In den Bergen – Abschied von Utsukushigahara

Für diesen Tag strichen wir das Wort „Hektik“ weitestgehend aus unserem Wortschatz und machten uns (nach packen unserer Koffer und dem Auschecken) gemütlich auf zum Kurumayama. Warum wir so kreuz und quer durch die Gegend töffeln? Ganz einfache Antwort: Venus Line.

Die Venus Line ist eine Straße, die sich von Matsumoto nach Shirakabako durch die Landschaftlich sehr ansehlichen Berge schlängelt. Natürlich mit vielen interessanten Haltepunkten zwischendurch.

Der Kurumayama ist vor allem bei Touristen wegen seiner schönen Blumenwiesen berümt, aber wer sich abseits der Blumen den recht steilen Aufstiegspfad hinaufquält, wird mit einer berauschenden Aussicht belohnt!

Natürlich schlichen wir zuerst den ausgelatschten Pfad um die Blumen herum.. ich glaube es gibt ca. 3000 Fotos mit Blume und mir, nochmal die selbe Menge mit Blume und Bf.

Nachdem uns das zu langweilig wurde, begannen wir aus Spaß ebenfalls den Aufstieg. Viele Familien mit kleinen Kindern taten es uns gleich und die Kleinen, die immer Kilometerweit ihren Eltern vorraus waren, vertrieben sich die Zeit damit, kleine Steinhaufen zu bauen. Ich meine für diese Häufchen gibt es auch eine Religiöse Bedeutung, aber den Kindern machte es einfach Spaß – und es sah knuffig aus.

Als wir oben ankamen, zogen sich leider dicke Wolken um uns herum zusammen und verwährten uns den schönen Ausblick. Schade.

Mehr Vergnügen hatten wir dabei, einer Chinesischen Reisetruppe beim Gruppenbild zuzuschauen. Immer dann, wenn sich grade alle geordnet hatten und posierten, wehte der Wind eine dicke Wolke herbei die das Bild vernebelte..

Bf entdeckte eine Seilbahnstation und ob meiner Warnung, dass der Seilbahnpfad in eine gänzlich andere Richtung führte als die in der unser Parkplatz war, setzte er sich durch und wir gondelten den Berg wieder hinunter.

Tadaaa.. Bf schaute etwas verdutzt aus der Wäsche – das war nicht der Parkplatz an dem wir gestartet waren. Jupp. Das „habe ichs dir nicht gesagt?!“ habe ich mir vorsichtshalber verkniffen, denn er bewegte sich mit großen Schritten in eine Art Panikmodus. Also nichts wie auf zur Touristen info. Ich schaute mich währenddessen bei den Souvenierständen um, kaufte eine „Ringo chan“ Tasche mit Apfelbonbons un wartete geduldig bis das Geschnatter am Schalter weniger wurde. Immerhin hatte Bf wohl 6 Mitarbeiter beschäftigt mit unserem Problem. Die Lösung – man nehme einen Bus. Das nächste Problem – der letzte Bus für diesen Tag fuhr genau….. jetzt! Ein schneller Anruf beim Fahrer, die Beine in die Hand genommen und zur Bushaltestelle gehechtet. Gottseidank war diese direkt vor dem Gebäude und somit hielt sich die Verzögerung für den Bus im Rahmen. Endlich wieder an unserem Parkplatz angekommen ließen wir uns nur noch ins Auto fallen.

Der weitere Verlauf der Venus Line führte uns nach Shirakabako, wo wir uns jedoch weniger lang aufhalten wollten. Vorbei am Touristenmekka der Freizeitparks dort, fuhren wir schnurstracks zum See, spazierten eine Weile daran entlang, bestaunten einige Angler und machten uns schließlich auf zur Weiterfahrt in Richtung Yatsugatake.

In der Dunkelheit kamen wir an. Ein majestätisch anmutender Park. Eigentlich wollten wir nur in ein kleines Holzhäuschen ziehen. Ihr wisst schon, Natur und so – für die letzte Nacht sollte es die „Luxus“ Ausführung sein mit eigenem kleinen Rotenburo auf dem Balkon. Wie auch immer, wir haben uns in dieser riesigen Parkanlage verlaufen. Es fing an zu regnen. Natürlich lagen unsere Regenschirme im Auto, wie sollte es auch anders sein. Durchnässt, frierend, müde und einfach nur angeschlagen fanden wir schließlich die Rezeption in der sich ausschließlich Menschen in Abendkleidung und Anzügen befanden. Nach ein paar Mal vergewissern, dass wir hier auch wirklich richtig waren, wurde uns auch von einem mitleidigen Blick begleitet unser Schlüssel ausgehändigt, dazu eine Karte die in etwa die Größe und Straßenvernetzung von Matsumoto aufwies, und noch eine Bedienungsanleitung für was weiß ich nicht was. Ein rosa Kringel um unser Haus und schon trotteten wir im Regen wieder zurück zu unserem Fahrzeug.

Au Backe.. ich navigierte uns vorsichtig zu unserer Hütte. Jede zweite Straße eine Sackgasse, jede dritte eine Einbahnstraße. Nach 20 Minuten erreichten wir endlich unser Ziel! Die Hütte war wirklich Luxus! Innen mit zwei riesigen Tatamizimmern, einer Abstellkammer, einem europäischen Schlafzimmer und einem gemütlichen Wohnzimmer, dazu noch ein zweigeteilter Balkon. Die eine Hälfte mit Tisch und Stühlen ausgestattet, die andere mit Rotenburo! Juhuuuu!

Aber mein Männe hatte anderes im Sinn, als sich zu entspannen. Der knurrende Magen wollte gefüllt werden und irgendeine Stadt war in „nur“ einer halben Stunde entfernung zu finden, daher wieder ins Auto und navigieren.

Stockfinster. Berg hoch, Berg runter, Berg hoch.. ein kleines Dorf.. Berg hoch, Berg runter.. plötzlich in der Dunkelheit zwei blitzende Augen. Ein Fuchs spazierte seelenruhig am Straßenrand entlang. Ein paar Kilometer weiter, ich konnte grade noch kreischen und Bf zu einer Vollbremsung animieren. Erst ein Wildschwein, dann viele kleine Frischlinge. Aufgeregtes Gegrunze um unser Auto herum. Bf musste ich erstmal wieder beruhigen.. Weiter auf dem Weg. Was könnte denn noch so über die Straße hüpfen, überlegte ich mir, als Bf schon die nächste Vollbremsung absolvierte. Rehe! Natürlich! Warum hatte ich nicht gleich daran gedacht..  Von da an fuhren wir nur noch im Schritttempo weiter, voll konzentriert auf jegliche Bewegung am Straßenrand. Aber es kam nichts mehr – gottseidank!

Endlich in der großen Stadt angekommen, fühlten wir uns ein wenig in die Leuchtente Reklamewelt hineingestoßen und der Fluschtreflex bettelte darum, wieder in die ruhige, schöne Natur zurück zu dürfen. Aber der Hunger zwang uns zum bleiben und nach ewigem Hin und Her entschied der Herr sich für Hanbaaga und hielt an einem allseits beliebten Familyrestaurant.

Das Essen war ok, aber bitte liebe Leute, versucht nie, und ich betone nochmals NIE! Fanta Meron zu trinken! Es schmeckt wie es aussieht. Giftig grün nach Chemie Honigmelone. Nicht lecker.

Zurück in unserer Hütte waren wir einfach nur noch fertig. Einmal Onsen, dann BF schwupps vor die Flimmerkiste geklemmt (Fußball) und auf der Couch eingeschlafen bis mein Männe mich geweckt und ins Bettchen geschubst hat.

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