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Sonntags früh um 10…

Kaum hatte ich meinen letzten Post geschrieben und mich anderen Dingen zugewandt, klingelte es an der Tür.

Ein japanisches Ehepaar (?) mittleren Alters grinste mich an und schwallte mir etwas in Keigo entgegen, dass ich mit meinem morgentlichen Gehirn nur schwer in irgendwelche sinnergebenden Muster packen konnte – logische Reaktion: „Honeeeeeey?? Da stehen Leute vor unserer Tür.. ich glaub die wollen zu dir…“

„Honey“ war allerdings garnicht so erfreut darüber, dass er nun mit Pyjama und Super Sayajin Sturmfrisur zur Tür musste, denn die Leute drückten ihm direkt eine japanische Ausgabe des Wachturms in die Hand, verbeugten sich, versicherten uns ein paar Mal, dass wir darin die Lösung all unserer Probleme fänden und verschwanden. Natürlich nicht, ohne sich vorher ordnungsgemäß noch 10.000x zu verbeugen.

„Eine gute Hausfrau hätte gesagt, dass ich nicht im Haus bin oder grade nicht kann.. dann gehen die wieder.“

..und ja, eigentlich hätte ich es wissen müssen, denn schon kurz nach unserem Umzug schellte es schonmal an der Tür.

Damals habe ich allerdings selbst noch einen Schlafanzug angehabt, sah echt fertig aus und habe aus Schock über die Truppe Japaner (ja, da waren es 4 oder 5) vor unserer Haustür einfach die Tür wieder zugeschlagen.

„Honey, da stehen Japaner vor unserer Haustür… ich weiß nicht was die wollen…. aber ich glaube die wollen zu dir….“

 

Auf Sonntage und Begegnungen – ich muss jetzt erstmal meinen Sonnenbrand auskurieren und den „Kawaii Faktor“ abwaschen.. habe den gesammten Nachmittag mit einem kleinen japanischen Knuffel im Sandkasten gehockt und Füße ein&ausgebuddelt~

 

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Valentinstags wrap up

 

Da war er wieder. Valentinstag. So wie jedes Jahr. Warum schreibe ich eigentlich noch darüber? Nein, halt, lasst mich die Frage umformulieren: Warum habe ich nicht schon viel früher darüber geschrieben?!

Ja, so klingt es richtiger.

Valentinstag also. Der Tag an dem die japanischen Mädels „all crazy“ gehen, schweineteure Schokolade kaufen oder Schoki selber machen. Mit Blut drin. Oder Haaren. Von Körperteilen, die ich nicht näher aufführen mag. Oder auch einfach mal nur Spucke. Yosh.

Habe leider vergessen Männe zu fragen, ob die J-boys dann tatsächlich den Mist futtern wenn sie immer davon ausgehen müssen, dass da ein großer Anteil „Extraliebe“ enthalten ist. Das würde aber erklären, warum er die Schokolade von mir noch nicht wirklich angerührt hat…

Um es abzukürzen – wirklich Valentinstag gab es bei uns nicht.

Männe war von Sonntag Mittag bis Freitag spät auf Geschäftsreise irgendwo zwischen Zürich und Bodensee.. damit war klar, dass da nicht mehr großartig was laufen würde. Meh.

Eigentlich wollten wir romantisch essen gehen, aber Donnerstag bekam ich die Nachricht „ich werde wahrscheinlich zu müde sein – bitte koch was für mich“… doppelt Meh.

Brav wie ich bin, habe ich es natürlich ignoriert und vergessen einzukaufen. Es ist mir erst am Flughafen aufgefallen, und da war dann schon alles zu spät. Essen gehen anyone?

Nope.

In der Gefriertruhe habe ich noch eine Packung Udon gefunden. Fix ab auf den Herd damit, Ei und jede Menge Algen dazu – fertig war das Valentinstags Dinner.

Wir beschlossen, den Samstag zu unserem „richtigen“ Valentinstag zu ernennen. Zumindest ab dem Nachmittag, denn vormittags hatten wir Freunde zum Frühstücken eingeladen und wollten uns noch eine kostenlose Wochenration Misopaste abholen (über 1kg Miso! Für Lau! Ich liebe Düsseldorf!).

Alles super, nur essen gehen im geplanten Restaurant haben wir dann doch wieder gestrichen, da wir von Frühstück einfach noch viel zu satt waren.

Zuhause haben wir uns dann nurnoch aufs Sofa geschmissen und … sind eingeschlafen.

Gegen 3:00 morgens schaltete meine innere Uhr auf Alarm.

Ich: „I think we should go to bed.“

Er: „Bed? We are IN Bed!“

…sagte es, machte die für ihn typische Aufstehbewegung und …… fiel auf den Couchtisch. Aua.

Honey…you made my valentines day


gelandet

Wir sind am Samstag morgens gut in Osaka KIX gelandet, haben die 5-stündige Umsteigetortur über Oska- Itami nach Tokyo Haneda einigermaßen überlebt und auch der plötzliche Temperatursprung (Osaka 29*C -> Tokyo 37*C) war noch im erträglichen Ramen.
Sohnemann hat alles mitgemacht und nur einen kleinen Müdigkeits meltdown am Flughafen gehabt. Nach ein paar Tränchen und einer Schüssel Zarusoba war seine Energie zurück und er hat echt bis abends in Chiba durchgehalten.

Nach einem Besuch am Grab mit jeder Menge Räucherstäbchen &Gebeten haben wir den Tag am Strand von Chibas Westküste ausklingen lassen.


Fischifischifischiiii..

Ausblick von Hakkeijima auf den Fujisan

Vor ein paar Jahren besuchte ich Hakkeijima Sea paradise in Yokohama. Ich liebe Unterwasserwelten, traue mich aber nicht selber richtig Tauchen zu gehen, obwohl ich die absolute Wasserratte bin. Somit begnüge ich mich mit Fischzeugs hinter Glas.

Der Freizeitpark um Hakkeijima ist nicht grade mini und auch die verschiedenen Aquarien sind sehr sehenswert (man kann für alle Bereiche Einzelne Eintrittskarten kaufen – oder ein Kombiticket), nur die Becken für Delphine und den kleinen Wal fand ich… bedrückend.

 

Glaube nicht, dass das so wirklich tierfreundlich war. Aber nagut, damit muss man rechnen, wenn man solche Parks besucht.

Es gibt sogar einen Fureai- aka Streichelzoo Bereich, in dem man mit ein bisschen Glück auf einem Delphin, Rochen oder anderem Viehzeugs rumdatschen kann. Mit desinfizierten Händen. Und unter strenger Bewachung. Bevor man den Bereich betreten darf, muss man einen 15 minütigen Lehrfilm anschauen, sich einen Sicherheitsvortrag anhören und nochmal bestätigen, dass man alles verstanden hat. Abgerundet wird das Ganze mit einem kleinen Handzettel, auf dem alles nochmal mit Bildchen aufgelistet ist.

Alles in Allem ein schöner Ausflug, allerdings hätte ich mir eine bessere Kamera gewünscht um schöne Bilder zu machen… tja, man kann nicht alles sofort haben – und somit gibt es von dem Ausflug nur verschwommene, verwackelte und unterbelichtete Bilder *seufz*..

Irgendwann mag ich mal nach Chiba in den Kamogawa Seaworld Park gehen. Bewaffnet mit einer guten Kamera. Und diese kleinen niedlich-tödlichen Seefeen fotografieren! (kenne den Namen nicht, sind mir bisher auch nur in Japan begegnet und die Dinger sehen einfach nur… interessant.. aus!)

Da Japan aber grade ein bissel weit weg ist und der nähste Urlaub frühestens im Sommer genommen werden kann, begnügen wir uns also mit dem, was vor der Haustür so passiert.. dem Düsseldorfer Aquazoo. Mit guter Kamera.

Eigentlich so wie Sealife. Nur Besser. Und günstiger. Und viiiel Besser!

Vom Sealife Oberhausen war ich so enttäuscht, dass ich das nicht nochmal brauche. 30 Minuten durch die Gänge geschoben zu werden ohne wirklich was sehen zu können und dafür 27€ p.P (ja, auch Kinder mussten zahlen!) zu blechen war echt übel.

Aquazoo Düsseldorf also. Entspannt. Großräumig. Und eine unglaubliche Vielfalt an Tieren, die so gut wie möglich artgerecht gehalten werden. Experten geben an Wochenenden kleine Schulungen zu verschiedenen Themen wie z.B. Schlangen oder Schildkröten, es gibt viele Museumsexponate mit ausführlichen Erklärungen und für groß und klein gibt es einfach wahnsinnig viel zu sehen und entdecken!

Wir sind relativ oft dort und es wird nie langweilig. Ich glaube unsere Durchschnittsaufenthaltszeit liegt bei 3h oder mehr und da der Nordpark direkt neben dem Aquazoo liegt, bietet sich ein ausgedehnter Spaziergang oder ein Abstecher auf einen der Spielplätze an.

 

Hatte ich schon erwähnt, dass BF nicht auf Krabbelzeugs steht? Hatte überlegt, das Bild als Leinwanddruck zu verwursten und im Wohnzimmer haufzuhängen…. vielleicht habe ich dann ja mehr Ruhe

 

Auf in die neue Woche~

 


Japantag 2012

Tja, was soll ich zu dem Tag im nachhinein groß schreiben.. ist schon ne Weile her und war nicht so pralle.

Vor ein paar Jahren noch tat sich der Japantag durch sein wirklich gutes kulturelles Programm hervor, doch nach und nach mutierte es immer mehr zu einer Cosplay-pop-was auch immer- Veranstaltung. Dadurch ist viel vom ursprünglichen Charme verschwunden, aber natürlich auf der anderen Seite auch wieder ein vollkommen neuer Aspekt hinzugekommen.

Wo sich einst ältere Leute und wirklich Japaninteressierte tummelten, herrscht nun ein buntes Chaos aus Plüschkostümen, Masken, Schaumstoffwaffen, Schminke und mehr. Nur die wirklich Japaninteressierten trifft man dort jetzt nicht mehr so oft bzw. nur in bestimmten Bereichen an..

Gut, man hat sich über die Jahre daran gewöhnt. Komisch dieses Jahr war allerdings, dass sich im Gegensatz zum letzten Jahr all dies spürbar im Rahmen hielt. Gleichzeitig zum Japantag fanden wohl noch 3 oder 4 Großveranstaltungen und Messen für Cosplay in näherer Umgebung von DD statt.

Auf einmal fehlte das ganze Bunte, die tausend übergewichtigen Sailormoons und die Horden von schlechten Naruto-Imitatoren. Selbst an die Tokyo- pop Stände kam man ohne Probleme heran!

Eins allerdings bringt der Japantag jedes Jahr wieder.. knallig heißes Wetter!

Einen solch schönen Sonnenbrand wie dort hab ich noch nie zuvor gehabt..

Da ja nicht sooooo viele interessante Kostüme herumliefen und ich irgendwann einfach auch ziemlich genervt war, gibbet dieses Jahr keine Fotos vom Fest an sich. Irgendwie finden sich nur Bilder von meinem Krümelmonster im Yukata.

Das Feuerwerk war dann auch eher so mittel.. Thema nicht ganz so gut getroffen – wenn ich mich richtig erinnere ging es um Märchen – aber naja, war alles in allem ein gelungener Tag.

Nächstes Jahr gelobe ich Besserung – da ist mein Männe dann ja auch dabei und kann die Kinder scheuchen…


neulich… in meiner Teekanne..


Frohe Ostern

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Tja, mit den Osterfeiertagen gehen (leider?) auch meine Semesterferien zu Ende…

Allen, die Ostern feiern, wünsche ich frohe Ostern – und allen anderen wünsche ich einen wundervollen Frühling! Genießt den Sonnenschein und die Blumen die nun überall blühen! Und wenn ihr grad in Japan seid, wünsche ich euch, dass die Kirschblüten lange halten!

Alles Liebe,
Rose


(schonwieder) Der japanische Mann – oder wie man Urlaubsplanungen zur Hölle machen kann..

Gott, wie ich diese Tage hasse..

Nichts klappt, nur Stress und dann auch noch ein Mann der rumzickt.

Es ist mittlerweile fast schon beschlossene Sache, ich werde in diesem Jahr wohl keinen Fuß auf Japanischen Boden setzen. Die Entscheidung war nicht ganz einfach da es vor allem auch bedeutet, dass ich meinen Freund nicht all zu oft sehen kann (danke an das japanische Urlaubssystem..).

Wir gingen also alle Möglichkeiten durch und blieben beim Sommer hängen – Obon Ferien. Fast 10 Tage. Genug um eine kleinere Reise irgendwo in die Umgebung zu planen.

Nur hat der Zeitpunkt einen Haken – Obon ist das Totenfest. Familienmitglieder treffen sich, pflegen die Gräber, folgen alten Traditionen. In den letzten Jahren war dieses Fest für die Familie nicht so bedeutend, aber das hat sich im Winter nun ja geändert. Daher habe ich ihn gebeten, bei seiner Familie zu bleiben und wir könnten stattdessen Pläne fürs nächste Jahr angehen. Ja, nein, vielleicht, oder doch, oder nicht.. langes hin und her. Gestern Abend telefonierten wir also und aus dem Nichts kam dann die Aussage, dass er im Sommer seine Mutter und seine Schwester mitbringen wolle – Obon könne man ja auch nachholen.

Ok, dachte ich mir. Ist ja kein Problem – wir kommen gut miteinander aus und mit mehr Leuten haben wir zwar keine Zeit für Zweisamkeit (mit Kindern hätten wir die nämlich durchaus gehabt – denn Kinder schlafen ja etwas früher..) aber dafür macht es auch (in anderen Bereichen) mehr Spaß.

Mit anderen Worten, ich stimmte also einem gemeinsamen Familienurlaub zu. Nächster Punkt – das Reiseziel.

Als Kind war ich mit meiner Mutter und meiner Oma oft in Südtirol, da meine Uroma dort eine Wohnung besaß. Fast jeden Sommer verbrachte ich dort. Als meine Uroma jedoch verstarb, gab meine Oma schweren Herzens die Wohnung auf. Seit dem war ich nicht mehr dort. Ich würde gerne Bf ein Stück dieser Kindheitserinnerungen zeigen, meine Lieblingsorte, Wanderwege, die beste Gelateria der Welt..  Er spricht auch schon seit längerem davon, dass er das alles sehen möchte und sich auf Urlaub in der Natur freut.

Dementsprechend hatten wir vorher schon überlegt ob wir nicht irgendeinen Sommer nutzen wollten um dort hin zu fahren. Nun rechnen wir 1+1 im Männergehirn zusammen und es kommt dabei heraus – „diesen Sommer“.

An und für sich habe ich da auch nichts gegen, aber plötzlich fing Bf an, nach nahegelegenen Städten und Touristischen Sehenswürdigkeiten zu fragen um einen „japanischen Reiseplan“ (7 Städte in 3 Tagen…) zu erstellen.

Es tut mir unendlich leid, aber erstens habe ich auf solche Arten von „Urlaub“ keine Lust da ich schon genügend anderen Stress um die Ohren habe – und zweitens gibt es in der Nähe des Zielortes keine großen Shopping-Touristen center und bla welches er sich wohl wünschen würde! (O-ton: ich dachte wir bleiben nur so 2 Tage in der Natur und fahren dann weiter um Städte anzuschauen..)

Sein Argument: „Ich bezahle doch nicht gut 6000€ für die Flüge um dann „nichts“ zu machen!“

Kann ich nachvollziehen, aber dann frage ich mich auch wieder warum muss er seine Familie mitnehmen, wenn die doch viel lieber Touristisches Hochleistungsprogramm haben würden? Warum fahren wir nicht einfach wo anders hin, wenn ihm Natur grad nicht so zusagt und er „was sehen will“? Was ist eigentlich die Motivation für ihn hier herzukommen? Ich, oder doch eher die Tatsache nach Europa zu reisen? Ich meine, wo liegen die Prioritäten?

Nachdem ich recht genervt das Telefonat beendet hatte, habe ich ihm nochmal schriftlich erklärt was ich meinte, denn manchmal geht bei einem Gespräch einfach viel verloren.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich es hasse mit schlechter Laune ins Bett zu gehen? Die Nacht war daher nicht sonderlich nett für mich und auch der heutige Morgen bzw. Tag war auch einfach nur zum schreien und Haare raufen – dazu kommt noch, dass er sich nicht mehr gemeldet hat. Keine Nachricht. Kein Anruf. Keine email. Nichts. Es sind nun fast 24h um seit dem Gespräch.. so lange hatten wir bisher kaum Funkstille.

Ich mache mir Sorgen, aber auf der anderen Seite werde ich von Minute zu Minute auch schlechter gelaunt und denke es ist an ihm sich zu melden.

Warum müssen Männer so kompliziert sein?!

Wie einigt ihr euch bei Reiseplanungen – und was zieht ihr vor? Touristisches Hochleistungsprogramm, oder doch eher Natur und Ruhe?


Fukuyama

Fukuyama ist ein kleines Städtchen in der Präfektur Hiroshima.

Ins Auge gesprungen ist es mir, da man vom Bahnhof aus schon die gut erhaltene Burg sehen kann. Und wirklich – die Burg ist nur einen Katzensprung vom Bahnhof entfernt!

Meine bessere Hälfte hatte für uns ein Hotel reserviert und unsere Überraschung war groß, als wir aus unserem Fenster blickten…

Da bekommt man doch morgens beim Aufstehen schon richtig gute Laune!

Leider hatten wir für den Ort selber keine Besichtigungszeit eingeplant, und so blieb mir nicht mehr, als Bf zu einer Besichtigung an unserem letzen Tat zu überreden bevor wir nach Kurashiki aufbrechen wollten.

In der Burg befindet sich ( wie in fast allen anderen auch…) ein kleines Museum über die Geschichte von Burg und Stadt. Fotos waren nicht erlaubt – bis auf zwei kleine Fleckchen bei denen man sich als Samurai, Ninja oder Geisha kleiden konnte um ein touristisches Andenken mit nach Hause zu nehmen.

Bf ist für soetwas nicht zu haben – somit verzichtete ich seufzend ebenfalls auf den Spaß und blickte neidisch zu dem Gaijinpärchen das sich fleißig austobte..

Zurück aus der Burg wollten wir im Hotel auschecken, aber der sehr freundliche Herr wollte uns viel eher die mehr als reichlich vorhandenen Sehenswürdigkeiten anpreisen. Wir lauschten also geduldig und dann fiel etwas interessantes. Ein Holocaust Museum mitten im Nirgendwo von Fukuyama.

Wir schmissen also unsere Zeitplanung ein wenig über den Haufen und machten uns auf den Weg.

Im Bummelzug saßen ein paar Obaachan und Schulmädels in ihren Uniformen. Der angesteuerte Bahnhof lag noch mehr mitten im Nirgendwo als gedacht. Das Beste – es gab ein elektronisches Gate für Suica Nutzer.. Nun ja.. nennen wir es ein freiwilliges Gate.. denn es war unbeaufsichtigt und einfach nur ein kleiner Kasten in der Landschaft. Noch nichtmal direkt an den Treppen vom Gleis, sondern etwas abseits und mit einem kleinen Dach darüber.

Hitze. Und keinen Plan wo es zum Museum geht.

Wir schlugen uns also unseren Weg durch die reichlich vorhandenen Felder, bemühten gelegentlich das Handy um auf der kleinen Karte nachzusehen in welche Richtung wir uns bewegen mussten, und genossen zum ersten Mal Ruhe und Landschaft ohne Stress.

 

Nach dieser Landschaftlich sehr schönen Wanderung gelangten wir endlich an unser Ziel. Das Fukuyama Holocaust education center.

 

Von außen ein dunkler Klotz mit ein paar Glasfronten. Wir betraten es recht unsicher, da nirgends eine Menschenseele zu sehen war. Doch kaum standen wir im Vorraum, sprang uns aus einem Nebenraum auch schon der Manager samt zweier weiblicher Helferinnen entgegen. Er konnte seine grenzenlose Freude über einen ausländischen Besucher kaum unterdrücken und so wurden wir unter tausenden von Entschuldigungen in einen dunklen Saal geschoben und zum hinsetzen höflichst gezwungen. Ich verstand nur noch Bahnhof in dem Gebrabbel aus Englisch und Japanisch, das dieser Mensch von sich gab, aber schließlich ließ er uns in dem dunklen Saal allein und als die Wand eine Leinwand preisgab, verstand auch ich, dass wir nun einen Film sehen würden. 20 Minuten lang.  Über die Geschichte des education centers.

Die Ausstellung an sich war für mich sehr interessant, da ich viel über das Thema weiß, die gängigen Museen hier in Deutschland zu dem Thema kenne und nun einmal die vollkommen andere Herangehensweise der Japaner betrachten konnte. Fokus des Centers liegt übrigens auf der Geschichte von Anne Frank, da der Begründer ein guter Freund von Annes Vater, Otto Frank, war. Daher befinden sich auch viele Originale im Museum, die hier in Deutschland gänzlich unbekannt sind – und auch Annes Stiefschwester (Eva Geiringer) kommt hier zu Wort.

Nachdem wir den Rundgang beendet hatten, setzten wir uns mit dem Manager zusammen und ich stand quasi für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Nach einer Verewigung im Gästebuch und dem Austauschen der Visitenkarten mit dem Versprechen, sich baldigst miteinander in Kontakt zu setzen, verabschiedeten wir uns schließlich, spazierten nachdenklich und still den Weg zurück, saßen im leeren Zug und kamen schließlich wieder an unserem Hotel an..

Auf nach Kurashiki..


Eine schwere Reise..

So begebe ich mich wieder auf eine Reise. Nur, dass es diesmal weniger Reise als Abschied sein wird..

Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf, hauptsächlich aber ein seltsames Gemisch aus Trauer und Freude.

Ich möchte mich hiermit von einem wunderbaren Menschen verabschieden.