2011

Berg da.. Berg weg..

Ich habe ja nun schon öfter behauptet, dass Fujisan ein Meister der Tarnung ist.. hier der Beweis!

Berg weg…

~Aussicht vom Tanukiko Sommer 2010 ~

Berg da…

~ Aussicht vom Tanukiko Winter 2011/12 ~

Beide Bilder sind aus fast der gleichen Position aufgenommen worden, nur das erste wurde etwas herangezoomt. 2010 war das erste Mal, dass ich zum Tanukiko kam. Damals hatte ich noch nichtmal ansatzweise einen Schimmer in welcher Richtung Fujisan sich befindet und wie groß er ist.. ich hoffe wirklich, dass ich irgendwann einmal zur Zeit des Diamond Fuji dort sein kann – wenn nämlich die Sonne genasu über dem Berggipfel aufgeht….

P.s.: Unglaublich aber wahr – dies ist der 100. Blogpost! Ebenfalls wurde heute die magische Zahl von 20.000 Lesern geknackt! Ich möchte euch ganz herzlich dafür danken!

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Vergesslich.. und eine kleine Neuerung

Bei all dem Gewusel um mich herum habe ich doch tatsächlich vergessen euch ein frohes neues Jahr zu wünschen!

Das möchte ich nun nachholen (gestern war ja schließlich auch das Chinesische Neujahrsfest..) und euch alles Gute für 2012 wünschen!

 

Und noch eine kleine Neuerung..

auf Grund mehrfacher Nachfrage habe ich nun einen Facebook Like-button in die Menüleiste eingefügt!

Unter den einzelnen Posts findet ihr trotzdem weiter wie gehabt den kleinen „share me“ button, über den ihr den entsprechenden Post mit allen möglichen Plattformen verbinden könnt.


Von Neujahr, Hatsumode und einer kleinen Reise zum Fujisan..

Hui.. jetzt komme ich hier aber ganz schön durcheinander mit den Sachen die ich eigentlich noch über den letzten Sommer schreiben wollte, und den Sachen die sich aktuell nur so überschlagen..

aber gut, das Wetter draußen sagt mir mit seinen 2 Grad, dass Winterliches momentan besser passt daher werden die letzten Sachen vom Sommer später folgen..

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Nach der Beerdigung kam Neujahr -und ging relativ leise auch wieder.

Neujahr in Japan ist anders. Gut, dass weiß man nun irgendwie schon so einigermaßen, aber wenn man selbst mitten drin steckt ist es nochmal etwas anderes.

Außerdem hat mein Freund an Neujahr Geburtstag, aber auch das ist hier keine allzu große Sache. Wir waren an Silvester schon weit vor Mitternacht im Bett. Der ursprünglich geplante mitternächtliche Schreinbesuch konnte ja auf Grund der Umstände nicht stattfinden und somit verschoben wir Hatsumode (das Neujahrsgebet) auf später und in einen Tempel da man dort keine Torii passieren muss.

In der Woche nach Neujahr sollte man viel Geduld bei einem Schrein- oder Tempelbesuch mitbringen, denn ganz Japan begibt sich in dieser Zeit dort hin.

Wir rangen uns zu einem Familienausflug durch zu einem recht bekannten Tempel ( Kasamori-ji) in Chiba. Das besondere, es ist der einzige Tempel in Japan, der durch Holzkonstruktionen auf allen vier Seiten auf einer Art Felsen sitzt – und er ist auch schon ewig alt (wurde irgendwann um 784erbaut). Der wohl berühmteste Tempel mit einer Holzkonstruktion (allerdings nur auf 2 Seiten) ist der Kiyomizudera in Kyoto. Das nur nebenbei..

Wir stellten uns in die endlose Schlage in der Kälte, trippelten eine gute Stunde lang im Schneckentempo vorwärts, wuschen unsere Hände im eisig kalten Tempelbrunnen und zu guter Letzt zogen wir auch noch brav unsere Schuhe aus um die steile Treppe zum Tempel zu erklimmen. Nochmal eine halbe Stunde bis wir endlich ins Heiligste schlurften. Eine kurze Einweisung wie gebetet werden soll. Hier benutzt man das 2-2-1-1 prinzip.. Zuerst wirft man eine 5 yen Münze in den bereitstehenden Kasten, dann folgt 2x klatschen, 2x verbeugen (einmal leicht und einmal tief) , beten, verbeugen (tief).

Alles ganz einfach, oder? Bis jetzt habe ich 6 oder 7 solcher Reihenfolgen in mein Hirn gebrannt, mal schauen was noch kommt…

Mit den Menschenmassen wieder nach draußen geschoben, noch ein paar Leckereien an den Fressbuden geknabbert, das obligatorische Omikuji gezogen (es ist kein gutes Jahr um zu heiraten oder Kinder zu bekommen~ aye~ und ich werde verlorene Sachen auch nicht wieder zurück bekommen..)

Weiter ging es zum Tokyo Deutsumura – dem deutschen Dorf in Tokyo (besser in Chiba…) wo jeden Winter die „Weihnachtliche“ Beleuchtung angeschmissen wird.. seht selbst..

Bf hatte ganz schön zu knabbern während der Tage um Neujahr.. das erste Mal ohne Vater. Das erste Mal ohne die Strukturen, die sich seit 8 Jahren eingeprägt haben. Das erste Mal ohne einen Besuch im Krankenhaus.

Ebenso seine Mutter und Schwester. Daher beschlossen wir, eine Kurzreise in Richtung Hakkone und Fujisan zu machen und die Gedanken wieder in andere Bahnen zu lenken.

Gesagt, getan – auf nach Hakkone. Unser erster Weg führte uns zum Museum des kleinen Prinzen. Ein recht interessantes Museum über das Leben des Antoine de Saint exupery – auch wenn ich immernoch finde, dass dieser eine überragende Ähnlichkeit mit Mr. Bean hat…

Danach fuhren wir ins Hotel, ein traditionelles Ryokan. Wir kamen recht spät an und es war schon fast Zeit fürs Abendessen. Zu viert teilten wir uns das Zimmer.. ein ein wenig komisches Gefühl. Ich wurde zwischen meinem Freund und seiner Schwester plaziert, Okaasan schlüpfte sogleich in den bereitliegenden Yukata. Ein Dienstmädchen (öhm.. naja, eigentlich geht das Personal da so um die 50 los….) klopfte an und fragte ob wir schon bereit zum Essen wären. Joa, waren wir wohl – und so fing sie an aufzutischen. Eine halbe Stunde. Und dann stand noch immer nicht alles. Ein richtig traditionelles Essen nach den strengen Regeln der japanischen Küche zusammengestellt.. Ein Traum..

(das war erst der Anfang…)

Nach dem Essen habe ich beim Onsen allerdings gekniffen… mit Okaasan und Schwester zusammen baden gehen war mir dann doch etwas..

Am nächsten Tag verließen wir das Hotel schon wieder und machten uns auf den Weg zum Hakkone open air art museum. Mit einer Seilbahn ging es einen Berg hinauf, den Berg halb wieder hinunter, wir landeten im 大涌谷 ( Owaku dani) und plötzlich stach mir der Geruch von faulen Eiern in die Nase.. die gelb qualmenden Dinger im Berg waren Schwefelquellen.. Roch nicht wirklich lecker, sah aber interessant aus. Wir kauften eine Tüte mit der hiesigen Spezialität „Kuro Tamago“ .. Schwarze Eier. Gelöste Sulfate und Eisenionen färben die Schale vom Ei schwarz ein, das Ei selber hat einen leicht schwefelig-salzigen Geschmack.  Ich begnügte mich dann doch lieber mit Yakidango

Weiter zum Museum..

Mit der letzten Seilbahn fuhren wir wieder zurück zum Auto und machten uns auf den Weg zum Fujisan.. genauer, zum Fuji Milk Land. Dort bezogen wir ein gemütliches Häuschen mit zwei Etagen und einem berauschenden Blick auf Fujisan. Es war zwar schon dunkel, aber aus unserem Schlafzimmerfenster hatten wir einen wundervollen Blick auf den Vulkan und einen berauschenden Sternenhimmel..

(Blick aus unserem Fenster)

Am nächsten Morgen erkundeten wir zunächst die Umgebung und fuhren dann zum Tanukiko. Das letzte Mal als wir dort waren, campten viele Familien am See und wir hatten leider keinen Blick auf Fujisan. Diesmal schlug uns die eisige Kälte um die Ohren. Trotzdem campte eine einzige mutige Familie am See und wir machten einen kleinen Spaziergang.

Es ist selten, Fujisan so perfekt und gänzlich ohne Wolken zu sehen. Leider war es zu windig um die Reflektion im Wasser sehen zu können, aber eine Menge Fotografen schienen genau auf den Augenblick zu warten.

Alles hüllte sich in das sanfte Rot der Abenddämmerung und nach einer gefühlten Million Bildern machten wir uns auf den Rückweg in unser Häuschen.

Mit ein wenig Zoff und Hektik checkten wir am nächsten Morgen schweren Herzens aus und begaben uns auf den Rückweg nach Chiba.

Zumidest so halb, denn unterwegs fuhren wir Shiraito no Taki an, einer Reihe von sehr bekannten Wasserfällen. Hier hat sich seit meinem letzten Besuch einiges verändert.. Das Erdbeben hat auch hier starke Spuren hinterlassen. Die Felsen sind zum Teil abgebröckelt und in den zusammenbetonierten Plattformen aus Kletterfelsen klaffen tiefe Risse. Nun ist fast alles mit Absperrgittern und Warnschildern versehen, auch die kleine Brücke die zu den Wasserfällen führt  hat Schaden genommen, ist allerdings noch begehbar..

Weiter ging es zu einer Fahrt rund um die  Seen am Fujisan

Zuletzt machten wir Halt in Oshino Hakkai (die 8 Quellen des Mt. Fuji).

Oshino Hakkai ist besonders für seine glasklaren Quellen und Teiche bekannt. Das Wasser schimmert in einem intensiven Blau und man kann selbst bei 8 Metern Tiefe noch jedes Detail am Grund sehen.

Die restlichen Tage verbrachten wir sehr ruhig in Chiba mit ein paar Ausflügen ans Meer.. und dann war unsere gemeinsame Zeit auch schon wieder vorbei..

Wir hatten in der ganzen Zeit zwar nicht wirklich die Gelegenheit für uns zu sein (gut, außer den 2 Stunden nach meiner Ankunft), aber trotzdem war die Zeit sehr intensiv. Viele Dinge empfand ich als Zerreißproben für unsere Beziehung, aber trotz aller Schwierigkeiten haben wir es zusammen durchgestanden und sind uns jetzt noch ein Stück näher als zuvor.. Wir werden sehen, was uns die Zukunft bringt..


Beerdigung auf Japanisch – Teil 2

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Einen Tag vor meiner Abreise erhielt ich die Nachricht, dass es so weit sei und ich mich auf die Beerdigung kurz vor Neujahr einstellen solle.

Noch nicht klar war zu dem Zeitpunkt, ob ich an der Beerdigung teilnehmen oder in der Wohnung bleiben würde. Ich selbst war mir auch nicht so ganz sicher was mir lieber wäre. Ich wollte niemandem ein unwohles Gefühl bereiten, denn die meißten Japaner fühlen sich nicht sonderlich wohl wenn eine weiße Langnase neben ihnen steht, vor allem bei Veranstaltungen, die mit einem komplizierten rituellen Verhalten verbunden sind, dass die meißten von ihnen noch nichteinmal selbst verstehen. Wie soll ich es dann also verstehen?

Auf meinem 23h Flug (der übrigens eine Katastrophe vom Feinsten war – aber dazu mehr in einem anderen Post) hatte ich genügend Zeit nachzudenken. Ich entschloss mich dazu, meinem Freund die Entscheidung zu überlassen. Er kennt seine Familie am besten.

Angekommen sammelte er mich am Flughafen auf und wir verkrümelten uns für zwei ungestörte Stunden in ein Hotel. Schon wieder 4 Monate vergangen seit wir uns das letzte Mal gesehen hatten..

Das Zusammentreffen mit der Familie ließ sich dann auch schon nicht mehr länger hinausschieben. In den letzten Minuten die wir in Zweisamkeit hatten, bat er mich an der Beerdigung teilzunehmen und an seiner Seite zu bleiben.

Der Abend mit der Familie lief recht ruhig. Wir schliefen zu siebt (5 Erwachsene und zwei Kinder) in dem kleinen muckeligen Appartment der Schwester, was aber eigentlich garnicht so schlimm war wie es klingen mag. Die beiden Kids sind ordentlich gewachsen seit dem ich sie das letze Mal gesehen habe, die Kleine kann sogar schon eine beachtliche Anzahl an Wörtern von sich geben. Bevorzugt wenn sie irgendetwas haben möchte (wie mein pinkes Trinkglas) „Da? Daaaaa! Pinku! Daaaaaaa! Pinku! Da?“ Des weiteren steht Anpanman hoch im Kurs und es herrscht Angst vor Mickey Mouse.

Wir verließen die kuschelige Runde um zum Beerdigungsinstitut zu fahren. Es war schon kurz nach 22:00, aber bei 24h Öffnungszeit war das kein Problem. Gibt einem irgendwie ein sicheres Gefühl, rund um die Uhr trauern und besuchen zu können.

An diesem Abend konnten wir ihn aber leider nicht mehr sehen, da schon die Arbeiten zur Beerdigung begonnen hatten. Somit standen wir in einem geschmückten Raum mit kleinem Altar und ich wurde in die Abfolgen des Gebetes eingeführt. Räucherstäbchen entzünden, Klangschale anschlagen, verbeugen, beten, verbeugen. Nicht so schwer, aber es erforderte doch einiges an Konzentration – vor allem da an anderen Stellen andere Abfolgen gelten.

Wieder zurück, fielen wir recht schnell ins Bett.

Am Morgen gab es ein wenig Hektik, denn 8 Leute wollten durchs Bad geschleust werden, mussten Duschen, Zähneputzen, und zumindest 3 davon sich schminken. Mich inklusive natürlich. Letztendlich starteten wir dann doch pünktlich. Unterwegs wechselten mein Freund und ich in ein kleines Mietauto, damit die anderen noch Gäste vom Bahnhof einsammeln konnten.

So waren wir auch recht früh vor den anderen mir bekannten Familienmitgliedern da. Anwesend waren schon die Schwester und zwei Brüder von Bfs Mutter. Nach formaler Verbeugung und dem Üblichen, wurde ich in der zweiten Raumhälfte „abgestellt“ während mein Freund sich zu der Tee trinkenden Gesellschaft begab und die richtige formelle Vorstellung durchführte. Ich hatte da nichts zu suchen, da wir ja nicht verheiratet sind. Fühlte sich ein wenig isoliert an, aber dann kam gottseidank der Bruder von Bfs Vater, der mich schon irgendwoher kannte und herzlich mit mir sprach. Nach und nach trudelte der Rest der Familie ein. Aus „an seiner Seite bleiben“ wurde allerdings nicht allzuviel, da er der Chounan (älteste Sohn) der Familie ist, somit nun das Oberhaupt, und damit sämtliche Aufgaben übernehmen musste.

Der Bruder meines Freundes hatte seine Freundin ebenfalls mitgebracht, die sowohl ein wenig Englisch, als auch ein wenig Deutsch spricht und deutsche Philosophie studiert hat. Da wir in der Familie eine gesonderte Stellung haben (~ nicht verheiratet) blieben wir für den Großteil der Zeit zusammen und sie erklärte mir ein paar Hintergründe und Regeln, die ich bei dem höflichen japanischen Zeremonialgemurmel wohl auch beim 10. Mal nicht verstanden hätte. Sie nahm mich quasi an die Hand und dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Den Ablauf der Zeremonie an sich könnt ihr ja meinem letzten Post entnehmen. Ich habe versucht meinen Blick von außen ein wenig wiederzugeben, wobei ich natürlich in diesen Momenten mitten drin war – und das auch emotional.

Es ist einfach etwas komplett anderes als hier in Deutschland, wo doch eher distanziert mit dem Tod umgegangen wird. Geschlossene Särge und ein Grab auf dem Friedhof. Das ist in Japan halt einfach anders. Auch wenn das Begreifen des Todes damit ebenfalls nicht leichter wird. Gerade der Schritt vom letzten Mal sehen vor der Einäscherung um dann nach 90 Minuten vor ein paar Knochen und einem Gefäß voller Asche zu stehen..

Ein Todesfall zieht auch noch andere rituell-kulturelle Dinge mit sich. So wurden keine Neuhjahreskarten geschrieben und auch werden innerhalb von 49 Tagen keine Schreine besucht, da man Torii meiden soll (und Schreine nur durch eben solche betretbar sind…). Das hat damit zu tun, dass im Buddhismus in den 49 Tagen nach dem Tod alle 7 Tage ein „Gericht“ abgehalten wird, in dem der weitere Weg der Seele bestimmt wird. So sollte die Familie während dieser Phase beten und keine Schreine besuchen, da dies die zuständigen Götter verärgern – und somit eine Entscheidung zum negativen bewirken könne.

Mit anderen Worten, dass Neujahrsgebet im Schrein fällt ebenfalls aus. Aber es gibt ja auch noch Tempel.. dazu ebenfalls später mehr.

~Ich muss noch dazu sagen, dass es sich bei dieser Beerdigung um das Standardmodell handelt. Je nachdem wie gläubig die Familie ist (und wieviel der Geldbeutel hergibt) variiert das Ganze noch stark. Von daher ist auch dieser Einblick nur ein kleiner in eine unüberschaubar große Welt aus Traditionen, Ritualen und Religionen~


Beerdigung auf Japanisch..

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Abschied nehmen auf eine andere Art.

Ein zweigeteilter Raum, fröhlich schwatzende in schwarz gekleidete Menschen, die bei einer Tasse Tee am kleinen Tisch auf den Boden hocken.

Man kennt sich kaum, doch ist die Stimmung herzlich und warm.
Weitere Menschen betreten den Raum. Sie begrüßen die anderen mit einer respektvoll tiefen Verbeugung und einer Erklärung wer sie denn sind. Sie setzen sich nicht zu den anderen, sondern suchen den zweiten Teil des Raumes auf, in dem ein prunkvoller goldener Altar steht, fast ein bisschen wie in einem Tempel. Davor ein Sarg, bedeckt mit einem kostbaren Kimono, den Deckel geschlossen – jedoch zwei kleine Türchen am Kopfende geöffnet um das Gesicht sehen zu können.
Vor dem Sarg ein Tischchen mit Räucherstäbchen und einer Klangschale, zum Gebet bereitgestellt.

Mehr und mehr Menschen versammeln sich, bis schließlich verkündet wird das nun alle anwesend sind.

Der Deckel des Sarges wird entfernt, der Sarg selbst im vorderen Raum aufgebart. Ein Bild aus besseren Tagen wird aufgestellt und die Zeit den Abschied nehmens beginnt. Man lässt der engsten Familie den Vortritt. Lächelnd mit Tränen in den Augen wird der Kopf gestreichelt, die Wangen getätschelt, das wie schlafend wirkende Gesicht beschaut. Man berührt und trauert, man nimmt Abschied. Die Familie bleibt am Kopfende stehen, immernoch streichelnd und berührend gesellen sich nach und nach die anderen Gäste dazu.

Nach einer Stunde kommen die Mitarbeiter des Beerdigungsinstitutes mit Körben voller Blumen.
In der Verwandschaftsreihenfolge stellen sich nun die Gäste hintereinander auf. Zuerst Ehefrau, dann der älteste Sohn, weitere Geschwister, die Partner der Kinder,
Geschwister des Verstorbenen und so weiter.. Die Ehefrau und der älteste Sohn erhalten besondere Blumen, die sie neben dem Kopf im Sarg plazieren. Alle anderen erhalten kleinere Blumen. Rot, lila, weiß und ein paar wenige gelbe. Hat jeder eine Blüte neben den Kopf gelegt, so wird von allen gemeinsam auch der restliche Sarg in einem Blütenmeer ausgestattet.

Ein letztes Mal über den Kopf gestreichelt. Alle versammeln sich um den Sarg, der Deckel wird angereicht und jeder hält ihn. Es gibt eine kleine Ansprache, das übliche über Erlösung vom Leid und das finden der Ruhe. „Er schläft nun den ewigen Schlaf, lasst uns Gute Nacht sagen. お父さま、おやすみなさい.“
Man schließt den Deckel gemeinschaftlich, und lauscht der weiteren Ansprache, die im wesentlichen den weiteren Ablauf umfasst.

Die Gäste begeben sich in ihre Autos. die Ehefrau und der älteste Sohn fahren im schwarzen Fahrzeug mit dem Sarg mit.
Es geht zu einer Einäscherungsstätte. Brav hintereinander schlängelt sich die dunkle Schlange aus Autos der trauernden. Angekommen, trägt die Ehefrau ehrfürchtig das Bild vor dem Sarg her.

Nocheinmal werden die zwei Türchen am Kopfende geöffnet und ein weiterer Teil der Zeremonie beginnt.
Wieder streng nach Rangfolgen. Man tritt an den kleinen Altar vor dem Sarg, nimmt ein wenig von der bereitstehenden Räuchermischung, führt diese zur Stirn und danach streut man sie auf die glimmende Räucherkohle. Man schlägt einmal die Klangschale an, verbeugt sich, legt die Hände zusammen und betet. Dann tritt man zum Kopfende des Sarges, kann ein letztes Mal berühren.

Der Sarg wird geschlossen und die Trauernden in ein gläsernes Zimmer geführt. Es ist heiß. Durch die Wand aus Glas sieht man die Türen der Verbrennungskammern. Vor ihnen jeweilig ein Bild der Person.
Die engste Familie, also Ehefrau und Kinder, dürfen den Glasraum verlassen und direkt in den Raum mit den Kammern gehen. Sie bleiben auf der anderen Seite der Glaswand stehen.
Der Sarg wird in die Kammer geschoben und man verneigt sich gemeinschaftlich ein letztes Mal. Die engste Familie bekommt Beileid ausgesprochen und es wird sich viele Male wechselseitig verbeugt.
In dem Raum mit den Kammern sitzt ein Mönch, der unermüdlich seine Sutren murmelt, für die Verstorbenen betet.

Man navigiert die Gäste in einen schlichten Raum mit Tisch und Stühlen. Es steht Tee bereit und bei aufblühenden Gesprächen über Vergangenheit, Freude, Krankheit und Verlust vergehen die 90 Minuten Wartezeit sehr schnell.

Ehefrau und der älteste Sohn werden gerufen um die Knochen zu überprüfen, dann darf auch der Rest folgen.
In der nun bereits geläufigen Rangfolge stellt man sich in zweierpaaren auf und sieht sich einem Metalltisch gegenüber, auf dem sich Knochenfragmente und Bruchstücke befinden. Eine kleine weiß ausgeschlagene Kiste steht bereit. Man bekommt lange Essstäbchen und hat nun die Aufgabe, zu zweit einen Knochen mit den Stäbchen zu fassen und ihn sicher in die Kiste zu legen.
Haben alle diese Aufgabe erfüllt, begibt man sich wieder in den Warteraum bei noch mehr Tee und einem Bento, während die Urne mit Asche und Knochen gefüllt wird.

Der älteste Sohn bekommt die Aufgabe, die Urne zu tragen. Die Ehefrau trägt das Bild. So verlässt die Prozession das Gebäude und verstreut sich wieder in sämtliche Richtungen aus denen sie gekommen sind..

おやすみ、お父さん..


Eine schwere Reise..

So begebe ich mich wieder auf eine Reise. Nur, dass es diesmal weniger Reise als Abschied sein wird..

Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf, hauptsächlich aber ein seltsames Gemisch aus Trauer und Freude.

Ich möchte mich hiermit von einem wunderbaren Menschen verabschieden.


Onomichi

Zur Abwechslung zum allgemeinen Stress der Feiertage..

Onomichi.. eine hügelige  Stadt mit vielen Tempeln, ein paar Schreinen und noch ein paar Annehmlichkeiten mehr..

Da es zu Onomichi nicht ganz so viel zu berichten gibt (da kaum Hintergrundinfos), hier nur einige Bilder zum genießen..

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Hiroshima, Hiroshima desu.. (der eigentliche Bericht)

Jaja, lange musstet ihr warten auf diesen Bericht – aber nun ist es endlich so weit!

Der Memorial day in Hiroshima am 6. August 2011 zum 66. Jahrestag der Katastrophe.

Wir sind absichtlich nicht zu der Zeremonie gefahren, sondern haben Hiroshima erst am 15. besucht und dafür am 6. an der Schweigeminute und den Gebeten von Chiba aus teilgenommen.

Für mich war es ein gefühlsmäßig sehr zweigespaltener Tag. Auf der einen Seite finde ich es wichtig, sich über diese Dinge zu informieren, auf der anderen Seite ist es sehr bedrückend.

Wir begannen am Hiroshima-jo, einer hölzernen Burg, die nach dem Krieg wieder nach altem Vorbild aufgebaut wurde. Im Park der Burg stehen besondere Bäume, Phönixbäume, die die Detonation der Atombombe überstanden. Zwar wurden sie von der Hitzewelle die von der Bombe ausging vollständig verkohlt, jedoch trieben sie im folgenden Frühling neue Blätter aus und brachten den Menschen ein Stückchen Hoffnung zurück. Sie gelten als Symbol des Lebens, Überlebens und den Wiederaufbau der gänzlich zerstörten Stadt.

Zu Fuß ging es weiter zur Atombombenkuppel.

Schon alleine die Ruinen löschten uns das Lächeln aus dem Gesicht. Ich konnte es nicht verstehen, wie sich (ausländische Touristen) gröhlend lachend davor in Pose bringen konnten. Fremdschämen auf höchster Stufe.

Rings herum kleine Gedenktafeln. Ein Hibakusha (Überlebender der Atombomben Abwürfe) saß unter einem Baum und erzählte seine Geschichte. Viele Japaner standen gerührt um ihn herum und lauschten andächtig. Es ist selten geworden, aber umso wichtiger. Wir sind vielleicht eine der letzten Gernerationen, die den Geschichten dieser Menschen lauschen können, die direkt von ihnen lernen können, die das Leid noch sehen und fühlen können. Für nachfolgende Generationen wird es nur noch in Geschichtsbüchern und Museen zu finden sein.

Wir liefen bedrückt durch belebte Einkaufsstraßen hindurch zu der eigentlichen Einschlagstelle der A-bombe. Früher stand dort ein Krankenhaus. Nun erinnert eine kleine Gedenktafel daran, was hier einst passierte.

Wir gingen das Stück zum Dom zurück und suchten das Denkmal der Kinder auf. Sadako Sasaki, das kleine Mädchen das durch das Falten von 1000 Kranichen zum Symbol der Friedensbewegung geworden ist, gab den Anlass zur Errichtung dieses Denkmals. Im Museum kann man einige ihrer Persönlichen Gegenstände und einige der von ihr gefalteten Kraniche sehen. Um die Statue mit der kleinen Friedensglocke herum stehen große Glaskästen gefüllt mit Origamikranichen die aus aller Welt ihre Wege hier her fanden. Auf dem Denkmal selbst befindet sich die Figur von Sadako, die einen Kranich in den Himmel hält.

Der Friedenspark

Neben den vielen Denkmälern und Statuen befinden sich im Friedenspark auch der Cenotaph und das Friedensmuseum von Hiroshima.

Der Cenotaph ist ein Betonnernes Denkmal in dessen inneren die Offizielle Liste der Opfer von Hiroshima ruht. Auf einer kleinen Tafel findet sich (natürlich auf Japanisch) die Inschrift „Let all the souls here rest in peace; for we shall not repeat the evil“. In dem kleinen Wasserlauf rings herum findet man die Übersetzungen in viele andere Sprachen.

Schaut man durch das Konstrukt des Cenotaphs hindurch, so blickt man in der Ferne auf die Atomkuppel. Hinter einem befindet sich dann das Gedenkmuseum.

Das Museum teilt sich in zwei Teile auf. Der erste Teil gibt einen generellen Einblick in Geschichte und Hintergründe des Atombomben Abwurfes, der zweite Teil beschäftigt sich mit den Einzelschicksalen der Menschen und stellt mit Hilfe vieler gespendeter Gegenstände die Situation und Geschichten dahinter dar.

Kleine blechernde Brotdosen, verkohlte Schuluniformen, ein verkohltes Dreirad.. Es ist nicht einfach, das alles zu ertragen und viele viele Male während unseres Aufenthaltes musste ich Tränen unterdrücken und wollte mich nur noch an meinem Mann festhalten.

Wir besuchten im Anschluss auch die anderen Museumshallen, die unter anderem auch gemalte Bilder der Hibakusha ausstellen und auch auf Themen wie Missionarsarbeiten eingehen. Es gab z.B. mehrere Deutsche Pastoren, die direkt nach der Katastrophe nach Hiroshima kamen, halfen wo sie nur konnten, und blieben.

Am Ausgang des Museums befindet sich eine Art Uhr, die die Tage seit dem Aufprall der Atombombe, sowie die Tage seit dem letzten Atomwaffentest anzeigt. Erschreckend zu wissen, dass es nicht allzuviele Tage waren..


Ein Feuerwerk auf Miyajima

Frühstück in Hiroshima.

„Schaaaatz? Kannst du zum Frühstück schon Udon essen? Du weißt doch, neben unserem Hotel.. und da duftet es so gut!!“

Natürlich konnte ich da nicht nein sagen.. So landete ich in einem kleinen Familienbetrieb, in dem ich dem Mann beim Udon machen zuschauen konnte. Faszinierend.

Gut gestärkt füllten wir im nächsten 7/11 unsere Wasser- und Teevorräte auf. Nicht unwichtig bei dem Wetter.. es war einfach nur heiß und die Luftfeuchtigkeit lag jenseits von Gut und Böse!

Der Weg zum Bahnhof zog sich endlos in die Länge, aber schließlich schafften wir es zum gemütlichen Bummelzug der sich langsam zu unserem Ziel schlängelte.

Miyajimaguchi.

Von dort aus gibt es mehrere Fährverbindungen auf die kleine etwa 20 km süd-westlich von Hiroshima gelegene Insel.

Seit Urzeiten als Heiliger Ort verehrt, waren weder Geburten noch Todesfälle gestattet um die Reinheit zu erhalten. Auch heute noch werden Verstorbene von der Insel nach Honshu gebracht und dort bestattet. Im Jahre 593 wurde der Hauptschrein erbaut, der noch heute (natürlich in restaurierter Form) die Insel ziert. Der Schrein selbst steht auf Holzpfählen im Wasser, was bei Flut den Effekt erzeugt, als würde er auf dem Wasser schwimmen. Das berühmte Wahrzeichen der Insel, das rote Torii, wurde 1875 erbaut. Bei Ebbe kann man es zu Fuß erreichen, bei Flut wird der gleiche Effekt erziehlt, der auch beim Schrein zu sehen ist. Das Torii mitsamt Schrein gehört übrigens zu den Top 3 der Japanischen Ansichten.

In der Mitte der Insel liegt der Misen-san. Die Legende besagt, dass der Mönch Kūkai den Berg als erster erklomm um dort zu meditieren und ein Feuer entzündete, dass ewiglich brennen sollte. Es gilt heutzutage als das Friedensfeuer und ist Ursprung der Flamme im Friedensgedenkpark von Hiroshima. Bewundern kann man auf dem Berg dieses Feuer noch immer in der Kiezu no Reika-dō, der Halle des nie verlöschenden Feuers.

In der jüngsten Vergangenheit hat sich der Berg vor allem zum Ausflugsziel für junge Paare gemausert. Dies ist durch Aktionen wie „Entzünden sie das Feuer der ewigen Liebe“ oder „backen sie gemeinsam Liebes-Momijimanju“ und vieles mehr ins Rollen gekommen. Dazu aber später mehr.

Wir schipperten nun also mit einer Fähre ans Ufer der Insel und fanden uns in einer dicht gedrängten Menschenmasse wieder. Jedes noch so kleine Fleckchen am Ufer war mit den berühmten blauen Planen abgedeckt, die einem entgegen schrien „Hier ist reserviert! Such dir nen anderen Platz!“ Warum? Nun, es war der Tag des großen jählich stattfindenden Feuerwerks.

Wir machten uns aber vorerst eher wenig Gedanken um einen netten Sitzplatz für später und begaben uns lieber auf Erkundungstour.

Da Ebbe herrschte, zog es uns als erstes zum Torii selbst. Raus aus den Schuhen und rein in den Schlamm! Es ist wirklich riesig! Wenn man darunter steht, fühlt man sich einfach nur winzig und unbedeutend.

Der Schrein sieht bei Ebbe eher unbedeutend aus, auch wenn die Holzkonstruktion die das ganze trägt, sehr eindrucksvoll ist! Wir schlichen erstmal außen drum herum und beschlossen dann, erst später hineinzugehen und lieber erstmal noch ein bisschen mehr Insel zu begutachten.

Durch die unzähligen kleinen Gassen führte uns unser Weg ein bisschen Abseits von der großen Masse zu einem kleinen Bach, den wir eine Weile dazu nutzen uns ein wenig abzukühlen. Der Touristenstrom bewegte sich schon langsam zu den Planen und somit beschlossen wir, dass es langsam Zeit wäre für den Schrein..

Nachdem wir uns sattgesehen hatten, zog es uns noch in eines der Restaurants um Anago und frische Kinako-Mochi zu essen.

Leider waren wir nach dem Essen ein wenig zu spät dran um noch einen einigermaßen guten Platz zu ergattern, somit kehrten wir zum Ufer des Bachlaufes zurück und beobachteten in der langsam einsetztenden Dunkelheit, wie das Wasser langsam immer weiter anstieg und arme Touristen von den frei herumstreunenden Rehen um ihr Essen (und ihre Touripläne) gebracht wurden..

Bf verschwand um ein paar Knabbereien aufzutreiben und ließ mich ein wenig verzweifelt allein zurück. Nach einer Stunde schließlich kam er vollkommen erschöpft zurück mit ein paar takoyaki und ein paar fritten. Die Wege waren so verstopft mit Menschen, dass sich endlos lange Schlangen bildeten die sich langsam durch die sitzenden Massen hindurchbewegten.

Endlich wieder vereint, dauerte es auch nur noch ein paar Minuten bis zum Beginn des großen Spektakels. Allerdings nicht ohne das sich der Start noch ein wenig verzögerte. Es schallte aus den Lautsprechern die Warnung, doch bitte umgehend den Strand zu verlassen wegen der steigenden Flut. Leider schien das eine Person nicht verstanden zu haben. Nochmals die Durchsage – diesmal etwas unhöflicher. 5 Minuten Stille. Eine quietschige Frauenstimme erklang und diesmal war die Warnung zielgerichtet. „Der Mann am Strand muss diesen umgehend verlassen!“ Keine Reaktion… erst bei der 4. Durchsage (dann auch auf englisch) war die Gefahr gebannt und das Feuerwerk startete.

Nach 5 Minuten Feuerwerk wurde der Opfer des Tsunamis gedacht und den Angehörigen in Sendai Beileid ausgesprochen. Es war eine sehr bewegende Ansprache und hier und da kullerten auch ein paar Tränen. Dann ging das Feuerwerk weiter. Nach weiteren 5 Minuten plötzlich eine unerwartete Unterbrechung. Schon wieder war irgend ein Trottel an den Strand gelaufen und dort nicht mehr weg zu bekommen. Als die Sicherheitsleute ihn dann endlich entfernt hatten, ging es weiter.

Am Ende hatte man das Gefühl, dass das Feuerwerk viel zu kurz – aber unglaublich schön war. Wir beschlossen, beim nächsten Mal ein wenig früher anzureisen und uns auch einen guten Platz zu sichern um mehr zu sehen, denn einen Großteil konnten wir dank Bäumen nicht sehen..

Um den Menschenmassen zu entgehen, blieben wir einfach noch ein wenig länger sitzen und genossen den Anblick des Vollmondes und des nun beleuchteten Torii.

Mit der letzten Fähre gondelten wir zurück aufs Festland, genemigten uns im gleichen Restaurant wie auch zum Frühstück noch eine Portion Udon und fielen recht geschafft ins Bett..


ありがとう!

Danke liebe Cori!

Ich wünsche euch allen eine schöne Adventszeit!