Himeji – Willkommen auf der Baustelle

Zurück zur Sommerreise – von Kurashiki aus fuhren wir nach Himeji.

Allen Warnungen zum Trotz. Denn- von der wunderschönen Burg sieht man…. nichts.
Ok, zumindest fast nichts.
Das Außengelände kann man schon sehen. Und eine wunderschne weiße Plane mit einseitigem Aufdruck der die Burg zeigt gibt es auch. Wie es sich für Baustellen an japanischen Sehenswürdigkeiten eben gehört.

Vom Bahnhof aus schlängelt man sich durch eine beeindruckende Einkaufspassage und mein Frauen-shoppingherz kommt ins schwärmen. Wobei, eigentlich hasse ich shopping! Aber.. da ist ein Kimono shop – und ich brauche doch noch eine passende Haarspange für den Sommer Yukata von meiner Lütten! Dieses Jahr passt sie nämlich endlich in ihren kleinen Roten mit dem Häschenprint!

Ich schweife ab. Mein Kerl ist schon leicht genervt. Und hungrig. „Hunger ist schlimmer als alles andere“ beschloss es – und tingelt zurück zum Bahnhof.

Aber..aber… Kimonoshop? Burg???

Hilft alles nichts, er setzt sich durch und mein Interesse an allem anderen verfliegt sofort, als ich die Essens-ecke im Bahnhof entdecke.. Es gibt dort nämlich ALLES! Und das auch erstaunlicherweise noch bezahlbar! Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Frisches Tonkatsu, frisches Tempura, selbst zusammenstellbare Bentoboxen mit allen möglichen und unmöglichen Leckereien.. aber, der Mann an meiner Seite hat andere Pläne.

Takoyaki.

Und nein, nicht irgendwelche beliebigen! Das wäre ja auch zu einfach.. es müssen Spezielle sein. Nämlich welche, die nicht mit Tonnen von leckerer Sauce und Mayo ertänkt werden – stattdessen dippt man sie in eine dünne Suppe. Hmmmm.. ok, probieren kann man ja mal. Zu meiner Rettung odert der Herr noch einmal „normale“ Takoyaki und wir werden gebeten, uns doch bitte ungefähr 15 Minuten mit uns selbst zu beschäftigen weil die Dinger erst noch frisch gemacht werden müssen.

Ich schleiche also, eine lange Sabberspur hinterlassend, um die anderen Stände herum bis mein Mann mich ruft und wir zwei weiße Plastiktüten entgegen nehmen können. Nun bleibt nur noch die Frage wo wir essen wollen… Männliches Gehirn auf Hochtouren sage ich euch. Aber interessant ihm beim denken zuzuschauen. Er beschließt, in einem kleinen Park vor der Burg zu essen. Kluger Mann. Zwei Fliegen mit einer Klappe- denn wir wollen das Essen ja schließlich warm zu uns nehmen, und somit haben wir leider keine Zeit um uns in der Einkaufspassage großartig umzusehen. Er gewinnt. Aber ich habe ja schließlich auch Hunger..

Endlich an dem Platz angekommen, stellen wir fest, dass das Essen leider nur noch mäßig warm ist. (Nicht meine Schuld, ehrlich! Ich bin extra ganz schnell gelaufen und habe sogar auf Fotos verzichtet!) Wir packen also fix aus und ich überlasse ihm – gnädig wie ich bin – die Takoyaki Suppen Kombo.. um mich unbemerkt auf die normalen zu stürzen. Hach, ich liebe diese Dinger einfach irgendwie. Mag an den Tentakeln liegen. Hmmm.. Tentakel… ich schweife schon wieder ab. Während ich relativ schnell die kleinen Bällchen in meinen Mund befördere, macht mein Freund ein eher gequältes Gesicht und zwingt mich letzten Endes dazu die zweite Version zu probieren.

(all squishi und schmeckt irgendwie nach weichen Eierkuchen mit Tentakeln..)

Diese Dinger sind ganz und garnicht wie Takoyaki. So… ungewürzt… und die Suppe ist auch eher eine Plörre.. und diese doofen Bällchen lösen sich quasi darin auf. Es ist fast wie Mochi im Shabu Shabu zu essen…. (und dabei mag ich Mochi im Shabu shabu..) oder lecker fluffige Pfannekuchen in Suppe zu ertränken! (Flädlesuppe mit Oktopus quasi..)
Wir essen trotzdem brav auf, bringen es aber nicht übers Herz die Suppe ordnungsgemäß zu trinken und Bf macht sich Gedanken über die geeigbete Entsorgung des angefallenen Mülls plus Suppe. Irgendwie findet er eine Lösung und nun können wir auch endlich den Ausblick auf die Burg genießen. Nicht. Hatte ich die hübsch-hässliche Plane schon erwähnt?

Trotzdem wird uns am Eingang der volle Eintrittspreis abgenommen und man schleust uns duch ein Labyrint aus Planen und Baugerüsten. Schließlich landen wir irgendwie im Inneren der Burg, wo auf lustig bunten Schaubildchen das frühere Außen- und Innenleben dargestellt, sowie die gesammte Chronik der Restaurierung plus Zeitplan zu finden ist. Hochinteressant sage ich euch.

Ein paar obligatorische „wir waren hier“ Touristenbilder später sind wir auch schon wieder draußen. Ich glaube so schnell war ich noch durch keine Burg durch.

Und was lauert auf dem Rückweg? Die Einkaufspassage! Nur komischerweise scheine ich alles Interesse an irgendwelchen Einkäufen in der Burg zurückgelassen zu haben und mein Freund scheint es gefunden zu haben. Denn plötzlich ist er derjenige der „nur mal kurz anschauen“ gehen will…

Ich begnüge mich mit einem kleinen Schlüsselanhänger ala „süßes pummeliges Maskottchen schreit, dass ich hier war – mit ein bisschen blingbling“ und zerre meinen Kerl zurück zum Bahnhof wo wir uns auf den Weg nach Kobe machen…

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3 Antworten

  1. Gojira

    Himeji-jó steht eben wegen der Bauerei eigentlich auch auf meiner Liste, denn in zwei Jahren glaube ich ist wieder das „normale“ Schloss zu sehen, während man auf die nächste Bauphase wohl 100 Jahre warten muss. Jetzt hat man die Chance beides zu erleben.

    Februar 13, 2012 um 10:18 pm

    • man sieht nur eigentlich nichts. Bis auf das Dach, dass man aus dem Fahrstuhl heraus 3 Sekunden bewundern kann während man daran vorbeifährt. Ich hatte glücklicherweise meine Kamera eingeschaltet in der Hand..
      Ansonsten sieht man: Weiße Plastikplanen. weiße Pfeile auf Holzlatten die den Gehweg darstellen. Weiße Wände. Ein paar Infotafeln über die Umbauten.
      Aus zwei Fensterchen kann man immerhin die doch recht hübsche Außenanlage bewundern. Draußen allerdings erlischt die Freude schnell, denn man wird von weißen Plastikwänden zielstrebig zum Ausgang geleitet. Umdrehen gibts nicht. Da passen behandschuhte Wächter drauf auf damit auch ja keine Langnase verloren geht in dem Labyrinth mit nur einem Weg.
      Alles in allem zwar interessant, aber nicht wirklich so sehenswert, dass man da unbedingt hin müsste.
      Und- irgendwo ist immer irgendwas im Umbau. Matsumoto-jo z.B. hat auch einen kleinen hinter sich weil es umzukippen drohte. Senso-ji in Asakusa hat auch ne Komplettsanierung hinter sich.. irgendwo ist immer was los 😀

      Februar 13, 2012 um 10:33 pm

  2. @Rose

    Ich hatte dich gewarnt…….

    Eigentlich ist es aber toll, das sich die Japaner wieder mehr auf ihre traditionelle Baukunst besinnen und viele Schloesser „zurueckbauen“. Besonders in den 60-70er Jahren wurde vieles einfach in Beton gegossen und dann mit duennen, „holzaehnlichen“ Laminaten bespannt. Schrecklich.

    Februar 15, 2012 um 2:32 am

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