Fukuyama

Fukuyama ist ein kleines Städtchen in der Präfektur Hiroshima.

Ins Auge gesprungen ist es mir, da man vom Bahnhof aus schon die gut erhaltene Burg sehen kann. Und wirklich – die Burg ist nur einen Katzensprung vom Bahnhof entfernt!

Meine bessere Hälfte hatte für uns ein Hotel reserviert und unsere Überraschung war groß, als wir aus unserem Fenster blickten…

Da bekommt man doch morgens beim Aufstehen schon richtig gute Laune!

Leider hatten wir für den Ort selber keine Besichtigungszeit eingeplant, und so blieb mir nicht mehr, als Bf zu einer Besichtigung an unserem letzen Tat zu überreden bevor wir nach Kurashiki aufbrechen wollten.

In der Burg befindet sich ( wie in fast allen anderen auch…) ein kleines Museum über die Geschichte von Burg und Stadt. Fotos waren nicht erlaubt – bis auf zwei kleine Fleckchen bei denen man sich als Samurai, Ninja oder Geisha kleiden konnte um ein touristisches Andenken mit nach Hause zu nehmen.

Bf ist für soetwas nicht zu haben – somit verzichtete ich seufzend ebenfalls auf den Spaß und blickte neidisch zu dem Gaijinpärchen das sich fleißig austobte..

Zurück aus der Burg wollten wir im Hotel auschecken, aber der sehr freundliche Herr wollte uns viel eher die mehr als reichlich vorhandenen Sehenswürdigkeiten anpreisen. Wir lauschten also geduldig und dann fiel etwas interessantes. Ein Holocaust Museum mitten im Nirgendwo von Fukuyama.

Wir schmissen also unsere Zeitplanung ein wenig über den Haufen und machten uns auf den Weg.

Im Bummelzug saßen ein paar Obaachan und Schulmädels in ihren Uniformen. Der angesteuerte Bahnhof lag noch mehr mitten im Nirgendwo als gedacht. Das Beste – es gab ein elektronisches Gate für Suica Nutzer.. Nun ja.. nennen wir es ein freiwilliges Gate.. denn es war unbeaufsichtigt und einfach nur ein kleiner Kasten in der Landschaft. Noch nichtmal direkt an den Treppen vom Gleis, sondern etwas abseits und mit einem kleinen Dach darüber.

Hitze. Und keinen Plan wo es zum Museum geht.

Wir schlugen uns also unseren Weg durch die reichlich vorhandenen Felder, bemühten gelegentlich das Handy um auf der kleinen Karte nachzusehen in welche Richtung wir uns bewegen mussten, und genossen zum ersten Mal Ruhe und Landschaft ohne Stress.

 

Nach dieser Landschaftlich sehr schönen Wanderung gelangten wir endlich an unser Ziel. Das Fukuyama Holocaust education center.

 

Von außen ein dunkler Klotz mit ein paar Glasfronten. Wir betraten es recht unsicher, da nirgends eine Menschenseele zu sehen war. Doch kaum standen wir im Vorraum, sprang uns aus einem Nebenraum auch schon der Manager samt zweier weiblicher Helferinnen entgegen. Er konnte seine grenzenlose Freude über einen ausländischen Besucher kaum unterdrücken und so wurden wir unter tausenden von Entschuldigungen in einen dunklen Saal geschoben und zum hinsetzen höflichst gezwungen. Ich verstand nur noch Bahnhof in dem Gebrabbel aus Englisch und Japanisch, das dieser Mensch von sich gab, aber schließlich ließ er uns in dem dunklen Saal allein und als die Wand eine Leinwand preisgab, verstand auch ich, dass wir nun einen Film sehen würden. 20 Minuten lang.  Über die Geschichte des education centers.

Die Ausstellung an sich war für mich sehr interessant, da ich viel über das Thema weiß, die gängigen Museen hier in Deutschland zu dem Thema kenne und nun einmal die vollkommen andere Herangehensweise der Japaner betrachten konnte. Fokus des Centers liegt übrigens auf der Geschichte von Anne Frank, da der Begründer ein guter Freund von Annes Vater, Otto Frank, war. Daher befinden sich auch viele Originale im Museum, die hier in Deutschland gänzlich unbekannt sind – und auch Annes Stiefschwester (Eva Geiringer) kommt hier zu Wort.

Nachdem wir den Rundgang beendet hatten, setzten wir uns mit dem Manager zusammen und ich stand quasi für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Nach einer Verewigung im Gästebuch und dem Austauschen der Visitenkarten mit dem Versprechen, sich baldigst miteinander in Kontakt zu setzen, verabschiedeten wir uns schließlich, spazierten nachdenklich und still den Weg zurück, saßen im leeren Zug und kamen schließlich wieder an unserem Hotel an..

Auf nach Kurashiki..

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