Ein Tag mit Sato-san

(25.04.2011)

Der Tag begann früh für mich, denn von Shinyokohama nach Shinbashi braucht es eine Weile. Also bin ich mal wieder vor Bf aus dem Bett gehüpft, der das auch gleich mit rumschmollen kommentiert hat.

Gekonnt das Frühstücksbuffet ignoriert und schnell zum Zug gehechtet- Zug knapp verpasst.

Schön, das ich in Japan bin und dieser Zug alle 5 Minuten fährt..

Verlässt man den Shinbashi Bahnhof, steht man vor einer großen Lokomotive – ein idealer Treffpunkt. Dort wollten Sato-san und ich uns treffen. Mit meinen 5 min. Verspätung begegneten wir uns dann auch ein wenig später. Er – voll ausgerüstet für die Tour. Unzählige Stadtpläne, ein Kompass, eine Trinkflaschenhalterung für seinen Rucksack usw… unschwer zu verkennen, wir bewegten uns als Touristen.

Unsere Tour startete -nach dem Verzehr einer Packung Mitarashi Dango- in Richtung Ginza.

Auf meinen bisherigen Reisen nach Japan hatte ich einige Stadtviertel von Tokyo mehr oder minder bewusst ignoriert. Ginza gehörte dazu. Mich hat eigentlich nicht so viel gereizt zwischen Gucchi und Prada Läden spazieren zu gehen und reichen Leuten beim Geld ausgeben zuzusehen, aber ich muss zugeben, Ginza hat seinen ganz eigenen Charme und ein Bummel dort lohnt sich.

Überrascht nahmen wir an einer Kreuzung eine Unmenge von Polizisten wahr, auf den Nebenstraßen das gleiche Bild, und zahlreiche Fernsehteams. Wir waren an der Tepco Zentrale angelangt.

Durch Fukushima steht Tepco enorm in der Kritik und es gibt scheinbar auch etliche Drohungen, die eine verstärkte Bewachung/Beschützung notwendig machen. Auch in einem so „friedlichen“ Land wie Japan ist Vorsicht besser als Nachsicht. Fotos waren nicht gestattet und wir zogen weiter in Richtung Tsukiji, dem großen Fischmarkt.

Die Thunfischversteigerung und auch das Show-zerlegen hatten wir verpasst, was aber nicht sonderlich schlimm war da wir das eh nicht sehen wollten.  Viel interessanter fand ich dagegen das Marktgelände mit unzähligen kleinen Ständen, Shops und Restaurants auf engstem Raum.

Frischer Fisch, lebende Muscheln, Krebse und anderes Getier, getrockneter Fisch in allen Variationen, Algen, Gewürze, Okashi.. alles was das Herz begehrt. Ich habe mich nur ein wenig geärgert, das unser Hotelzimmer keine Kochniesche hat, denn der Lachs sah unwiederstehlich lecker aus und war – wenn man deutsche Preise für Fisch gewöhnt ist – sehr günstig.

Naja, im Sommer werde ich dann wohl zum Fischeinkauf losziehen. Jetzt weiß ich ja wo man ihn bekommt.

Nachdem wir uns durch die Stände gekämpft hatten, führte uns der Weg zum Nahegelegenen Tempel, wobei ich mich eigentlich nicht dazu durchringen kann das Tempel zu nennen. Ein riesiger Betonkomplex der im inneren irgendwie eine Mischung aus Kirche/Tempel/sonstwas ist, aber so garnicht in meine Vorstellung passen wollte.

Dementsprechend kurz viel der Besuch aus und die meisten anderen besucher schienen die doch recht bequemen Stühle eher als gute Schlafstätte anzusehen. Das ergab dann folgendes Bild:

Hochkonzentriert aussehende Frau – wegnickender Ehemann. (*Kopf nach hinten und vorne wackel*)

Zurück zum Fischmarkt um etwas Essbares zu finden. Ein kleines Seitenrestaurant (eigentlich eher eine Theke mit 6 Hockern und einer Durchreiche durch die man den zwei Köchen bei der Arbeit zuschauen konnte um dann von ihnen direkt das Essen gereicht zu bekommen) lockte mit lecker aussehendem Sashimi-don und günstigen Preisen. Für umgerechnet 5€ gab es eine riesige Schüssel mit Reis, Lachs und Thunfisch Sashimi plus Ikura, eine Misosuppe mit frischen Muscheln, Tee und Wasser. Für mich war es das erste Mal, das ich Ikura gegessen habe. Die prallen orangenen Kugeln kosteten mich einiges an Überwindung, aber ich gestehe, nachdem die ersten in meinem Mund geplatzt sind, bin ich ihnen erlegen. Kühl und süßlich, genau mein Ding. Auch das Sashimi war von guter Qualität und zerschmolz im Mund.

Nach der Stärkung führte uns der Weg weiter zum Hamarikyo Onshi Teien, einem ruhigen Landschaftsgarten inmitten der Hochhäuser von Tsukiji.

Bevor wir den Garten erreichten, stoppten wir noch an einem kleinen Tempel und ich zog das erste Mal Mikuji.

Mikuji sind kleine Papierstreifen mit Wahrsagungen. In meinem Fall war es ein kleines Papierbündel, das zwei Komponenten beinhaltete. Einmal das „gewöhnliche“ Omikuji und zusätzlich noch einen kleinen Glücksbringer, der ebenfalls Whrsagungszwecken dient.

Man kann von großem Glück bis großem Fluch alles ziehen und für gewöhnlich knotet man – sollte die Wahrsagung negativ ausfallen- die Omikuji an einen Baum oder Stangen, die vor dem Tempel bereitgestellt werden um das schlechte daran zu hindern sich an einen zu binden.

Ich hatte wohl einen guten Tag, denn ich zog „Dai-kichi“ -das große Glück –  und „Maneki Neko“ – Eine kleine goldene Katze, die mir von nun an Geld und Glück in mein Portmonait winken soll. Eine der besten Kombinationen wie mir von mehreren Seiten versichert wurde 🙂

Nun aber auf zum Hamarikyu. Der Eintritt ist mit 500yen gleich einem Tempelbesuch und lohnt sich auf jeden Fall. Es gibt kostenlose Audioguides am Eingang in allen erdenklichen Sprachen, dazu eine nette Erklärung der besten Routen durch den Park von den freundlichen und immer lächelnden Mitarbeitern. Sato-san und ich hatten nicht wirklich Lust uns an eine Festgeschriebene Route zu halten, nahmen die Audioguides zögernd entgegen und begannen unseren spaziergang durch diese volkommen andere Welt. Tradition trifft auf Moderne. Dieser Mix übt so viel Charme und Anziehung aus, das man garnicht mehr gehen möchte. Es ist ein unglaublich ruhiger Platz inmitten des hektischen Großstadtlebens, inmitten der Hochhäuser.

Wir gönnten uns eine Pause im Teehaus bei einer Schale Matcha und handgemachten Wagashi (traditionelle Süßigkeiten die zum Tee gereicht werden) und genossen die Aussicht. Das Teehaus liegt an einem kleinen See, relativ mittig im Park und man hat aus den Räumen heraus eine wundervolle Sicht auf den See, den Park und im Hintergrund die Hochhäuser.

Gerne währe ich länger geblieben, aber unser Tagesziel sah noch den Tokyo Tower vor. Somit spazierten wir dem Sonnenuntergang entgegen zum Tokyotower und dem davor gelegenen Tempel.

Letztes Jahr hatte ich ja schon mehrfach über den Tempel mit seinen unzähligen Jizo Statuen geschrieben, aber ihn nun in die Farben des Sonnenuntergangs getaucht zu sehen, faszinierte mich.

Im Dunkeln erreichten wir schließlich den Tokyotower und beschlossen, nicht hinaufzufahren sondern vom Boden aus ein paar Fotos zu machen und dann weiter in Richtung Rainbowbridge – Odaiba zu wandern.

Unterwegs stoppten wir noch an einem meiner Lieblings- Schnellrestaurants – Yoshinoya. Gyudon, Tonshiru (eine Art Gemüsesuppe mit Fleischeinlage), Salat, gebratener Lachs und kalter Tofu mit Soyasauce für den kleinen Geldbeutel.

Die Rainbow bridge. Ich wusste bisher nicht, dass man darauf auch spazieren gehen kann, aber es geht- und wir haben es getan. Eine beeindruckende Sicht über Tokyo bay und ein netter Abendspaziergang nach Odaiba. Leider mag meine Kamera Nachtaufnahmen nicht sonderlich – also warte ich noch auf die Fotos von Sato-san…

Da es mittlerweile schon nach 21:00 war und ich Bf versprochen hatte „früh“ wieder daheim zu sein, verzichtete ich darauf Odaiba weiter zu erkunden und setzte mich in den nächsten Zug in Richtung Zuhause..

Fast gleichzeitig mit Bf kam ich im Hotel an und dann stand ich vor der Reiseplanung Holland/Belgien. Nur noch 5 Tage und noch kein Hotel geschweige denn Mietwagen gebucht.. Es war schon 23:00.. mein Tag endete schließlich um 2:00. Bf schnarchte schon friedlich vor sich hin („of course I will help you with booking, but please let me take a short rest first….“), ich hatte endlich alle Hotels gebucht und auch einen netten Mietwagen gefunden.

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