Lieblingsland – Japan.

Dort wurde der Valentinstag sozusagen okkupiert (oder sollte man besser sagen – annektiert?) Und – wie so ziemlich alles- angepasst ääähm.. verbessert!

So schenken an diesem Tag nur die Damen der Herrenwelt etwas. Und nein, das bezieht sich nicht nur auf den eigenen Freund, Mann, was auch immer. Es geht schon im Kindergarten los – die kleinen Mädels beschenken ihre Kindergartenfreunde. Natürlich ist es da noch nichts so ernstes, jedoch ändert sich das in der Schule schnell. Die beliebten Jungs bekommen MASSEN an Schokolade. Die Nerds gehen meißt leer aus und sind somit der Häme der Klasse ausgesetzt. Auch gibt man beliebten Lehrern gelegentlich ein wenig Schokolade..

Wichtig ist es, was man für Schokolade schenkt. Ist es die billige aus dem Konbini um die Ecke, nennt man es gewöhnlich Giri-choco (frei übersetzt „Mitleids-Schokolade“ oder in gewissen Fällen „Höflichkeits-Schokolade“), die teureren aus dem Supermarkt und die liebevoll selbstgemachten gibt es nur für den wirklich Angehimmelten.

Ist man aus der Schule raus, so ist man dem Druck des Valentinstages aber erst so richtig ausgesetzt! Die Frauen – so sie denn arbeiten- MÜSSEN an ihre Chefs und evtl. sogar Kollegen Giri-Choco verteilen. Aus Höflichkeit. und vielleicht auch ein wenig Mitleid..
Da können schonmal ein paar hundert Euronen fällig werden. Hatte ich die Verpackung schon erwähnt? Desto kunstvoller und Farbkräftiger die Verpackung, desto wichtiger ist die beschenkte Person. Sollte man schon einen festen Partner haben, so wird man ihm also die Schokolade selber machen und hübsch kunstvoll in einem kräftigen Pink verpacken. So weit, so gut – nicht?

Für die Männer bedeutet der Valentinstag folgendes: Stress!

Bekommen sie keine Schokolade, gelten sie als Looser. Bekommen sie Schokolade, so müssen sie sich am White day revangieren. Und zwar zumindest doppelt so viel wie die Frau sich engagiert hat. Ist man verheiratet oder hat Freundin/was auch immer, so MUSS noch ein wertvolles kleines (?!) Geschenk dazu. Aber ihr Männer habt ja bis März Zeit zum überlegen. Und verpassen könnt ihr den Tag auch nicht. Außer ihr geht ab heute einfach nicht mehr aus dem Haus.

Kommerziell übertrifft Japan nämlich Deutschland um Längen. Der Valentinstag blinkt, dudelt, leuchtet, strahlt und schreit einem entgegen!

Und was macht man, wenn man in einer interkulturellen Fernbeziehung ist?

Richtig – man schreibt eine Karte und schickt am betreffenden Tag eine e-mail, denn die Schokolade und der Süßkram den man liebevoll zubereitet hat würde beim Versand eh schlecht werden. Hatten wir einmal, muss nicht nochmal. Und so genießen wir an diesem Tag unsere Ruhe (und sind ein bisschen netter zueinaner als sonst..)

Zusatz: Die Karte ist natürlich nicht pünktlich angekommen, wie sollte es auch anders sein…

_____________________________________________________________________________________________

So, nun aber genug über den Tag der Liebenden – auf nach Kobe!

Da wir den Tag zum Großteil ja in Himeji vertrödelt haben, checken wir an dem Abend eigentlich nur noch in unser Hotel ein und machen uns auf die Suche nach etwas Essbarem.

Yakiniku soll es sein.

Wenn mein Freund ein Hobby hat, so ist es, auf seinem Smartphone eifrig in den Restaurant Apps zu wühlen, zu vergleichen – und mit unglaublich zielstrebiger Sicherheit einen griff ins Klo zu landen.

Meißtens.

Ich versuche mir dann immer einzureden, dass alles gut wird und wir dieses Mal zumindest keine viereckige ungesalzene und schwabbelige „original Italienische“ Pizza essen müssen.

Das Yakiniku entpuppt sich allerdings eher als – oh Gott, ich kann es noch nichtmal definieren – auf einer Metallplatte die über einer Gasflamme steht.
Ein Angestellter ist sichtlich genervt von meiner Anwesenheit (dies ist schließlich ein Nomiya „für Japaner“..) und klatscht einige Fleischlappen auf die Metallplatte. Mit viel Gemüse. Und einer undefinierbaren Sauce.
Uns wird mit vielen Worten – und für mich sogar nochmal pantomimisch unterlegt- erklärt, dass wir auf jeden Fall unsere Finger Stäbchen von der Platte zu lassen haben. Da darf nur, und ich betone NUR, das Personal dran.

Was aber tun, wenn das Fleisch langsam aber sicher einen leichten Braunkohlegeruch absondert?! Ich breche also die goldene Regel und wage es, das Fleisch zu wenden. Ich undankbares Ding.
Natürlich eilt sofort ein Angestellter vorbei (um mir auf die Finger zu hauen), aber mit Kopf schräg legen und durch die Zähne zischen bekommt er wohl ein wenig Angst vor mir und es ist auf einmal alles garnicht mehr so schlimm.
Bf muss grinsen.
Schmecken tut das ganze dann doch nicht so gut, daran ändert auch das Tabehoudai nichts, das wir ausgiebig nutzen bis wir platzen. Ich scheine den Mitarbeiter so verschüchtert zu haben, dass uns nur noch die Teller mit den Zutaten an den Tisch gestellt werden.
Vom Nachbartisch bekommen wir neidische Blicke – ich glaube die wollen ihr Braunkohle Fleisch auch lieber selbst wenden. Aber die haben halt keine Gaijin mit Steinkopf dabei. Pech gehabt. Vielleicht sollte ich mich zu solchen Zwecken mieten lassen?

Der nächste Tag.

Nja, das Wetter ist eher bescheiden und nur unsere gute Laune plus unglaubliche Motivation reicht Richtung unendlich. Fast.

Unser erster Weg führt uns zum Hafen und unterwegs stelle ich eher enttäuscht fest, dass Kobe jetzt nicht so die wahnsinnig schöne Stadt ist. Gut. Immernoch ein wenig schicker als Hiroshima, aber gut.

Am Hafen kann man dann verschiedene Uboote und kleine Schiffe bewundern, Statuen, komisch geformte Gebäude und ein Türmchen inklusive.

Oh, und Sightseeing Schiffe gibt es da auch. Die sehen auch garnicht kitschig aus. Nein. Überhaupt nicht! Und wir fahren auch keine Runde damit. Wiiiir doch nicht.

..und schwupps, befinde ich mich auf besagtem Schiff und wir schippern eine Runde durch die (zugegeben nicht ganz uninteressante) Gegend.

Wusstet ihr, dass Mitsubishi dort eine Bucht hat in der sie Uboote bauen? Und das Mitsubishi die einzigen in Japan sind, die das dürfen? und so eine Bucht haben? Ich lerne dazu. Langsam, aber ich lerne.

Für den Nachmittag haben wir schon Karten für den Shinkansen nach Kyoto reserviert und somit bleibt uns nach der Sightseeing Tour nur noch ein wenig Zeit um einen geeigneten Ort zum Mittagessen zu finden. Ich kann Bf überzeugen, dass wir einfach mal so durch Kobes Wimmelstraßen im Zentrum schängeln um Ausschau nach etwas Interessantem zu halten. Wir finden dann auch recht schnell etwas, denn was möchte man auf jeden Fall in Kobe essen? Jawoll! Kobe beef!

Unscheinbar hinter einer schwarzen Tür verborgen und im 6. Stock liegend (oder war es doch der 12.?) betreten wir einen Palast!
Riesige Tische mit einem noch größeren Teppan (Kochplatte) in der Mitte! ..und einem recht merkwürdigen System.
Wir werden an einen der riesen Tische manövriert. Gemeinsam mit einem weiteren Paar und einer keinen Familie. Ja, wir finden alle Platz an dem Tisch. Ein Koch mit Kochmütze erscheint, ölt die Platte ein und eine Kellnerin nimmt unsere Bestellung entgegen. Für mich ein kleines, für mein Männe ein großes. Alles natürlich als Mittagsset mit Suppe, Reis und Salat.
Den Preis ignoriere ich dann doch lieber.
Unser Koch holt also frittierte Knoblauchscheiben hervor, wirft uns einen fragenden Blick zu, wir nicken und er verteilt das Zeug auf der eingeölten Platte. Mit zwei Spateln wird alles gut durchgemengt und schließlich zu einem kleinen Turm genbaut auf die Seite geschoben. Dann kommt das, was wir kaum erwarten konnten. Das Fleisch! Ein kräftiges Rosa mit durchgehend fein weißer Mamorierung.
Es wird uns unter die Nase gehalten, wir nicken abermals zustimmend und schon landet es auf der heißen, mit Knoblauch eingeriebenen Platte. Nach ein bisschen Zischen und brutzeln, nimmt der Koch eine Wasserflasche, besprenkelt kurz das Fleisch, holt einen großen Glockendeckel hervon und lässt das Gemisch darunter verschwinden.

Wie roh hätten wir es denn gerne? Hmm.. Medium sollte es schon sein. Man sieht, wie er innerlich anfängt zu zählen. Ich zähle mit, werde aber von der Kelnerin abgelenkt, die nun unser Set versucht auf dem schmalen Tischstreifen unterzubringen. Wir disponieren die Tischordnung ein bisschen um, kuscheln uns enger aneinander und beobachten aus den Augenwinkeln wie der Koch die Haube hebt, mit einem Spachtel das Fleisch teilt und es sammt ein wenig des frittierten und gebratenen Knoblauchs auf einen Teller bugsiert. Es duftet. Andächtig starre ich meinen Teller an.

Zart rosanes Fleisch blickt mir entgegen und schreit „iss mich!!!“ Ich probiere also ein kleines Stück. Es schmilzt im Mund. Man braucht kaum zu kauen! Gott, wenn man einen Geschmacksorgasmus bekommen kann, dann wohl jetzt! (und nein, dass mit den 80 Bananen werde ich DEFINITIV nicht probieren, liebe Sasu!)
Wir beenden andächtig unsere Mahlzeit, nach Erhalt der Rechnung wedel ich meiner besseren Hälfte ein wenig Luft zu, damit er nicht umkippt – und leise verlassen wir das Restaurant. Glücklich. Satt. Befriedigt (was hier eine ganz neue Bedeutung bekommt..).

So trotten wir fröhlich wieder zum Hotel um unser Gepäck einzusammeln, als ich plötzlich feststelle das mein Regenschirm fehlt! Mein! Regenschirm! Ihr erinnert euch? DER Regenschirm, den ich auf Miyajima erstanden habe? Ja?
Ich gehe also den Tag nochmal durch und komme zu dem Schluss, dass ich ihn am Morgen in unserem Zimmer vergessen haben muss. Ich kann sogar genau sagen wo – nämlich auf dem überdimensionalen Schreibtischstuhl. Quer.

Wir geben also an der Rezeption eine Vermisstenmeldung heraus, das Reinigunsteam wird informiert und meldet zurück – kein Fund. Das kann nicht sein! Er muss doch dort sein?! Nochmal den Zimmerservice kontaktiert, man würde nochmal nachschauen. Kurze Zeit später – nichts gefunden. Ich beschreibe Bf nochmals genau, wo der Schirm liegt, er hat ja auch massenweise Fotos mit mir und Schirm, jetzt weiß also jeder auch gleich wie er aussieht.
Der Hotelmanager kommt, spricht mit dem Reinigungspersonal, mit meinem Freund, mit der Rezeption, schaut nochmal im Lager nach und beschließt, doch persönlich nochmal im Zimmer nachzuschauen. Bf begleitet ihn. Ich nicht. Mir ist in der Hitze nicht ganz so gut und bin froh, dass die Männer mich bitten doch kurz sitzen zu bleiben.
Nach ein paar Minuten öffnen sich die Fahrstuhltüren und mein freudestrahlender Freund hüpft mir entgegen. Mit Schirm in der Hand! Gerettet! Ich verbeuge mich artig mehrmals und ganz tief vor dem Manager und murmel auch gleich die erst vor kurzem gelernten Dankesformeln. Er ist begeistert und schenkt mir ein Bonbon. (Ein Bonbon?! Sollte ich das jetzt persönlich nehmen? Aber das Ding schmeckt..) und wir können endlich in Ruhe nach Kyoto aufbrechen.

So, und jetzt muss ich erstmal Fotos sortieren, denn – es ist nicht meine erste Kyoto Reise gewesen und ich überlege, wie ich die zwei vollkommen unterschiedlichen Reiseberichte miteinander kombinieren kann.. oder doch lieber zwei Berichte? Mal schauen..

Ich wünsche euch noch einen schönen Valentinstag! Mit vielen Blumen und Pralinen und ganz viel Liebe und so!

Alles Liebe,
Rose


Himeji – Willkommen auf der Baustelle

Zurück zur Sommerreise – von Kurashiki aus fuhren wir nach Himeji.

Allen Warnungen zum Trotz. Denn- von der wunderschönen Burg sieht man…. nichts.
Ok, zumindest fast nichts.
Das Außengelände kann man schon sehen. Und eine wunderschne weiße Plane mit einseitigem Aufdruck der die Burg zeigt gibt es auch. Wie es sich für Baustellen an japanischen Sehenswürdigkeiten eben gehört.

Vom Bahnhof aus schlängelt man sich durch eine beeindruckende Einkaufspassage und mein Frauen-shoppingherz kommt ins schwärmen. Wobei, eigentlich hasse ich shopping! Aber.. da ist ein Kimono shop – und ich brauche doch noch eine passende Haarspange für den Sommer Yukata von meiner Lütten! Dieses Jahr passt sie nämlich endlich in ihren kleinen Roten mit dem Häschenprint!

Ich schweife ab. Mein Kerl ist schon leicht genervt. Und hungrig. „Hunger ist schlimmer als alles andere“ beschloss es – und tingelt zurück zum Bahnhof.

Aber..aber… Kimonoshop? Burg???

Hilft alles nichts, er setzt sich durch und mein Interesse an allem anderen verfliegt sofort, als ich die Essens-ecke im Bahnhof entdecke.. Es gibt dort nämlich ALLES! Und das auch erstaunlicherweise noch bezahlbar! Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Frisches Tonkatsu, frisches Tempura, selbst zusammenstellbare Bentoboxen mit allen möglichen und unmöglichen Leckereien.. aber, der Mann an meiner Seite hat andere Pläne.

Takoyaki.

Und nein, nicht irgendwelche beliebigen! Das wäre ja auch zu einfach.. es müssen Spezielle sein. Nämlich welche, die nicht mit Tonnen von leckerer Sauce und Mayo ertänkt werden – stattdessen dippt man sie in eine dünne Suppe. Hmmmm.. ok, probieren kann man ja mal. Zu meiner Rettung odert der Herr noch einmal „normale“ Takoyaki und wir werden gebeten, uns doch bitte ungefähr 15 Minuten mit uns selbst zu beschäftigen weil die Dinger erst noch frisch gemacht werden müssen.

Ich schleiche also, eine lange Sabberspur hinterlassend, um die anderen Stände herum bis mein Mann mich ruft und wir zwei weiße Plastiktüten entgegen nehmen können. Nun bleibt nur noch die Frage wo wir essen wollen… Männliches Gehirn auf Hochtouren sage ich euch. Aber interessant ihm beim denken zuzuschauen. Er beschließt, in einem kleinen Park vor der Burg zu essen. Kluger Mann. Zwei Fliegen mit einer Klappe- denn wir wollen das Essen ja schließlich warm zu uns nehmen, und somit haben wir leider keine Zeit um uns in der Einkaufspassage großartig umzusehen. Er gewinnt. Aber ich habe ja schließlich auch Hunger..

Endlich an dem Platz angekommen, stellen wir fest, dass das Essen leider nur noch mäßig warm ist. (Nicht meine Schuld, ehrlich! Ich bin extra ganz schnell gelaufen und habe sogar auf Fotos verzichtet!) Wir packen also fix aus und ich überlasse ihm – gnädig wie ich bin – die Takoyaki Suppen Kombo.. um mich unbemerkt auf die normalen zu stürzen. Hach, ich liebe diese Dinger einfach irgendwie. Mag an den Tentakeln liegen. Hmmm.. Tentakel… ich schweife schon wieder ab. Während ich relativ schnell die kleinen Bällchen in meinen Mund befördere, macht mein Freund ein eher gequältes Gesicht und zwingt mich letzten Endes dazu die zweite Version zu probieren.

(all squishi und schmeckt irgendwie nach weichen Eierkuchen mit Tentakeln..)

Diese Dinger sind ganz und garnicht wie Takoyaki. So… ungewürzt… und die Suppe ist auch eher eine Plörre.. und diese doofen Bällchen lösen sich quasi darin auf. Es ist fast wie Mochi im Shabu Shabu zu essen…. (und dabei mag ich Mochi im Shabu shabu..) oder lecker fluffige Pfannekuchen in Suppe zu ertränken! (Flädlesuppe mit Oktopus quasi..)
Wir essen trotzdem brav auf, bringen es aber nicht übers Herz die Suppe ordnungsgemäß zu trinken und Bf macht sich Gedanken über die geeigbete Entsorgung des angefallenen Mülls plus Suppe. Irgendwie findet er eine Lösung und nun können wir auch endlich den Ausblick auf die Burg genießen. Nicht. Hatte ich die hübsch-hässliche Plane schon erwähnt?

Trotzdem wird uns am Eingang der volle Eintrittspreis abgenommen und man schleust uns duch ein Labyrint aus Planen und Baugerüsten. Schließlich landen wir irgendwie im Inneren der Burg, wo auf lustig bunten Schaubildchen das frühere Außen- und Innenleben dargestellt, sowie die gesammte Chronik der Restaurierung plus Zeitplan zu finden ist. Hochinteressant sage ich euch.

Ein paar obligatorische „wir waren hier“ Touristenbilder später sind wir auch schon wieder draußen. Ich glaube so schnell war ich noch durch keine Burg durch.

Und was lauert auf dem Rückweg? Die Einkaufspassage! Nur komischerweise scheine ich alles Interesse an irgendwelchen Einkäufen in der Burg zurückgelassen zu haben und mein Freund scheint es gefunden zu haben. Denn plötzlich ist er derjenige der „nur mal kurz anschauen“ gehen will…

Ich begnüge mich mit einem kleinen Schlüsselanhänger ala „süßes pummeliges Maskottchen schreit, dass ich hier war – mit ein bisschen blingbling“ und zerre meinen Kerl zurück zum Bahnhof wo wir uns auf den Weg nach Kobe machen…


Kurashiki

In der Edo-zeit war Kurashiki eine wichtige Handels- und Lagerstadt, heute ist sie eher bei Touristen bekannt und beliebt dank ihrer gut erhaltenen und ansprechenden alten Gebäude. Die typischen Lagerhäuser haben dabei meißt eine schwarze Grundfläche, die mit einem weißen Rautenmuster verziert wird. Oftmals ist aber auch die Fassade weiß und die schwarz/weiße Verzierung nur an einigen Stellen zu sehen.

Kommt man im heutigen Kurashiki an, wird man von einem modernen Bahnhof empfangen, der es einem so gänzlich schwer macht sich in der Nähe auch nur ansatzweise traditionelle Bauten vorzustellen – aber es ist wie so oft in Japan, der Schein trügt und wenn du um die nächste Ecke biegst bist du in einer vollkommen anderen Welt. Naja, fast zumindest.

Folgt man also der Hauptstraße der Stadz ein Stückchen, stellt man fest dass die Gebäude mit jedem Schritt traditioneller zu werden scheinen. Sieht man am Anfang noch „super kawaii mega fashion shopping stores“, so wandelt es sich immer mehr zu kleinen Handwerklich orientierten Läden die Schnitzkunst, Nähwaren und anderes anbieten.

Nun kommen wir zu dem Teil mit dem Abbiegen. Verlässt man an einer großen Kreuzung nämlich die Hauptstraße (ca. 10 Minuten Fußweg vom Bahnhof entfernt), so findet man sich inmitten traditioneller Gebäude wieder. Das Leben scheint langsamer zu fließen, auch wenn sich gewaltige Touristenströme durch die Gassen quetschen. Natürlich hat in alles traditionelle auch der Tourismus Einzug gehalten, und so bieten die meißten Läden doch entweder recht kitschige Sachen nebst dem üblichen Hello Kitty und co Kram an, oder auch direkt die Großfamilien Omiyage-packung (siehe Rose-deutsch).

Die berühmteste Süßigkeit der Stadt ist übrigens Kibi-dango (Kibi -> Hirse)

Wir blieben über Nacht in einem Hostel nahe des traditionellen Viertels – und wieder einmal ärgerte ich mich ein wenig darüber, keine Kamera für gute Nachtaufnahmen zu besitzen.. Ohne die ganzen Menschenmassen und Verkäufer, dir einem zum 2000. Mal ein Irrasshaaaaimassseeeeee entgegenbrüllen.


Fukuyama

Fukuyama ist ein kleines Städtchen in der Präfektur Hiroshima.

Ins Auge gesprungen ist es mir, da man vom Bahnhof aus schon die gut erhaltene Burg sehen kann. Und wirklich – die Burg ist nur einen Katzensprung vom Bahnhof entfernt!

Meine bessere Hälfte hatte für uns ein Hotel reserviert und unsere Überraschung war groß, als wir aus unserem Fenster blickten…

Da bekommt man doch morgens beim Aufstehen schon richtig gute Laune!

Leider hatten wir für den Ort selber keine Besichtigungszeit eingeplant, und so blieb mir nicht mehr, als Bf zu einer Besichtigung an unserem letzen Tat zu überreden bevor wir nach Kurashiki aufbrechen wollten.

In der Burg befindet sich ( wie in fast allen anderen auch…) ein kleines Museum über die Geschichte von Burg und Stadt. Fotos waren nicht erlaubt – bis auf zwei kleine Fleckchen bei denen man sich als Samurai, Ninja oder Geisha kleiden konnte um ein touristisches Andenken mit nach Hause zu nehmen.

Bf ist für soetwas nicht zu haben – somit verzichtete ich seufzend ebenfalls auf den Spaß und blickte neidisch zu dem Gaijinpärchen das sich fleißig austobte..

Zurück aus der Burg wollten wir im Hotel auschecken, aber der sehr freundliche Herr wollte uns viel eher die mehr als reichlich vorhandenen Sehenswürdigkeiten anpreisen. Wir lauschten also geduldig und dann fiel etwas interessantes. Ein Holocaust Museum mitten im Nirgendwo von Fukuyama.

Wir schmissen also unsere Zeitplanung ein wenig über den Haufen und machten uns auf den Weg.

Im Bummelzug saßen ein paar Obaachan und Schulmädels in ihren Uniformen. Der angesteuerte Bahnhof lag noch mehr mitten im Nirgendwo als gedacht. Das Beste – es gab ein elektronisches Gate für Suica Nutzer.. Nun ja.. nennen wir es ein freiwilliges Gate.. denn es war unbeaufsichtigt und einfach nur ein kleiner Kasten in der Landschaft. Noch nichtmal direkt an den Treppen vom Gleis, sondern etwas abseits und mit einem kleinen Dach darüber.

Hitze. Und keinen Plan wo es zum Museum geht.

Wir schlugen uns also unseren Weg durch die reichlich vorhandenen Felder, bemühten gelegentlich das Handy um auf der kleinen Karte nachzusehen in welche Richtung wir uns bewegen mussten, und genossen zum ersten Mal Ruhe und Landschaft ohne Stress.

 

Nach dieser Landschaftlich sehr schönen Wanderung gelangten wir endlich an unser Ziel. Das Fukuyama Holocaust education center.

 

Von außen ein dunkler Klotz mit ein paar Glasfronten. Wir betraten es recht unsicher, da nirgends eine Menschenseele zu sehen war. Doch kaum standen wir im Vorraum, sprang uns aus einem Nebenraum auch schon der Manager samt zweier weiblicher Helferinnen entgegen. Er konnte seine grenzenlose Freude über einen ausländischen Besucher kaum unterdrücken und so wurden wir unter tausenden von Entschuldigungen in einen dunklen Saal geschoben und zum hinsetzen höflichst gezwungen. Ich verstand nur noch Bahnhof in dem Gebrabbel aus Englisch und Japanisch, das dieser Mensch von sich gab, aber schließlich ließ er uns in dem dunklen Saal allein und als die Wand eine Leinwand preisgab, verstand auch ich, dass wir nun einen Film sehen würden. 20 Minuten lang.  Über die Geschichte des education centers.

Die Ausstellung an sich war für mich sehr interessant, da ich viel über das Thema weiß, die gängigen Museen hier in Deutschland zu dem Thema kenne und nun einmal die vollkommen andere Herangehensweise der Japaner betrachten konnte. Fokus des Centers liegt übrigens auf der Geschichte von Anne Frank, da der Begründer ein guter Freund von Annes Vater, Otto Frank, war. Daher befinden sich auch viele Originale im Museum, die hier in Deutschland gänzlich unbekannt sind – und auch Annes Stiefschwester (Eva Geiringer) kommt hier zu Wort.

Nachdem wir den Rundgang beendet hatten, setzten wir uns mit dem Manager zusammen und ich stand quasi für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Nach einer Verewigung im Gästebuch und dem Austauschen der Visitenkarten mit dem Versprechen, sich baldigst miteinander in Kontakt zu setzen, verabschiedeten wir uns schließlich, spazierten nachdenklich und still den Weg zurück, saßen im leeren Zug und kamen schließlich wieder an unserem Hotel an..

Auf nach Kurashiki..


Tomo no Ura – auf den Spuren von Ponyo

Zurück zum Sommer..

Wer durch die fröhlich bunt chaotische Reihenfolge den Faden verloren hat, kann  hier  nochmal nachschauen.

Von Fukuyama aus ist Tomo no Ura nur 14km entfernt. Unsere Wahl fiel auf den kleinen Ort hauptsächlich deswegen, weil Miyazaki Hayao dort seine Inspiration für den Film Ponyo schöpfte , der 2008 in die Japanischen Kinos kam.

Tomo no Ura bietet eine schöne Landschaft und wunderbar erhaltene Gassen mit alten traditionellen Häusern. Man fühlt sich teilweise fast wie in Kyoto – nur mit weitaus weniger Touristen. Besonders ist der Hafen der Stadt, der in fast unveränderter Halbkreisform noch immer besteht. Ebenso bietet das Städtchen viele alte Tempel.

 

Unser recht eng gesteckter Zeitplan erlaubte es uns leider erst am frühen Abend in den Bus zu steigen, somit hatten wir dieses Mal keine Gelegenheit, die Tempel zu sehen. Dafür schipperten wir mit einem kleinen Bot einmal zu einer kleinen Insel vor dem Hafen, die offenbar eine Jugendherberge besaß – und wieder zurück.

 

In den engen Gassen nahe des Hafens konnte ich den Gedanken nicht abschütteln, dass dies der perfekte Ort für Fotoshootings wäre. Keine Getränkeautomaten, keine Hochglanzposter..

 

 

Nahe der Bushaltestelle..