Von Kobe, Valentinstag und was mir sonst noch so einfällt

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Bevor ich den Reisebericht fortführe, möchte ich euch, meinen lieben Lesern, einen schönen Valentinstag wünschen.

Denn ja, heute ist es mal wieder so weit. Verliebte schieben sich gegenseitig kleine Geschenke zu, gehen romantisch essen oder machen was auch immer ihnen grade einfällt. Natürlich suggerieren diverse Schaufenster in sämtlichen Städten, wie wichtig doch dieser Tag ist – und das man ihn (vor allem als Mann) auf keinen Fall verpassen sollte! Ja, es wird sogar die schon seit gut zwei Monaten vor sich hinstaubende Osterdeko zu diesem Zweck ein wenig zur Seite gerückt. Pink, Rosa und Rot dominieren. Herzchen überall. Vor allem Schmuckgeschäfte protzen gradezu mit überladener Deko und „Mahnschildern“ damit der Mann auch ja ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er nicht SOFORT den Laden betritt und etwas unglaublich teurer (und unglaublich unnützes) dort kauft. Wie wäre es mit ein paar Blumen? In Pink? Und Pralinen? Auch in Pink?… achja, sowas sollten Männer nur als Beigabe zusätzlich schenken (Achtung- diese zwei Komponenten dürfen auf garkeinen Fall fehlen, liebe Männer!)

Frauen scheinen nicht ganz so sehr unter Druck zu stehen, aber natürlich spielt sich in den meißten weiblichen Gehirnen ähnliches ab. Was schenke ich nur meinem Angebeteten?! Von Jahr zu Jahr wird es schwerer etwas zu finden. Von Jahr zu Jahr steigen die Ansprüche. Natürlich nur im Hinblick darauf, was man geschenkt bekommt.

Es ist also ein gesellschaftlich wichtiger Tag. Aber warum eigentlich? Wie kamen wir vom 14. Februar -dem Tag des Verräters Judas, also nicht so sonderlich positiv – plötzlich auf das „Fest der Liebenden“? Und was hat eine römische Göttin damit zu tun?

Wie fast alles, ist es mal wieder eine „Erfindung“ der Katholischen Kirche – die einen alt gebräuchlichen Feiertag zu Ehren der Göttin Juno zum eigenen Vorteil nutzte. Ähnlich wie bei Ostern (dem eigentlichen Fest der Göttin Ostara) wurde dem Tag nun also die Bedeutung zu Teil, dem heiligen Valentin zu gedenken. Dieser hat zwar weder Geburtsdatum noch Todestag irgendwo verewigt, jedoch wagte er es – in Zeiten in denen der Christliche Glauben verboten war – Ehewillige Paare nach christlichen Sitten zu trauen. Also ordnete man ihm diesen Tag zu, verband das Ganze ein bisschen mit der Bedeutung der Juno (Göttin der Ehe und Geburt)- und schwupps, das Blumenopfer, dass jährlich der Göttin galt wurde nun nicht mehr unnütz in den Kirchen abgelegt, sondern seiner eigenen Angebeteten überreicht. Als Zeichen der Liebe. Und.. welche Frau fühlt sich nicht gerne als Göttin?

Der Valentinstag ward geschaffen – und irgendwann kam auch den Unternehmern der Gedanke, dass man das doch irgendwie kommerziell nutzen könne.

Wieder was gelernt.

Schauen wir nun einmal auf die andere Seite des großen Teiches, in unser Lieblingsland – Japan.

Dort wurde der Valentinstag sozusagen okkupiert (oder sollte man besser sagen – annektiert?) Und – wie so ziemlich alles- angepasst ääähm.. verbessert!

So schenken an diesem Tag nur die Damen der Herrenwelt etwas. Und nein, das bezieht sich nicht nur auf den eigenen Freund, Mann, was auch immer. Es geht schon im Kindergarten los – die kleinen Mädels beschenken ihre Kindergartenfreunde. Natürlich ist es da noch nichts so ernstes, jedoch ändert sich das in der Schule schnell. Die beliebten Jungs bekommen MASSEN an Schokolade. Die Nerds gehen meißt leer aus und sind somit der Häme der Klasse ausgesetzt. Auch gibt man beliebten Lehrern gelegentlich ein wenig Schokolade..

Wichtig ist es, was man für Schokolade schenkt. Ist es die billige aus dem Konbini um die Ecke, nennt man es gewöhnlich Giri-choco (frei übersetzt „Mitleids-Schokolade“ oder in gewissen Fällen „Höflichkeits-Schokolade“), die teureren aus dem Supermarkt und die liebevoll selbstgemachten gibt es nur für den wirklich Angehimmelten.

Ist man aus der Schule raus, so ist man dem Druck des Valentinstages aber erst so richtig ausgesetzt! Die Frauen – so sie denn arbeiten- MÜSSEN an ihre Chefs und evtl. sogar Kollegen Giri-Choco verteilen. Aus Höflichkeit. und vielleicht auch ein wenig Mitleid..
Da können schonmal ein paar hundert Euronen fällig werden. Hatte ich die Verpackung schon erwähnt? Desto kunstvoller und Farbkräftiger die Verpackung, desto wichtiger ist die beschenkte Person. Sollte man schon einen festen Partner haben, so wird man ihm also die Schokolade selber machen und hübsch kunstvoll in einem kräftigen Pink verpacken. So weit, so gut – nicht?

Für die Männer bedeutet der Valentinstag folgendes: Stress!

Bekommen sie keine Schokolade, gelten sie als Looser. Bekommen sie Schokolade, so müssen sie sich am White day revangieren. Und zwar zumindest doppelt so viel wie die Frau sich engagiert hat. Ist man verheiratet oder hat Freundin/was auch immer, so MUSS noch ein wertvolles kleines (?!) Geschenk dazu. Aber ihr Männer habt ja bis März Zeit zum überlegen. Und verpassen könnt ihr den Tag auch nicht. Außer ihr geht ab heute einfach nicht mehr aus dem Haus.

Kommerziell übertrifft Japan nämlich Deutschland um Längen. Der Valentinstag blinkt, dudelt, leuchtet, strahlt und schreit einem entgegen!

Und was macht man, wenn man in einer interkulturellen Fernbeziehung ist?

Richtig – man schreibt eine Karte und schickt am betreffenden Tag eine e-mail, denn die Schokolade und der Süßkram den man liebevoll zubereitet hat würde beim Versand eh schlecht werden. Hatten wir einmal, muss nicht nochmal. Und so genießen wir an diesem Tag unsere Ruhe (und sind ein bisschen netter zueinaner als sonst..)

Zusatz: Die Karte ist natürlich nicht pünktlich angekommen, wie sollte es auch anders sein…

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So, nun aber genug über den Tag der Liebenden – auf nach Kobe!

Da wir den Tag zum Großteil ja in Himeji vertrödelt haben, checken wir an dem Abend eigentlich nur noch in unser Hotel ein und machen uns auf die Suche nach etwas Essbarem.

Yakiniku soll es sein.

Wenn mein Freund ein Hobby hat, so ist es, auf seinem Smartphone eifrig in den Restaurant Apps zu wühlen, zu vergleichen – und mit unglaublich zielstrebiger Sicherheit einen griff ins Klo zu landen.

Meißtens.

Ich versuche mir dann immer einzureden, dass alles gut wird und wir dieses Mal zumindest keine viereckige ungesalzene und schwabbelige „original Italienische“ Pizza essen müssen.

Das Yakiniku entpuppt sich allerdings eher als – oh Gott, ich kann es noch nichtmal definieren – auf einer Metallplatte die über einer Gasflamme steht.
Ein Angestellter ist sichtlich genervt von meiner Anwesenheit (dies ist schließlich ein Nomiya „für Japaner“..) und klatscht einige Fleischlappen auf die Metallplatte. Mit viel Gemüse. Und einer undefinierbaren Sauce.
Uns wird mit vielen Worten – und für mich sogar nochmal pantomimisch unterlegt- erklärt, dass wir auf jeden Fall unsere Finger Stäbchen von der Platte zu lassen haben. Da darf nur, und ich betone NUR, das Personal dran.

Was aber tun, wenn das Fleisch langsam aber sicher einen leichten Braunkohlegeruch absondert?! Ich breche also die goldene Regel und wage es, das Fleisch zu wenden. Ich undankbares Ding.
Natürlich eilt sofort ein Angestellter vorbei (um mir auf die Finger zu hauen), aber mit Kopf schräg legen und durch die Zähne zischen bekommt er wohl ein wenig Angst vor mir und es ist auf einmal alles garnicht mehr so schlimm.
Bf muss grinsen.
Schmecken tut das ganze dann doch nicht so gut, daran ändert auch das Tabehoudai nichts, das wir ausgiebig nutzen bis wir platzen. Ich scheine den Mitarbeiter so verschüchtert zu haben, dass uns nur noch die Teller mit den Zutaten an den Tisch gestellt werden.
Vom Nachbartisch bekommen wir neidische Blicke – ich glaube die wollen ihr Braunkohle Fleisch auch lieber selbst wenden. Aber die haben halt keine Gaijin mit Steinkopf dabei. Pech gehabt. Vielleicht sollte ich mich zu solchen Zwecken mieten lassen?

Der nächste Tag.

Nja, das Wetter ist eher bescheiden und nur unsere gute Laune plus unglaubliche Motivation reicht Richtung unendlich. Fast.

Unser erster Weg führt uns zum Hafen und unterwegs stelle ich eher enttäuscht fest, dass Kobe jetzt nicht so die wahnsinnig schöne Stadt ist. Gut. Immernoch ein wenig schicker als Hiroshima, aber gut.

Am Hafen kann man dann verschiedene Uboote und kleine Schiffe bewundern, Statuen, komisch geformte Gebäude und ein Türmchen inklusive.

Oh, und Sightseeing Schiffe gibt es da auch. Die sehen auch garnicht kitschig aus. Nein. Überhaupt nicht! Und wir fahren auch keine Runde damit. Wiiiir doch nicht.

..und schwupps, befinde ich mich auf besagtem Schiff und wir schippern eine Runde durch die (zugegeben nicht ganz uninteressante) Gegend.

Wusstet ihr, dass Mitsubishi dort eine Bucht hat in der sie Uboote bauen? Und das Mitsubishi die einzigen in Japan sind, die das dürfen? und so eine Bucht haben? Ich lerne dazu. Langsam, aber ich lerne.

Für den Nachmittag haben wir schon Karten für den Shinkansen nach Kyoto reserviert und somit bleibt uns nach der Sightseeing Tour nur noch ein wenig Zeit um einen geeigneten Ort zum Mittagessen zu finden. Ich kann Bf überzeugen, dass wir einfach mal so durch Kobes Wimmelstraßen im Zentrum schängeln um Ausschau nach etwas Interessantem zu halten. Wir finden dann auch recht schnell etwas, denn was möchte man auf jeden Fall in Kobe essen? Jawoll! Kobe beef!

Unscheinbar hinter einer schwarzen Tür verborgen und im 6. Stock liegend (oder war es doch der 12.?) betreten wir einen Palast!
Riesige Tische mit einem noch größeren Teppan (Kochplatte) in der Mitte! ..und einem recht merkwürdigen System.
Wir werden an einen der riesen Tische manövriert. Gemeinsam mit einem weiteren Paar und einer keinen Familie. Ja, wir finden alle Platz an dem Tisch. Ein Koch mit Kochmütze erscheint, ölt die Platte ein und eine Kellnerin nimmt unsere Bestellung entgegen. Für mich ein kleines, für mein Männe ein großes. Alles natürlich als Mittagsset mit Suppe, Reis und Salat.
Den Preis ignoriere ich dann doch lieber.
Unser Koch holt also frittierte Knoblauchscheiben hervor, wirft uns einen fragenden Blick zu, wir nicken und er verteilt das Zeug auf der eingeölten Platte. Mit zwei Spateln wird alles gut durchgemengt und schließlich zu einem kleinen Turm genbaut auf die Seite geschoben. Dann kommt das, was wir kaum erwarten konnten. Das Fleisch! Ein kräftiges Rosa mit durchgehend fein weißer Mamorierung.
Es wird uns unter die Nase gehalten, wir nicken abermals zustimmend und schon landet es auf der heißen, mit Knoblauch eingeriebenen Platte. Nach ein bisschen Zischen und brutzeln, nimmt der Koch eine Wasserflasche, besprenkelt kurz das Fleisch, holt einen großen Glockendeckel hervon und lässt das Gemisch darunter verschwinden.

Wie roh hätten wir es denn gerne? Hmm.. Medium sollte es schon sein. Man sieht, wie er innerlich anfängt zu zählen. Ich zähle mit, werde aber von der Kelnerin abgelenkt, die nun unser Set versucht auf dem schmalen Tischstreifen unterzubringen. Wir disponieren die Tischordnung ein bisschen um, kuscheln uns enger aneinander und beobachten aus den Augenwinkeln wie der Koch die Haube hebt, mit einem Spachtel das Fleisch teilt und es sammt ein wenig des frittierten und gebratenen Knoblauchs auf einen Teller bugsiert. Es duftet. Andächtig starre ich meinen Teller an.

Zart rosanes Fleisch blickt mir entgegen und schreit „iss mich!!!“ Ich probiere also ein kleines Stück. Es schmilzt im Mund. Man braucht kaum zu kauen! Gott, wenn man einen Geschmacksorgasmus bekommen kann, dann wohl jetzt! (und nein, dass mit den 80 Bananen werde ich DEFINITIV nicht probieren, liebe Sasu!)
Wir beenden andächtig unsere Mahlzeit, nach Erhalt der Rechnung wedel ich meiner besseren Hälfte ein wenig Luft zu, damit er nicht umkippt – und leise verlassen wir das Restaurant. Glücklich. Satt. Befriedigt (was hier eine ganz neue Bedeutung bekommt..).

So trotten wir fröhlich wieder zum Hotel um unser Gepäck einzusammeln, als ich plötzlich feststelle das mein Regenschirm fehlt! Mein! Regenschirm! Ihr erinnert euch? DER Regenschirm, den ich auf Miyajima erstanden habe? Ja?
Ich gehe also den Tag nochmal durch und komme zu dem Schluss, dass ich ihn am Morgen in unserem Zimmer vergessen haben muss. Ich kann sogar genau sagen wo – nämlich auf dem überdimensionalen Schreibtischstuhl. Quer.

Wir geben also an der Rezeption eine Vermisstenmeldung heraus, das Reinigunsteam wird informiert und meldet zurück – kein Fund. Das kann nicht sein! Er muss doch dort sein?! Nochmal den Zimmerservice kontaktiert, man würde nochmal nachschauen. Kurze Zeit später – nichts gefunden. Ich beschreibe Bf nochmals genau, wo der Schirm liegt, er hat ja auch massenweise Fotos mit mir und Schirm, jetzt weiß also jeder auch gleich wie er aussieht.
Der Hotelmanager kommt, spricht mit dem Reinigungspersonal, mit meinem Freund, mit der Rezeption, schaut nochmal im Lager nach und beschließt, doch persönlich nochmal im Zimmer nachzuschauen. Bf begleitet ihn. Ich nicht. Mir ist in der Hitze nicht ganz so gut und bin froh, dass die Männer mich bitten doch kurz sitzen zu bleiben.
Nach ein paar Minuten öffnen sich die Fahrstuhltüren und mein freudestrahlender Freund hüpft mir entgegen. Mit Schirm in der Hand! Gerettet! Ich verbeuge mich artig mehrmals und ganz tief vor dem Manager und murmel auch gleich die erst vor kurzem gelernten Dankesformeln. Er ist begeistert und schenkt mir ein Bonbon. (Ein Bonbon?! Sollte ich das jetzt persönlich nehmen? Aber das Ding schmeckt..) und wir können endlich in Ruhe nach Kyoto aufbrechen.

So, und jetzt muss ich erstmal Fotos sortieren, denn – es ist nicht meine erste Kyoto Reise gewesen und ich überlege, wie ich die zwei vollkommen unterschiedlichen Reiseberichte miteinander kombinieren kann.. oder doch lieber zwei Berichte? Mal schauen..

Ich wünsche euch noch einen schönen Valentinstag! Mit vielen Blumen und Pralinen und ganz viel Liebe und so!

Alles Liebe,
Rose

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2 Antworten

  1. Haben wir wieder was dazu gelernt… ^,-
    Ich arbeite im Verkauf um genau zu sein, in der Uhren- und Schmuckabteilung. Daher war der Valentinstag auch für uns sehr wichtig und hat uns einiges an Umsatz gebracht, was gut für unser Geschäft ist. Heute haben die restlichen Männer, auf den letzten Drücker, noch was für ihre Liebste besorgt. Da durfte man dann noch beraten, persönliche Meinung einbringen und manchmal auch Model stehen. 😛
    Valentinstag ist in Japan dann doch tatsächlich so, wie man in den meisten Animes gezeigt bekommt…. 🙂 LG

    Februar 14, 2012 um 7:55 pm

  2. Awww ich schau gern Fotos ❤

    Haha ja die Schoki muss man nur schief angucken und man nimmt zu X___x Aber ab und an muss man sich ja mal was gönnen ;3

    Februar 15, 2012 um 2:25 pm

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