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Papierkrams und so..

Beim Umzug nach Deutschland dachte ich ja schon „au backe“ dank des ganzen Papierkrams, aber nun gehts ans Eingemachte.

Nach dem Antrag sind wir direkt zum Standesamt gedackelt. Man will schließlich keine Zeit verlieren und am liebsten schon vorgestern verheiratet sein. Oder so. Unser Traumdatum wäre der 7.4. gewesen..

Den Zahn hat man uns beim Standesamt ganz schnell gezogen. Papiere. Viele. Arrrgh!

Eigentlich sind es ja garnicht so viele Papiere – nur, wie soll man an den ganzen Mist in Japan rankommen?!

Benötigt werden: 1 Auszug aus dem Familienregister (Koseki) und 1 Ehefähigkeitszeugnis. Beides mit Apostille und beglaubigter Übersetzung von einem gerichtlich bevollmächtigten Übersetzer. Evtl. könne man das alles übers Konsulat beziehen, aber man sei sich nicht sicher…

Auf zum Konsulat!

Möööööööp. Is nich! Hier bekommt man keine Papiere. Kein Koseki, kein garnichts – und „bestellen“ kann man die Papiere hier auch nicht, ist ja schließlich nicht deren Schuld, dass wir auf die Idee gekommen sind zu heiraten.

Nächster Gedankengang „Koseki…Koseki? Das müsste doch irgendwo bei Muttern rumfliegen…“ – also schnell an den PC und Skype unsicher machen. Koseki Tohon fliegt tatsächlich noch in einer Kiste rum, also schnell gegoogelt wie man an die Apostillen und das andere Papierchen kommt.

Mist. Für die Apostillen dürfen die Schriftstücke nicht älter als 2 Wochen sein und alles muss PERSÖNLICH beantragt & abgeholt werden. *hust*

Über 10 Ecken und Endlostelefonate haben wir dann herausgefunden, dass FMIL sehr wohl die Papiere für uns beantragen kann. Erleichterung. Für ca. 24h.

Dann kam ein Anruf…. es gibt 3 (!!!) Versionen vom Koseki! Welche bräuchten wir denn??

Ich habe mich also ans Telefon gehängt und den netten Standesbeamten nochmal angerufen.. nur war der auf einmal garnicht mehr so nett. Auskünfte am Telefon gibbet nicht, müssen sie herkommen!

Gnarf. Hab ja auch nur nen vollen Terminkalender (wirklich!! Seit ich „zu Hause“ bin, bin ich mehr unterwegs als je zuvor!) und streikende Bahnen.. aber auf dem Papierchen steht „japanische Heimatbehörde“, also fällt ein Papierchen schonmal weg, denn das hätte man in Männes Registrierungspräfektur (am Hintern von Japans Pampa.. quasi in der Pampa der Pampa) abholen müssen.

Bleiben noch Zwei.

Einmal eine Version in der nur steht „Person A. darf ohne Einschränkungen heiraten“ – und einmal die Version „Person A. darf Person B. heiraten“.

Nochmal das Standesamt angerufen – muss mein Name wirklich in dem Papier mit drinstehen? Und wenn ja, waruuuuum?

Auch dieses Mal strafte mich der Standesbeamte mit Verachtung „ich habe ihnen doch schon gesagt, dass ich ihnen am Telefon keine Auskunft darüber geben kann!“

Tschakka, so macht man sich Freunde…

Nach langem Hin-und Her beschlossen wir dann, die 2. Version (A darf B heiraten) zu nehmen, da es uns sicherer erschien. Man kann daran schließlich nichts falsch verstehen.

Einen verzweifelten Anruf von FMIL später, mussten wir meinen Namen, mein Geburtsdatum und die Daten meiner Kinder noch ins Japanische übersetzen. Katakana.. oh wie ich sie liebe… und japanische Datumsangaben sind eine echte Plage! Hier im Konsulat liegen Kalender aus, auf denen man das japanische Datum errechnen kann XD

Als auch das endlich geschafft war, folgte eine Weile nichts mehr. Warten. Meh.

Vorgestern kam dann endlich die Nachricht – Papiere sind da! Jetzt gehts weiter mit den Apostillen!!

Für die Apostillen braucht FMIL jedoch eine Vollmacht..

Ein Hoch auf Japan, dass es Konbinis gibt!

Was Konbinis mit Vollmächten zu tun haben? Haha, Konbinis können ALLES! Man kann nicht nur Pakete von Amazon zu Konbinis schicken lassen und dort abholen, nein, man kann auch Daten auf deren Plattform hochladen und diejenigen, die die ID der Daten kennen, können sie vor Ort ausdrucken lassen!

Heute haben wir also fleißig an einer Vollmacht gebastelt, die wir eingescannt und hochgeladen haben – jetzt muss FMIL nurnoch in den nächsten Konbini um es abzuholen. Zur Sicherheit kommt noch Männes Hanko mit drauf (das hat er praktischerweise noch in Japan liegen lassen) und dann ab zur Post.

Mit ein wenig Glück sind die Papiere nächste Woche dann zurück und übernächste Woche dann bei uns! Yosh!

Eine (bezahlbare) Übersetzerin haben wir mittlerweile auch gefunden nachdem mein erster Anruf in einem Übersetzungsbüro mich mit dem Schock „120€/Seite“ zurückgelassen hat. Jetzt zahlen wir 70€, was auch noch ein ganz schönes Sümmchen ist, aber naja… ist ja für die Zukunft…

 

Halte euch auf dem Laufenden~

 


busy world

Heute gibt es extra nur für euch eine Portion „jammern auf hohem Niveau“.

Männe hat vor kurzem einen neuen Arbeitsvertrag bekommen, denn zwei der japanischen Firmenriesen hier haben beschlossen, in bestimmten Abteilungen zu fusionieren – und dann brach das Chaos aus.

Neues Visum, umänderung sämtlicher Daten wie Versicherung, Bank, Rentenkrams und mehr – ich kam aus dem übersetzen und erklären kaum noch raus.

Dann kamen neue Aufgabenfelder dazu, denn seine Abteilung ist eine Two-Men-Show aka. es gibt nur seinen Boss und ihn. Jetzt packen wir noch eine Priese ultra wichtige Geschäftsreisen oben drauf – und voila, eine neue Hölle ward geschaffen.

Er hat mir neulich einen Terminplan vor die Nase gehalten. Alles rot! Jeden Tag mindestens 2 Meetings. Jede Woche mindestens 1 Geschäftsreise. Und das waren nur die „angekündigten“! Wir hatten im letzten Monat ganz viel Spaß mit den spontanen Geschäftsreisen..

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Boss: Hey, du bist doch Montag-Mittwoch in Polen, oder?

Männe: Jupp

Boss: dann hast du ja Donnerstag und Freitag noch Zeit, ne?

Männe: …hab nur den Papierkram zu erledigen von den letzten 600 Geschäftsreisen..

Boss: Ja supi, ich habe dir direkt mal nen Flieger gebucht – Mittwoch fliegst du nach dem Meeting direkt nach Italien weiter und Donnerstag von dort nach Holland. Nach Deutschland darfst du erst Freitag abend wieder zurück und für den Papierkram hast du ja auch noch das Wochenende…

Männe: …

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Boss: Pack deine Koffer Kricky, du darfst mich heute Abend nach Rotterdamm fahren, damit wir da morgen an zwei Meetings teilnehmen können, die gleichzeitig stattfinden. Du eins, ich eins. Vorbereiten kannst du dich im Hotel – ist übrigens ein Thema, von dem du noch nie zuvor etwas gehört hast *Mwahahaha*

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Manchmal stelle ich mir den Boss mit kleinen Hörnchen vor… aber eigentlich kann man ihn auch nur bemitleiden. Er hat Frau und Kinder in Japan. Sie konnten (*wollten*) nicht mit, weil die japanische Highschool ziemlich wichtig für den Werdegang der Kids ist und es somit undenkbar wäre, sie hier auf die japanische Schule zu schicken. Sehen können sie sich wenn es hochkommt 1-2x im Jahr.
Im Januar waren sie für ein paar Tage zu Besuch und Boss hat es gewagt, Urlaub zu nehmen… wobei Urlaub dadurch definiert war, dass er tagsüber schlecht zu erreichen war und nachts dann durchgeackert hat.

Männe hat „glücklicherweise“ einen deutschen Vertrag der seine Arbeitszeiten reguliert, wobei Geschäftsreisen an Wochenenden nicht als Arbeitszeit angerechnet werden und generell Überstunden unbezahlt bleiben. Das neue System hat auch keine elektronischen Stempelkarten mehr, sondern die Arbeitszeit wird „auf Vertrauensbasis“ vom Arbeiter aufgeschrieben und eingereicht….mit der Empfehlung, doch bitte die aufgeschriebenen Stunden im Ramen zu halten.

Im Endeffekt wird von Männe also hier erwartet, dass er wie ein „richtiger Japaner“ arbeitet. Einzige Ausnahme ist, dass er hier auch effektiv arbeiten MUSS – in Japan sieht das ja meißt ein bissel anders aus.

Für unsere Beziehung ist es manchmal anstrengend, aber mittlerweile kommen wir gut damit zurecht. Ich habe genug Freiraum, um meinen Dickkopf durchzusetzen und auch mal Dinge zu machen, von denen er nicht so viel hält – und er hat seine Ruhe vor mir. Unsere gemeinsame Zeit ist jetzt zu etwas Kostbarem geworden und wir genießen es ganz anders als wir es früher getan haben. Manchmal fühle ich mich, als wären wir ein altes Ehepaar. 300 Jahre verheiratet und noch immer glücklich zusammen. Außerdem finden wir in dieser neuen Situation jetzt auch wieder neue Aspekte am anderen, die wir vorher nicht wahrgenommen haben.

Streit gibt es in unserer rosa Puschelwelt daher nurnoch selten. Eigentlich nur, wenn er mich mal wieder im Schlaf aus dem Bett geschubst hat (jetzt, wo wir nichtmehr auf Futons schlafen, tut so ein Fall ganz schön weh…) – oder er mir meine Schokolade weggefuttert hat, wobei er letzteres meißt mit einer Prise Humor charmant abstreift („du wolltest doch eh abnehmen um näher an mein PERFEKTES Gewicht heranzukommen…“*unschuldig blick*)

So, jetzt muss ich aber ganz schnell noch ein wenig putzen und mir was fürs Abendessen überlegen (…da ich ja jetzt eine „gute Hausfrau“ bin…), denn er kommt heute Nacht für ein paar Stunden nach Hause. Wohooo.

 

Edit: hab grad den Anruf bekommen, dass er heute doch noch nicht nach Hause kommt weil wegen und so.. meh. Dabei wollte ich doch eine super Hausfrau sein und habe das Essen schon fast fertig gehabt und alles blitzeblank geputzt. Meh. Naja, kommt jetzt Frischhaltefolie und ein rosa Klebezettelchen mit Herzen und einer Anleitung für die Mikrowelle drauf und gut ists. *Kinder vom Chaos machen abhalten geht*


Kabukicho, Sakuragicho & Sweets paradise

 

Den Sommer verbrachten wir nur zur Hälfte gemeinsam in Japan. Männe musste nach 12 Tagen schon wieder zurück nach Deutschland, aber Sohnemann und ich blieben insgesammt 21 Tage- Ferien wollen genutzt werden und die Flüge sind ja auch nicht grade billig.

Wir wollten allerdings nicht in Chiba bei der Familie bleiben und mieteten uns deshalb in einem kleinen Hostel im wohl merkwürdigsten Viertel Yokohamas für wenig Geld ein.

Kabukicho.

Nach Yokohama bzw. Sakuragicho verschlägt es uns irgendwie immer zurück.. aber darüber habe ich ja schon oft geschrieben.

Kabukicho also. Es liegt direkt neben dem Chinatown und ist recht heruntergekommen. Dort leben viele arme, behinderte und von der Gesellschaft ausgestoßene. Nur die zahlreichen Hostels in Bahnhofsnähe bringen ein bisschen frischen Schwung und Farbe hinein durch die vielen Bleichnasen, die dort täglich ein und aus gehen.

Merkwürdig, dort durchzulaufen. Noch viel merkwürdiger mit Kind. Wobei, eigentlich haben wir uns schnell daran gewöhnt. Wir wurden nie belästigt und immer nett behandelt. Man nickte sich zu, wünschte sich nach ein paar Tagen „Guten Morgen“ und „Guten Abend“, plauschte über das Wetter oder die Gesundheit.

Wir bekamen auch gute Tipps für ein paar Sehenswerte Straßen, Abkürzungen nach Sakuragicho und wo man günstig Einkauft- das hat uns einiges an Zeit, Geld und Nerven erspart.

Die Nähe zum Chinatown tat ihr übriges. Bei jedem der letzten Besuche dort, hatte ich mich verlaufen! Immer! Ohne Ausnahme! Ein einziges Chaos aus Straßenlabyrinthen mit Menschenmassen und Verkäufern, die einen in ihre Restaurants locken wollten.

Da wir nun jedoch fast täglich durch dieses Labyrinth laufen mussten, musste ich mir die Wege gut einprägen um zum Hostel zurückzufinden. Und siehe da – nach dem 2. Tag fand ich nicht nur unser Lieblingsrestaurant wieder, sondern auch den Shop mit pandagesichtigen Nikuman und den Hello Kitty Panda Bonbonautomaten, den ich vor 4 Jahren schon fotografiert hatte. Yosh.

Jetzt kann ich (mit Stolz) von mir behaupten, mich im Chinatown zurecht zu finden! Wohoo!

Ein anderer Vorteil an der Gegend ist, dass das Yokohama Stadium ebenfalls nur ein paar Minuten Fußweg entfernt liegt!

Irgendwann möchte ich gerne ein Baseballspiel dort sehen..

Aber die Saison war schon gelaufen und so blieb uns nur, abends die auf einer großen Leinwand vor dem Stadium gezeigten Wiederholungen zu schauen. Mitten in einer Masse von Sportbegeisterten Japanern, Bier und Brezeln! Ja, Brezeln!  Und Eis..
Da das Stadium auf unserem Rückweg von Minatomirai lag, hielten wir dort fast jeden Abend eine Weile und mischten uns in die Menge.

Nach Minato-Mirai läuft man übrigens vom Kabukicho aus ca. 20 minuten – mit Abkürzungen ca. 15 minuten. Wir sparten uns also die paar Yen fürs Ticket und liefen zu Fuß.

 

 

Minato Mirai hat sich in den letzten Jahren verändert. Bei meinem ersten Besuch stand am Museumsplatz noch ein altes Gebäude, das abgerissen werden sollte. Beim nächsten Besuch war das Gebäude schon verschwunden und für ein paar Jahre konnte man nur auf einen weißen Bauzaun blicken – im letzten Sommer wurde dann dort eine neue Shoppingmall eröffnet – „Mark is Minatomirai“! Seltsamer Name für eine seltsame Mall… aber egal, es war so voll wie immer und dieses Jahr wurden sogar Sprenkelanlagen an die Brunnen gebaut, damit alle die wollten sich mit dem kühlen Nebel ein wenig Erfrischung gönnen konnten. Einen neuen kleinen Wasserspielplatz für Kinder gibt es auch – wir waren begeistert!

Nachdem ich es nun Jahr um Jahr vor mir hingeschoben habe, besuchte ich dann im Sommer mit Sohnemann endlich mein Paradies. Sweets paradise! Gelegen direkt zwischen Sakuragicho-eki und den Rolltreppen, die zur Minatomirai führen, war ich überrascht, dass der Laden doch nur relativ klein war. Ich hatte ihn mir größer vorgestellt.. aber naja, ich hatte ihn ja bislang nur von außen gesehen!

Wir kauften uns also brav am Automaten ein paar Tickets mit unserer Ankunftszeit und wurden dann zu einem Tisch direkt an der riesigen Fensterfront geführt, durch die wir freie Sicht auf das Riesenrad im Sonnenuntergang hatten. Da wird Essen doch fast zur Nebensache!

Aber natürlich ließen wir uns nicht ewig ablenken – die Zeit war ja begrenzt auf 90 Minuten und die nette Bedienung erklärte uns die Regeln.

90 Minuten Zeit. Man darf so viel essen, wie man möchte – egal von was, Teller müssen selber weggeräumt werden. Itadakimasu.

Yosh! Auf ans Buffet!

 

Aber….. wie entscheidet man sich, wenn vor einem eine Konditorei „explodiert“ ist und man vom reinen Anschauen schon Diabetes bekommt?

Wir gingen es langsam an. Ein gemischter Teller mit verschiedenen Sorten zum rantasten. Dabei half es sehr, dass man viele Kuchen selber zurechtschneiden und somit die Portionsgröße beeinflussen konnte.

 

 

Für Nicht-Naschkatzen gab es auch eine kleine Auswahl an Gerichten – hauptsächlich Curry und verschiedene Nudelgerichte.

Nachdem wir unseren ersten süßen Teller verputzt hatten, wussten wir auch warum.

 

 

Ab irgendeinem Punkt dreht sich der Magen schon beim Gedanken an Süß um..

Wir futterten uns also durch Nudeln & Curry (das garnichtmal so schlecht war…) und irgendwann stimmte der Salzhaushalt im Körper dann einigermaßen wieder, so dass ich wieder zu Süßem greifen konnte.

 

 

Wir waren schon vor Ablauf der uns zur Verfügung stehenden Zeit pappsatt und fragten deshalb, ob wir noch ein paar Fotos machen könnten – wir durften, und danach rollten wir glücklich vollgefressen hinaus in die heiße Nacht.

Ende.

Nicht.

Denn in Minatomirai geht es Nachts erst richtig los…Wenn man Zeit hat und ein mindestens ein bisschen japanisch versteht, sollte man abends zu den Dockyard Gardens gehen.
Dort treten fast täglich verschiedene Commedians auf und einige von ihnen sind verdammt gut! Da werden leuchtende Diabolos auch mal bis zur Höhe des 30. Stockwerks geworfen, auf Rollen balanciert, Rieseneinrad gefahren, kleine Kinder mit Luftballons geärgert und mehr.
Seit dem Sommer gibt es auch eine 3D illumination Show direkt nebenan. Je nach Programm wird man in einer Zeitmaschine von Steinzeit bis Alienzukunft geschleust oder in eine neue Welt getaucht. Es ist echt faszinierend und man sollte unbedingt versuchen, unten noch einen Platz zu ergattern, denn von oben wirken die 3D Effekte nur halb so großartig.*letzte Bilder zusammenkram*

 

 

 

 


„Totoro Museum“ #2

*Kanazawa ignoriere ich jetzt einfach mal , bis ich die Historischen Daten alle wieder zusammengesammelt habe.. also ein wenig Geduld mit mir bitte~*

Totoro Museum. Aye. Den ersten Teil – das Museum in Nasu- habe ich euch ja *hier* schon vorgestellt, aber diesen Sommer gab es noch zusätzlich eine befristete Ausstellung auf Izu!

Wir haben es natürlich erst auf den letzten Drücker gesehen und mussten unsere Reisepläne ganz schön umwuseln, da Sohnemann und ich es nicht verpassen wollten.

Das Teddybär Museum auf Izu ist fast mit dem in Nasu identisch. Im Erdgeschoss gibt es eine Teddy-Dauerausstellung mit alten Plüschis von Steiff und Co (ehrlich..ich finde diese alten Dinger irgendwie gruselig) und im Oberen Teil ist Platz für Sonderausstellungen. Dazu gibt es noch ein Cafe mit tollem Außenbereich und einen kleinen Garten in dem man versteckte Kleinigkeiten entdecken kann.

Die Totoro Ausstellung war nicht identisch – und ich kann mich kaum entscheiden, was besser war! 3 Meter Totoro kuscheln zu dürfen, oder in einen plüschigen Katzenbus in Originalgröße einzusteigen? Aaaaaaaaarg!

FMIL hat sich direkt auf die hinterste Bank im Nekobus gekuschelt und ist halb eingeschlafen, wärend wir irre kichernd umhersprangen, Millionen von Photos machten und alle Knöpfchen drückten, die wir finden konnten! Mwahahahaaaa!

Da Sohnemann und ich Schleckermäuler mit Leidenschaft sind, haben wir die anderen auch dazu überredet im Cafe einzukehren und Kuchen zu essen. Für uns gab es einen lecker saftigen Bananen-Schokokuchen!

Zuerst war ich ein wenig stutzig, wegen dem Personal. Die Japanerinnen dort sahen irgendwie anders aus und verhielten sich auch ungewohnt auffällig.. es stellte sich heraus, dass das Cafe eine Ar „Behindertenwerkstatt“ ist, in der die Frauen unter Anleitung Kuchen backen, dekorieren und lernen wie man serviert. Alle super nett und als wir uns für den leckeren Kuchen (der noch warm war..myammi) bedankten, durfte Sohnemann sogar mal mit in die Küche schauen und bekam einen extra Bärenkeks geschenkt! Der Kuchen ist dort zwar nicht grade günstig, aber wenn man solche Projekte damit unterstützen kann zahlen wir gerne den kleinen Aufschlag!

Nach dem Kuchen brauchten wir eine kleine Verschnaufpause (ja… Teddybären anschauen, um Totoro Sachen herumhüpfen und Kuchen futtern ist seeeehr anstrengend!) und setzten uns auf die Terasse, bis wir die Hitze nicht mehr aushielten und uns ins Auto flüchteten…

Bye bye Totoro.. ich hoffe es gibt bald Ausstellung #3~


Shirakawa-go & Gokayama

Wer auf sehr alte japanische Baukunst steht, sollte sich unbedingt nach Shirakawa-go und Gokayama begeben. Diese beiden Dörfer gehören mittlerweile zum UNESCO Weltkulturerbe und ein Besuch dort lohnt sich nicht nur wegen der schönen Landschaft, sondern auch der Geschichte der Dörfer..

Man findet dort überwiegend Gassho Zukuri – also Häuser „gebaut wie betende Hände“. Diese Bauform entwickelte sich durch den Schutzbedarf vor starkem Schneefall, denn Schnee gibt es dort im Winter immer massig.
Bei einigen Führungen durch ein paar der Häuser, werden einem Baudetails und die Gründe dafür sehr anschaulich erklärt, jedoch kann ich mich an das meißte ob der dazwischenliegenden Zeit leider nicht mehr erinnern.

Einige der Häuser sind schon über 250 Jahre alt, aber es werden auch immer wieder neue Häuser mit traditioneller Handwerkskunst errichtet. Natürlich nutzt man heutzutage auch moderne Maschinen, die einem die Arbeit erleichtern, aber die Grundkonstruktionen und Materialien an sich sind über all die Jahre die Selben geblieben.

Shirakawago ist etwas größer als Gokayama, besitzt eine eigene Touristeninformation und viele „Museumshäuser“ (als Häuser, die zwar noch bewohnt sind, bei denen die Familien aber Zugang zu verschiedenen Räumen mit Infotafeln ermöglichen). Gokayama hat auch einige dieser Museumshäuser, ist aber – von meinem Bauchgefühl her- ländlicher und ruhiger.

Die Dachböden der Häuser wurden für viele Zwecke genutzt – am beliebtesten aber waren sie zur Seidenraupenzucht. Auch heute findet man dort noch Familien, die Seidenraupen züchten, jedoch eher für touristische Zwecke.

Früher waren es Dörfer, die schwer erreichbar waren. Es gab keine Straßen, nur ausgelatschte unsichere Wege und wilde Tiere, die einem den Weg zwischen den viele Kilometer auseinanderliegenden Dörfern erschwerten. In den Wintern war es besonders schlimm. Räumdienste und modernes Gerät gab es nicht und so konnte bei einem Notfall auch nur schwerlich ein Doktor geholt werden (Telefonanbindung gab es ja auch nicht…).

In Shirakawago übernachteten wir bei einer Familie, die schon seit vielen Generationen dort lebt und hatten dadurch Gelegenheit, auch ein wenig über die Vergangenheit aus 1. bzw. 2. Hand zu hören.

Die Hausherrin (ich schätzte sie auf Anfang 70) war sehr offen und erzählte uns, dass sie durch Versorgungsprobleme im Winter mehrere Geschwister verloren hätte. Auch ihr Großvater sei bei einem Unfall gestorben, denn um einen Arzt zu holen, musste erst ein Bote ins nächste Dorf geschickt werden, der den Arzt (so er denn nicht grade unterwegs zu einem anderen Dorf war) holen sollte.

Wie ich bin, stelle ich mir soetwas sehr bildlich vor und überlegte, wie es mir gehen würde wenn eines meiner Kinder… ich glaube, ich könnte dort nicht weiter leben.

Aber für diese Familie kam ein Verlassen des Dorfes nicht in Frage, und die Zeiten änderten sich. Moderne Straßen wurden errichtet, modernere Einrichtungen wurden gegründet und das wieder erwachende Interesse der Japaner an ihrer eigenen Kultur sorgte für den Rest. Der perfekte Touristenmagnet ward erschaffen.

Dadurch änderte sich das Leben dort stark. Man stellte sich auf Touristen ein, öffnete sein Haus für Gäste, verdiente Geld mit der eigenen Geschichte, produzierte Waren, die die Touristen mit glücklichen Gesichtern mit nach Hause bringen würden.Das ist bis heute auch so geblieben.

Mittlerweile sind die dort verkauften Sachen allerdings überwiegend Massenware, die man auch in den umliegenden Dörfern erstehen kann.

Ich war froh, dass wir in Shirakawago über Nacht blieben, denn so konnte man das Dorf auch ohne den riesigen Touristenstrom sehen. Kein „MikiMikiMiki“ mit pinkem Regenschirm-gefuchtel.

Stille.

Natur.

Zirkarden.

Glühwürmchen.

..und ein unglaublich klarer Sternenhimmel


Hida-Takayama

 

So… den Bericht über Takayama habe ich jetzt erfolgreich 2 Jahre (?!) vor mir hergeschoben.. und nun finde ich viele der alten Fotos nicht mehr *seufz*

 

 

Die Stadt Takayama liegt in der Präfektur Gifu und im Herzen der japanischen Alpen.  Sie war ursprünglich ein Zusammenschluss mehrerer kleiner Städte und Dörfer (was sie zur flächenmäßig größten Stadt Japans machte). Ein Großteil der alten Distrikte aus dem 16. Jahrhundert ist noch gut erhalten und zieht heute jedes Jahr viele Touristen an, der Rest der Stadt ist eher Hübsch-hässliche Betonwüste..

 

 

Ich mag den Charme des alten Stadtteils und für Bfs Familie haften viele Erinnerungen an Reisen nach Takayama. Schon in seiner Kindheit fuhren sie wohl jedes Jahr dort hin um Dango & Ramen zu essen und dann weiter in die Berge zu fahren.

 

 

Wir übernachteten dieses Mal in einem kleinen traditionellen Ryokan am Stadtrand, futterten uns dort mit Hidagyu und wirklich tollem Frühstück rund- und genossen das wirklich schöne Wetter bei Spaziergängen durch die Stadt bevor wir nach Gokayama aufbrachen…

 

..jetzt geh ich mich eine Runde ärgern! Ich weiß, dass ich noch viel viel mehr zu Takayama schreiben wollte – aber mit unseren alten Rechnern sind auch alle Daten untergegangen. *gnarf*
Vielleicht finde ich es ja irgendwann wieder und ergänze dann diesen Post. Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben…


Kamikouchi

Kamikouchi gehört zu den Japanischen Alpen und ist Teil des Chuubu-Sangaku-Nationalparks. Somit kommt man dort nur per Reisebus oder Taxi mit Sondergenehmigung hin.

Wir haben dort vor ein paar Jahren schonmal gecampt (man kann Zelte leihen) und fahren nun regelmäßig, da es eines der Hauptreiseziele unserer Familie ist. Sogar FFILs Asche wurde am Fluß verstreut..

Burch die Berglandschaft ziehen sich viele Wanderwege. Für weniger Geübte bis hin zu Bergsteigerprofis findet sich für jeden der richtige Weg.

Das Wasser der Gebirgsflüsse ist fast unsichtbar, so klar ist es – und nach einer langen Wanderung tut es verdammt gut, seine Füße ins kalte Nass zu halten…

Für letzten Sommer wählten wir einen neuen Weg, den uns der nette Taxifahrer unterwegs empfohlen hatte. Ein sehr netter Mann übrigens, der ursprünglich aus der gleichen Stadt wie FMIL kommt und für seine Ehefrau zugezogen war. Nachdem wir seine halbe Lebensgeschichte kannten, mussten wir natürlich auch unsere erklären… Tja… was macht bloß eine Langnase mit Kind zusammen mit einer japanischen Familie..?

Ziel des Wanderweges war Mijiojin ko – ein Gebirgssee über den ein schmaler Steg führt. Der See erinnert mit seiner Umgebung stark an einen natürlich gewachsenen Zen Garten, der zu jeder Jahreszeit (besonders im Herbst) sehenswert ist.

Da der Weg doch recht lang war ( insgesammt über 3h) und Sohnemann sich anfing zu langweilen, hielten wir Ausschau nach Insekten… und begannen, diese zu benennen. „Kumo! Kemushi! Chouchou! Tentomushi! Kabuto…. Nihonjin!“ *rotwerd-und-mit-Kind-ganz-schnell-von-den-anderern-weglauf*

Zurück am Ausgangspunkt – der Kappabashi (Kappa Brücke).

Rund um die Brücke finden sich Hotels, Informationscenter für Touristen, Souveniershops, Restaurants und vieles mehr.. außerdem befindet sich die Haupthaltestelle der Busse in unmittelbarer Nähe.


Kino in Japan – 風立ちぬ(Kazetachinu) vs. Pokemon

 

Im Sommer kam Studio Ghiblis neuestes Werk in die Kinos. Kazetachinu.

Als ausgewachsener Ghiblifan wollten Männe und ich ihn unbedingt sehen.. aber ein Blick auf den Trailer sagte uns – nichts für Sohnemann.

Nach langem hin und her wie wir es vielleicht doch noch hinbekommen, den Film zusammen zu schauen hatte ich irgendwann die Nase voll und bin mit Sohnemann in einen Buchladen geflüchtet bis der Rest sich geeinigt hatte.

Plan stand, FMil und Männe hatten sich online schon Tickets für Ghibli gekauft, Sohnemann und ich durften wählen.

Die Wahl viel auch nicht sonderlich schwer… Pokemon war grade mit vielen Promo-Aktionen angelaufen, also auf zum Kino und ab in die Warteschlange!

Haha..ha..ha… welche der Warteschlangen?!

Menschenmassen!

Männe grinste nur und drückte mir ein bisschen Geld in die Hand.. für Tickets und etwas essbares. Ich könne mich ja schon alleine um alles kümmern, sie würden schonmal in ihren Saal gehen. Mit einem über die Schulter gerufenen „wir treffen uns nach dem Film hier in der Mitte wieder“ waren sie *schwupps* in der Masse verschwunden.

Sohnemann und ich schauten uns an.

Hilfe?

In Yokohama war ich zwar schonmal im Kino, aber da gab es lustige Automaten auf denen man nur Bilder drücken musste und mit deren Kanjis ich relativ gut zurechtkam – aber hier gab es keine Automaten?! Nein, halt, es gab Automaten…aber nur für Onlinetickets?!

Auf zur Kasse.

Der junge Mann bekam Panik als klar wurde, dass wir die nächsten an seinem Schalter sein würden.

Er: „Ai no ingliiiissss“

Aha. Gut. Hatte ich eh nicht mit gerechnet (und fühlte mich in den Mäcces in Kamakura mit der Kaffeeaktion zurückversetzt..). Ticket kaufen kann ja nicht so schwer sein, liegen ja überall Bilder rum und das Vokabular dazu besitze ich auch. Also erster Versuch.

Ich (auf japanisch): “ Ich hätte gerne zwei Tickets für Pokemon. 1x Erwachsener, 1x Grundschüler.“

Er: „Ai noooooo iiiiingliiiiiiiissssss!!“ …Panik in den Augen, zitternde Hände..

Ich: „Kein Problem, ich spreche ja sowieso schon die ganze Zeit Japanisch mit Ihnen?!“

Er: „Ai! no! inglisss!“

Ich: „Ai noooo inglissssssss tuuuhuuuuuu!“

Oooookay. Ich glaube wir haben ein klitzekleines Verständigungsproblem hier. Hilfe?

Ein netter Mann hinter uns hatte wohl alles beobachtet und sprang uns zur Seite – „Sie spricht Japanisch! Aufwachen!“

Und siehe da, auf einmal war der „No Inglisss“-Man zu einem formvollendeten Roboter mutiert, der in gewohnter Monotonie nun auch uns Gaijinblagen Tickets über den Tresen schob. Woohoo!

Nächstes Problem – Essen.

Die Karte war unübersichtlich groß… Wir reihten uns also in die nächste Endlosschlange ein um unterwegs in Ruhe zu überlegen, was wir denn nehmen.

Pustekuchen. Japanische Effizienz (das Prinzip gilt übrigens nur für Kundenservice.. Arbeitseffizienz anderswo ist ein anderes Thema..) auf Hochtouren. Wir hatten grade noch genug Zeit um uns kurz zu verständigen..

Sohnemann: „Pokemonset!“

Ich: „Wirklich?? ist das nicht zu teu..“

Sohnemann: „Pokemonset!! Mit Salz!“

Verkäufer: „Was möchten Sie bestellen?“

Und schon trotteten wir mit einem Pokemon set davon…. ein riesiger Plastikeimer im Pokemondesign gefüllt mit salzigem Popcorn & eine Sprite.

Das Tablett sah…reichlich komisch aus… ziemlich unhandlich irgendwie. Aber wir wollten ja nicht meckern und trotteten brav zum „Gate“ auf dem die Saalnummern angezeigt wurden.

Das Prinzip an sich finde ich nicht schlecht, denn so behält man auch in einem solchen Riesenkino den Überblick.

Unsere Nummer blinkte auf und ein Teil der Menschenmasse wankte vollbeladen zu den Durchgangsschleusen, wo unsere Tickets gescannt wurden damit wir auch ja im richtigen Film landen.

Sohnemann und ich wurden allerdings aufgehalten.

Ticketdame (auf japanisch): „Ist das Ihr erstes Mal in Japan? Verstehen sie Japanisch? Braucht ihr Sohn irgendwas? Können wir ihnen helfen? Sollen wir Sie zum Kinosaal bringen, damit Sie sich nicht verlaufen?“

Ich: „Ööööhm.. nein, ja, nein, nein, nochmal nein. Wir kommen zurecht, danke.“

Ticketdame: „Oh da bin ich beruhigt. Hier haben Sie ein Promo-set – wir wünschen ihnen ein schönes Filmerlebniss!“

Mit diesen Worten drückte uns eine andere Dame einen Haufen Papierschnipsel in die Hand, einen kleinen Spielchip, eine Papier-Pokemon-mütze..und schubste uns weiter durch die Schleuse.

Wohoooo! Wir hatten es geschafft!!

Der Saal war auch leicht zu finden – nicht nur, dass alles auf dem Weg mit Pokemon ausdekoriert war.. auch die ganzen Eltern mit Kindern in Pokemonkostümen waren nicht zu verfehlen.

Das Licht wurde gedämmt, Sohnemann und ich warteten gespannt auf den Film…. und da begann es.

 

ALLE Menschen im Kinosaal packten wie auf ein unsichtbares Komando ihre Nintendo DS Kollektionen aus! ALLE! Ausnahmslos (..bis auf uns..)! Selbst die Erwachsenen!

Wir schauten ein wenig irritiert… was war grade passiert?! Haben wir irgendwas verpasst? Hätten wir auch einen DS mitbringen sollen? War es gar Pflicht?

Ein kleines Stimmchen neben uns brachte die Erleuchtung: „Papa, Paaaaapaaaaa!! Beeil dich! Ich will das Pokemon vom Chip jetzt sofoooort!“

Aha, der Spielchip… *nochmal rauskram*

„Als Special zu den neuen Pokemon Spielen X & Y schenken wir Ihnen hiermit das Super-Pokemon aus diesem Kinofilm! Andere Specials und downloads finden Sie in allen Pokemon-centern!“

Hmmm.. ok… unser Ds liegt in Deutschland… und wir sind ins Kino gegangen, um den Film zu sehen und nicht um zu daddeln! Und wie soll ich nun Sohnemann erklären, warum er seinen Ds nicht überall mit hinschleppen darf, aber alle anderen schon?

Kurz vor dem eigentlichen Film kam dann die Erlösung: „Bitte schalten Sie jetzt ihre Spielsysteme ab – der Film beginnt!“

Schwupps…waren alle Ds wieder in den Gucchi-Handtäschchen, Anpanmanrucksäcken und Salarymanntaschen verschwunden…

Der Film an sich war ok. Freundschaft, Ausgrenzung, Überwindung.. wenn Japaner sich mal mit solchen Sachen auch mal außerhalb eines Kinofilms beschäftigen würden….

Sohnemann hat es gefallen, die Dialoge waren zum Großteil so einfach, dass er auch folgen konnte und bei allem anderen habe ich dann grob mit übersetzt.

Den Sinn der komischen Tabletts habe ich dann auch wärend des Films verstanden… wenn man die Becherform des Tabletts in den Becherhalter des Sitzes steckt, hat man ein frei rotierbares Tablett! Sowas bräuchten wir in Deutschland auch!! Zumindest würde es Kinobesuche mit mehr als einem Kind deutlich erleichtern…

Nach dem Film blieben alle brav sitzen, bis auch der Abspann komplett durchgelaufen war. Jeder packte seinen Müll zusammen, sammelte verstreutes Popcorn auf und brachte alles brav zur Sammelstelle am Eingang.. Sehr löblich.
Das zog natürlich Sohnemanns Frage nach sich, warum die in Deutschland das nicht auch so machen..

Männe haben wir in der Masse auch irgendwann wiedergefunden.. Kazetachinu scheint ein guter Film gewesen zu sein.Vielleicht schaffe ich es ja auch irgendwann ihn zu sehen.

Der riesige Pokemon Popcorneimer existiert übrigens immernoch. Sohnemann hat ihn nach und nach mit Kleinigkeiten aus Yokohamas Pokemoncenter gefüllt – und im Handgepäck sicher mit nach Hause transportiert.. jetzt steht er neben dem Bett und wird fleißig von seinen Freunden bestaunt.

 


Sommer

Fast schon wieder eine Ewigkeit her..

Das Foto oben wollte ich eigentlich schon aus Japan gepostet haben, aber leider verweigerten die Gerätschaften ihre Dienste. So bekommt ihr es halt erst jetzt zu sehen.

Der Flug war ok, aber das ganze Umgesteige über Paris und Osaka hat mich ein wenig ausgenockt.

Sohnemann hatte – wie schon geschrieben- dieses Mal nur einen Mini-Meltdown in Osaka, der mit ein paar Kuscheleinheiten und Soba behoben werden konnte.

Mit meiner besseren Hälfte gab es dagegen ein wenig Knatsch, da es immer ein schlechtes Licht auf Eltern wirft wenn die Kinder in der Öffentlichkeit Tränchen kullern lassen.
Hab ihn ignoriert, da ich der Meinung bin, dass man das nach einem 18h Fluggewusel durchaus als Kind darf – selbst ich war ja kurz vorm Heulen, von daher hatte mein kleines Monster vollstes Verständniss meinerseits.

Den Rest des ersten Tages verbrachten wir dann am Familiengrab. Es war heiß. Höllisch heiß. Also..mir eigentlich garnicht so sehr, hatte ich mich doch vorher mit Salbeiextrakten und anderen kleinen Ekeldingen vollgepumpt.. eigentlich merkte ich es erst daran, dass Männe plötzlich klitschnass war. Ein kleiner Schock – wie jetzt?! Schwitzen kann der auch?? Seit wann das denn?! Irgendwann gibt es wohl immer ein erstes Mal..

Wärend uns also die sengende Sonne das Gehirn wegbrutzelte und wir fleißig den gesammten Grabstein in Wasser ertränkten, Blümchen austauschten und eine Jahrespackung Räucherstäbchen verbrauchten, erzählten wir Otousama alles, was die Monate vorher so geschehen ist.

Ich brauche immer erst einen Moment um mit diesem Verhalten zurechtzukommen. Ich meine, ich habe ihn im Sarg liegen sehen und seine Knochen in die Urne gelegt – und doch ist er irgendwie noch allgegenwärtig. Er wird behandelt als wäre er noch unter uns. Er bekommt Omiyage und seine Lieblingsgetränke. Ihm werden alle Sorgen erzählt und er wird um Rat gebeten.
Für mich ist das vollkommen fremd, da ich noch keinen der mir so nah stand verlieren musste.

Vielleicht brauche ich deshalb immer erst diesen Moment, in dem ich mich zusammenreißen muss um nicht zu weinen.

Sohnemann geht an die Sache anders heran. Er kann mit dem Wort „Tod“ an sich nichts anfangen und so hat er es vom ersten Mal an einfach akzeptiert, dass man mit dem Verstorbenen redet und sich um ihn kümmert wie um einen Lebenden.

Nach dem Besuch am Grab genossen wir den Sonnenuntergang am Strand  von Chiba. Für Sohnemann war es das erste Mal bewusster Kontakt mit dem Meer – und er hat es genossen! Hinterher durften wir ihn komplett umziehen, aber das glückliche Lächeln war es wert!


Der Zoll und ich (Teil 3) + Reiskocher

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(grrr.. das Foto ist grottig schlecht, hab aber vergessen ein besseres zu machen!)

Das Zollabenteuer ist halb überstanden – und ich hatte mehr als nur ein bisschen Glück!

Am Freitag machte ich mich mit tatkräftiger Unterstützung und Auto auf den Weg zum Zollamt. Düsseldorf Nord stand auf der Karte – sprich, genau am anderen Ende dieser (dort nicht mehrganz so) schönen Stadt.
Das Navi hat uns auch tatsächlich dort hin geführt, etwas versteckt lag also vor uns nun das Zollamt.

Natürlich bin ich erstmal gegen die Tür gerannt auf der dick geschrieben stand „Bitte erst klingeln“. Bin halt ich, und meine Gedanken kreisten auch eher um die Hoffnung, dass die netten Herren bloß nicht in die Pakete schauen würden.

Ich gab also brav meibe drei dicken Briefe mit Unterlagen ab und bekam ein „ja und jetzt brauchen wir die Anmeldebescheinigung!“ als Dank dafür.

Nochmals ausführlich erklärt und das Foto der japanischen Abmeldung vorgezeigt (die natürlich komplett auf Japanisch geschrieben war…).
Der Typ warf einen kritischen Blick aufs Datum.
Mein Blick wanderte hinterher.
Die Augen wurden groß.. stand da doch tatsächlich bei Jahr eine „24“?!
Dämmer, Dämmer, Diiiiiing! Auf den An- und Abmeldungen in japanischen Ämtern gibt man die japanische Zeitrechnung an! In diesem Fall also 24. Jahr der Heisei Ära = 2012

Mit ein wenig knurren setzte sich der gute Herr dann in Bewegung um die Kisten/Pakete heranzuschleppen.

Eine große Plastik-unterbettkommode mit Rollen und 10.000 Lagen Bubblefolie. Hmm.
Eine kleine Kiste mit Firmenaufdruck – der Reiskocher!!!

In diesem Moment fingen die Schweißperlen an zu laufen – bitte bitte bitte schaut bloß nicht in die Kiste!!! Mein Männe war nämlich ein wenig überfordert damit, mir eine Rechnungskopie zukommen zu lassen und das Geld das ich für die „Kaution“ der Sachen zur Verfügung hatte war arg limitiert…..

Eine dritte Kiste, unförmig und schon halb offen wurde herangeschleppt und lenkte mich von den anderen Gedanken ab. Der Mann vom Zoll stellte sich zu uns und blickte zuerst etwas verwirrt in die Kiste, scgließlich bückte er sich und griff hinein um mich einen Atemzug später zu fragen ob er denn mal einen kurzen Blick in die Kiste werfen dürfe.
Klar, natürlich. Immer doch – bedienen Sie sich.
Ein paar plastiktüten kamen zum Vorschein mit Schuhen und Hemden gefüllt.
Tjy, mein liebster Schatz – sobald du hier bist bekommst du ordentlich eins auf die Finger denn fast alle Schuhe waren nicht wirklich geputzt… und meine Güte wie viele Schuhe braucht ein Mann eigentlich?! Ich habe aktuell drei Paar.. aus der Kiste beförderte ich mindestens 7 paar ans Tageslicht und ich weiß, dass er noch einige mitbringen wird im Koffer?!

Egal, der Mensch vom Zoll schien von den dreckigen Schuhen beeindruckt, schob die Tüten zur Seite und stieß auf Aktentaschen.

Dies schien ihn ein wenig zu überfordern, daher ließ er die Sachen auch gleich wieder in die Kiste zurück sinken, vergewisserte sich dass auch alles älter als 3 Monate und schon benutzt ist, gab mir meine Briefe zurück und sagte uns, dass wir die Kisten nun mitnehmen dürften.

Ich stand da ein wemig verdutzt. Wie jetzt? Einfach so mitnehmen?? Keine Kaution oder Deposit oder was auch immer? Nicht die anderen Kisten überprüfen? Keine Unterschrift dass wir die Meldebescheinigung nachreichen müssten?

Nein, bräuchten wir nicht – und somit wurden wir aus dem Büro herauskomplimentiert.

Einfacher hätte es garnicht laufen können!
Denke ich daran zurück, dass ich vor ein paar Jahren jede Menge Stress wegen einiger Computer und Konsolenbauteile aus China hatte….

Aber hey, jetzt sind die Kisten zu Hause, stehen dekorativ in der Gegend herum und ich habe einen Reiskocher!! Einen JAPANISCHEN Reiskocher!

Und damit gleich das nächste Problem… für das Ding braucht man einen Spannungswechsler.. im Elektrofachgeschäft wurde uns ein solcher präsentiert- allerdings für stolze 260€. Jetzt frage ich mich ernsthaft, kaufen sich die ganzen Japaner die in den japanischen Läden hier Reiskocher erstehen alle einen 260€ Travo? Oder gibbet da auch noch was günstigeres?
(Falls sich hier einer damit auskennt – der Reiskocher braucht 1100Watt und läuft, wie fast alle japanischen Geräte, auf 100 Volt..)
Amazon bietet zwar einen Travo für 63€, aber dem Gerät traue ich dann doch nicht so ganz über den Weg weil die Preisdifferenz einfach zu riesig ist?!
Ich hätte Elektrotechnik lernen sollen…..

Das ist er übrigens: DER JAPANISCHE REISKOCHER… ich korrigiere- UNSER japanischer Reiskocher

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