Ein Feuerwerk auf Miyajima

Frühstück in Hiroshima.

„Schaaaatz? Kannst du zum Frühstück schon Udon essen? Du weißt doch, neben unserem Hotel.. und da duftet es so gut!!“

Natürlich konnte ich da nicht nein sagen.. So landete ich in einem kleinen Familienbetrieb, in dem ich dem Mann beim Udon machen zuschauen konnte. Faszinierend.

Gut gestärkt füllten wir im nächsten 7/11 unsere Wasser- und Teevorräte auf. Nicht unwichtig bei dem Wetter.. es war einfach nur heiß und die Luftfeuchtigkeit lag jenseits von Gut und Böse!

Der Weg zum Bahnhof zog sich endlos in die Länge, aber schließlich schafften wir es zum gemütlichen Bummelzug der sich langsam zu unserem Ziel schlängelte.

Miyajimaguchi.

Von dort aus gibt es mehrere Fährverbindungen auf die kleine etwa 20 km süd-westlich von Hiroshima gelegene Insel.

Seit Urzeiten als Heiliger Ort verehrt, waren weder Geburten noch Todesfälle gestattet um die Reinheit zu erhalten. Auch heute noch werden Verstorbene von der Insel nach Honshu gebracht und dort bestattet. Im Jahre 593 wurde der Hauptschrein erbaut, der noch heute (natürlich in restaurierter Form) die Insel ziert. Der Schrein selbst steht auf Holzpfählen im Wasser, was bei Flut den Effekt erzeugt, als würde er auf dem Wasser schwimmen. Das berühmte Wahrzeichen der Insel, das rote Torii, wurde 1875 erbaut. Bei Ebbe kann man es zu Fuß erreichen, bei Flut wird der gleiche Effekt erziehlt, der auch beim Schrein zu sehen ist. Das Torii mitsamt Schrein gehört übrigens zu den Top 3 der Japanischen Ansichten.

In der Mitte der Insel liegt der Misen-san. Die Legende besagt, dass der Mönch Kūkai den Berg als erster erklomm um dort zu meditieren und ein Feuer entzündete, dass ewiglich brennen sollte. Es gilt heutzutage als das Friedensfeuer und ist Ursprung der Flamme im Friedensgedenkpark von Hiroshima. Bewundern kann man auf dem Berg dieses Feuer noch immer in der Kiezu no Reika-dō, der Halle des nie verlöschenden Feuers.

In der jüngsten Vergangenheit hat sich der Berg vor allem zum Ausflugsziel für junge Paare gemausert. Dies ist durch Aktionen wie „Entzünden sie das Feuer der ewigen Liebe“ oder „backen sie gemeinsam Liebes-Momijimanju“ und vieles mehr ins Rollen gekommen. Dazu aber später mehr.

Wir schipperten nun also mit einer Fähre ans Ufer der Insel und fanden uns in einer dicht gedrängten Menschenmasse wieder. Jedes noch so kleine Fleckchen am Ufer war mit den berühmten blauen Planen abgedeckt, die einem entgegen schrien „Hier ist reserviert! Such dir nen anderen Platz!“ Warum? Nun, es war der Tag des großen jählich stattfindenden Feuerwerks.

Wir machten uns aber vorerst eher wenig Gedanken um einen netten Sitzplatz für später und begaben uns lieber auf Erkundungstour.

Da Ebbe herrschte, zog es uns als erstes zum Torii selbst. Raus aus den Schuhen und rein in den Schlamm! Es ist wirklich riesig! Wenn man darunter steht, fühlt man sich einfach nur winzig und unbedeutend.

Der Schrein sieht bei Ebbe eher unbedeutend aus, auch wenn die Holzkonstruktion die das ganze trägt, sehr eindrucksvoll ist! Wir schlichen erstmal außen drum herum und beschlossen dann, erst später hineinzugehen und lieber erstmal noch ein bisschen mehr Insel zu begutachten.

Durch die unzähligen kleinen Gassen führte uns unser Weg ein bisschen Abseits von der großen Masse zu einem kleinen Bach, den wir eine Weile dazu nutzen uns ein wenig abzukühlen. Der Touristenstrom bewegte sich schon langsam zu den Planen und somit beschlossen wir, dass es langsam Zeit wäre für den Schrein..

Nachdem wir uns sattgesehen hatten, zog es uns noch in eines der Restaurants um Anago und frische Kinako-Mochi zu essen.

Leider waren wir nach dem Essen ein wenig zu spät dran um noch einen einigermaßen guten Platz zu ergattern, somit kehrten wir zum Ufer des Bachlaufes zurück und beobachteten in der langsam einsetztenden Dunkelheit, wie das Wasser langsam immer weiter anstieg und arme Touristen von den frei herumstreunenden Rehen um ihr Essen (und ihre Touripläne) gebracht wurden..

Bf verschwand um ein paar Knabbereien aufzutreiben und ließ mich ein wenig verzweifelt allein zurück. Nach einer Stunde schließlich kam er vollkommen erschöpft zurück mit ein paar takoyaki und ein paar fritten. Die Wege waren so verstopft mit Menschen, dass sich endlos lange Schlangen bildeten die sich langsam durch die sitzenden Massen hindurchbewegten.

Endlich wieder vereint, dauerte es auch nur noch ein paar Minuten bis zum Beginn des großen Spektakels. Allerdings nicht ohne das sich der Start noch ein wenig verzögerte. Es schallte aus den Lautsprechern die Warnung, doch bitte umgehend den Strand zu verlassen wegen der steigenden Flut. Leider schien das eine Person nicht verstanden zu haben. Nochmals die Durchsage – diesmal etwas unhöflicher. 5 Minuten Stille. Eine quietschige Frauenstimme erklang und diesmal war die Warnung zielgerichtet. „Der Mann am Strand muss diesen umgehend verlassen!“ Keine Reaktion… erst bei der 4. Durchsage (dann auch auf englisch) war die Gefahr gebannt und das Feuerwerk startete.

Nach 5 Minuten Feuerwerk wurde der Opfer des Tsunamis gedacht und den Angehörigen in Sendai Beileid ausgesprochen. Es war eine sehr bewegende Ansprache und hier und da kullerten auch ein paar Tränen. Dann ging das Feuerwerk weiter. Nach weiteren 5 Minuten plötzlich eine unerwartete Unterbrechung. Schon wieder war irgend ein Trottel an den Strand gelaufen und dort nicht mehr weg zu bekommen. Als die Sicherheitsleute ihn dann endlich entfernt hatten, ging es weiter.

Am Ende hatte man das Gefühl, dass das Feuerwerk viel zu kurz – aber unglaublich schön war. Wir beschlossen, beim nächsten Mal ein wenig früher anzureisen und uns auch einen guten Platz zu sichern um mehr zu sehen, denn einen Großteil konnten wir dank Bäumen nicht sehen..

Um den Menschenmassen zu entgehen, blieben wir einfach noch ein wenig länger sitzen und genossen den Anblick des Vollmondes und des nun beleuchteten Torii.

Mit der letzten Fähre gondelten wir zurück aufs Festland, genemigten uns im gleichen Restaurant wie auch zum Frühstück noch eine Portion Udon und fielen recht geschafft ins Bett..

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