Kyoto – eine Sommermelodie

Da stehen wir nun im abendlichen Kyoto, haben uns auf dem Weg in unser Ryokan ordentlich verlaufen („das ist nicht weit vom Bahnhof weg Schatz, mach dir keine Sorgen ich weiß wo wir lang müssen“…….) und leichter Regen prasselt auf uns hernieder. Ist bei den Temperaturen um 30 grad jetzt auch nicht ganz so tragisch.

Nach ein paar Mal im Kreis laufen, schaffen wir es endlich das kleine und sehr versteckt liegende Hotel zu finden. Hier ist man international – und rechnet nicht damit, dass sie eine Langnase auf japanisch zublubbert. Man starrt mich an. „You speak english?“ Ah.. ja.. aber immer doch. Erleichterung. Bis, ja- bis mein Männe sich mit ihnen austauscht, sich zu mir wendet und trotzdem auf japanisch weiterredet. Die Kinnladen fallen auf den Tisch, man entschuldigt sich vielmals und nun ist Kommunikation auch kein Thema mehr.

Endlich eingecheckt, treibt uns der Hunger auch schon wieder nach draußen.

Natürlich nicht nur zum Essen, sondern auch um dem Maruyama Kougen einen Besuch abzustatten.
Regen. Jetzt auch nicht mehr angenehm leichter Regen, sondern prasselnde riesige Tropfen! Wir rennen also förmlich den Weg ins Zentrum, werden trotzdem klitschnass, und retten uns schließlich unter das Dach des Tempels in der Mitte des Parks. Außer uns keine Menschenseele da. Macht aber auch nichts, denn wir haben dadurch erst richtig Spaß! Wir wagen es sogar – und jetzt haltet euch fest – einen Regenschirm zu teilen! Händchenhalten inklusive. Meinetwegen darf es jetzt jeden Tag regnen.. hab ich nichts gegen.
Als schließlich meine Schuhe mit Wasser vollgelaufen sind, geben wir das nächtliche Sightseeing seufzend auf und begeben uns lieber in das gut temperierte Nakau (ein Kettenrestaurant) nebenan.
Böööser Fehler. Wer dort schonmal war, wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied davon singen können. Der Jingle der Kette brennt sich schon beim ersten hören tief ins Gehirn!

Auf dem Rückweg zum Ryokan noch ein bisschen Schaufenstershopping -und dann heißt es sich im Hauseigenen Onsen gegen merkwürdige Zeitgenossen zu verteidigen, den Yukata zurechtzurücken und schließlich ein wenig Kraft für den nächsten Tag zu sammeln.

Wir werden von strahlendem Sonnenschein begrüßt.
Mit einem Bus geht es ca. eine 3/4 Stunde aus der Stadt heraus. Hier ist alles ländlich und ruhig. Der Duft von Sommer liegt in der Luft.
Ich kann keinen Tempel weit und breit entdecken, aber mein Freund weiß (diesmal ausnahmsweise wirklich) den Weg zum Ziel – und so steigen wir einen schmalen geschlängelten Weg an einem Hügel hinauf.

Nach kurzer Zeit begegnen uns die ersten kleinen Fressbüdchen und wir wissen – bald sind wir am Ziel. Der Sanzen-in. Ein relativ großer Tempel, der aber auf Grund seiner Abgeschiedenheit meißt nur von japanischen Touristen aufgesucht wird. Dabei ist dieser Tempel jede Minute Fahrt wert!

Besonders beliebt ist es, auf der Außenfläche zu sitzen und Matcha mit Yokan zu genießen wärend man auf den sehr beruhigenden Tempelgarten blickt.

Wesentlich bekannter ist der Tempel jedoch durch ein paar kleine im Moos liegende Statuen.

Auf dem Rückweg ereilt uns wieder der heißgeliebte Nieselregen. Meine Freude über diese Abkühlung wird nur dadurch getrübt, dass ich andauernd Tropfen aus wahlweise meiner – oder Bfs Kamera wischen muss! Arrgh!

Wir passieren natürlich auch wieder die kleinen Fressbuden, wiederstehen aber, wollen uns zum weitergehen wenden, da schallt es uns hinterher „Laaadyyyy…heeee, Laaaadyyyy..“ Eine tiefen Männerstimme. „Lady! Watsch! Japaniiiis Reeeis! Berry Berry guuuuuto!“ Mein Gehirn sortiert noch diese seltsamen Laute während mein Freund neben mir schon vor lachen halb zusammenbricht.

Wir schleppen uns zurück zur Haltestelle, erwischen überraschender Weise sogar den Bus zurück und stürzen uns direkt auf das nächste Ziel – den Nanzen-ji.

Beeindruckend.

Sattgesehen geht es auf zum nächsten – und für uns sehr speziellen Tempel. Kyomizu-dera.

Bei Gelegenheit werde ich dazu noch mehr schreiben, aber für den Moment sei gesagt, dass dieser Tempel im Frühling während der Kirschblüte wesentlich schöner ist als in der Sommerhitze. Außerdem ist der Terrassenteil des Tempels „under construction“ und somit bleibt teilweise nur der Blick durch den Bauzaun.

Ein letzter, vom Namen her mir unbekannter Tempel mit schönem ruhigem Garten und wenigen Besuchern.

Unsere letzte Nacht in Kyoto verbringen wir damit, Shabu Shabu tabehoudai zu genießen! Eins meiner liebsten Gerichte in Japan – und in dem Restaurant besonders gut.

Den Weg zurück rollen wir dann eher, aber gut..man muss halt opfer bringen..

Der nächste Tag ist nicht so sonderlich spannend. Packen, sich im nächsten Zug auf den Weg nach Osaka begeben, einmal herzhaft in ein Okonomiyaki beißen (und den Rest beim Starbucks im Flughafen aufmümmeln) und schon sitzen wir im Flieger zurück nach Haneda..

P.s: „Sommermelodie“ rührt von einem Musikstück her, das wir auf unserer Reise im Sommer sehr häufig gemeinsam gehört haben..

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4 Antworten

  1. Gojira

    „Lady! Watsch!“

    Da musste ich erstmal ne Runde überlegen ob er dir eine gescheuert hat – aber nein, nur ein Japaner, der „englisch“ radebrach 😀

    Februar 17, 2012 um 9:15 am

  2. Guuutoo Bilder, da bekommt man trotzdem Hunger und Lust auf Kyoto. Freuen uns schon im Sommer, auf 7 Tage Kyoto, in unserem マンション (manshon).
    Btw. Laadyyy, ladyy, du yu want tu come on Samstag nachmittag with uns in the NRW-Forum and watch some Dinge?

    Februar 17, 2012 um 1:47 pm

  3. Ernst

    Diese Köpfchen im Moos find ich toll =)
    Wirkt sogar auf mich irgendwie entspannend.

    Könnte ich ne ganze weile watschen. :>

    Februar 17, 2012 um 3:07 pm

  4. Ja, der Sanzen-in in Ōhara ist wirklich genial. Gehört definitiv zu meiner Top 3 in Sachen Tempel in Japan.

    Februar 17, 2012 um 4:56 pm

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