der japanische Mann

Kino in Japan – 風立ちぬ(Kazetachinu) vs. Pokemon

 

Im Sommer kam Studio Ghiblis neuestes Werk in die Kinos. Kazetachinu.

Als ausgewachsener Ghiblifan wollten Männe und ich ihn unbedingt sehen.. aber ein Blick auf den Trailer sagte uns – nichts für Sohnemann.

Nach langem hin und her wie wir es vielleicht doch noch hinbekommen, den Film zusammen zu schauen hatte ich irgendwann die Nase voll und bin mit Sohnemann in einen Buchladen geflüchtet bis der Rest sich geeinigt hatte.

Plan stand, FMil und Männe hatten sich online schon Tickets für Ghibli gekauft, Sohnemann und ich durften wählen.

Die Wahl viel auch nicht sonderlich schwer… Pokemon war grade mit vielen Promo-Aktionen angelaufen, also auf zum Kino und ab in die Warteschlange!

Haha..ha..ha… welche der Warteschlangen?!

Menschenmassen!

Männe grinste nur und drückte mir ein bisschen Geld in die Hand.. für Tickets und etwas essbares. Ich könne mich ja schon alleine um alles kümmern, sie würden schonmal in ihren Saal gehen. Mit einem über die Schulter gerufenen „wir treffen uns nach dem Film hier in der Mitte wieder“ waren sie *schwupps* in der Masse verschwunden.

Sohnemann und ich schauten uns an.

Hilfe?

In Yokohama war ich zwar schonmal im Kino, aber da gab es lustige Automaten auf denen man nur Bilder drücken musste und mit deren Kanjis ich relativ gut zurechtkam – aber hier gab es keine Automaten?! Nein, halt, es gab Automaten…aber nur für Onlinetickets?!

Auf zur Kasse.

Der junge Mann bekam Panik als klar wurde, dass wir die nächsten an seinem Schalter sein würden.

Er: „Ai no ingliiiissss“

Aha. Gut. Hatte ich eh nicht mit gerechnet (und fühlte mich in den Mäcces in Kamakura mit der Kaffeeaktion zurückversetzt..). Ticket kaufen kann ja nicht so schwer sein, liegen ja überall Bilder rum und das Vokabular dazu besitze ich auch. Also erster Versuch.

Ich (auf japanisch): “ Ich hätte gerne zwei Tickets für Pokemon. 1x Erwachsener, 1x Grundschüler.“

Er: „Ai noooooo iiiiingliiiiiiiissssss!!“ …Panik in den Augen, zitternde Hände..

Ich: „Kein Problem, ich spreche ja sowieso schon die ganze Zeit Japanisch mit Ihnen?!“

Er: „Ai! no! inglisss!“

Ich: „Ai noooo inglissssssss tuuuhuuuuuu!“

Oooookay. Ich glaube wir haben ein klitzekleines Verständigungsproblem hier. Hilfe?

Ein netter Mann hinter uns hatte wohl alles beobachtet und sprang uns zur Seite – „Sie spricht Japanisch! Aufwachen!“

Und siehe da, auf einmal war der „No Inglisss“-Man zu einem formvollendeten Roboter mutiert, der in gewohnter Monotonie nun auch uns Gaijinblagen Tickets über den Tresen schob. Woohoo!

Nächstes Problem – Essen.

Die Karte war unübersichtlich groß… Wir reihten uns also in die nächste Endlosschlange ein um unterwegs in Ruhe zu überlegen, was wir denn nehmen.

Pustekuchen. Japanische Effizienz (das Prinzip gilt übrigens nur für Kundenservice.. Arbeitseffizienz anderswo ist ein anderes Thema..) auf Hochtouren. Wir hatten grade noch genug Zeit um uns kurz zu verständigen..

Sohnemann: „Pokemonset!“

Ich: „Wirklich?? ist das nicht zu teu..“

Sohnemann: „Pokemonset!! Mit Salz!“

Verkäufer: „Was möchten Sie bestellen?“

Und schon trotteten wir mit einem Pokemon set davon…. ein riesiger Plastikeimer im Pokemondesign gefüllt mit salzigem Popcorn & eine Sprite.

Das Tablett sah…reichlich komisch aus… ziemlich unhandlich irgendwie. Aber wir wollten ja nicht meckern und trotteten brav zum „Gate“ auf dem die Saalnummern angezeigt wurden.

Das Prinzip an sich finde ich nicht schlecht, denn so behält man auch in einem solchen Riesenkino den Überblick.

Unsere Nummer blinkte auf und ein Teil der Menschenmasse wankte vollbeladen zu den Durchgangsschleusen, wo unsere Tickets gescannt wurden damit wir auch ja im richtigen Film landen.

Sohnemann und ich wurden allerdings aufgehalten.

Ticketdame (auf japanisch): „Ist das Ihr erstes Mal in Japan? Verstehen sie Japanisch? Braucht ihr Sohn irgendwas? Können wir ihnen helfen? Sollen wir Sie zum Kinosaal bringen, damit Sie sich nicht verlaufen?“

Ich: „Ööööhm.. nein, ja, nein, nein, nochmal nein. Wir kommen zurecht, danke.“

Ticketdame: „Oh da bin ich beruhigt. Hier haben Sie ein Promo-set – wir wünschen ihnen ein schönes Filmerlebniss!“

Mit diesen Worten drückte uns eine andere Dame einen Haufen Papierschnipsel in die Hand, einen kleinen Spielchip, eine Papier-Pokemon-mütze..und schubste uns weiter durch die Schleuse.

Wohoooo! Wir hatten es geschafft!!

Der Saal war auch leicht zu finden – nicht nur, dass alles auf dem Weg mit Pokemon ausdekoriert war.. auch die ganzen Eltern mit Kindern in Pokemonkostümen waren nicht zu verfehlen.

Das Licht wurde gedämmt, Sohnemann und ich warteten gespannt auf den Film…. und da begann es.

 

ALLE Menschen im Kinosaal packten wie auf ein unsichtbares Komando ihre Nintendo DS Kollektionen aus! ALLE! Ausnahmslos (..bis auf uns..)! Selbst die Erwachsenen!

Wir schauten ein wenig irritiert… was war grade passiert?! Haben wir irgendwas verpasst? Hätten wir auch einen DS mitbringen sollen? War es gar Pflicht?

Ein kleines Stimmchen neben uns brachte die Erleuchtung: „Papa, Paaaaapaaaaa!! Beeil dich! Ich will das Pokemon vom Chip jetzt sofoooort!“

Aha, der Spielchip… *nochmal rauskram*

„Als Special zu den neuen Pokemon Spielen X & Y schenken wir Ihnen hiermit das Super-Pokemon aus diesem Kinofilm! Andere Specials und downloads finden Sie in allen Pokemon-centern!“

Hmmm.. ok… unser Ds liegt in Deutschland… und wir sind ins Kino gegangen, um den Film zu sehen und nicht um zu daddeln! Und wie soll ich nun Sohnemann erklären, warum er seinen Ds nicht überall mit hinschleppen darf, aber alle anderen schon?

Kurz vor dem eigentlichen Film kam dann die Erlösung: „Bitte schalten Sie jetzt ihre Spielsysteme ab – der Film beginnt!“

Schwupps…waren alle Ds wieder in den Gucchi-Handtäschchen, Anpanmanrucksäcken und Salarymanntaschen verschwunden…

Der Film an sich war ok. Freundschaft, Ausgrenzung, Überwindung.. wenn Japaner sich mal mit solchen Sachen auch mal außerhalb eines Kinofilms beschäftigen würden….

Sohnemann hat es gefallen, die Dialoge waren zum Großteil so einfach, dass er auch folgen konnte und bei allem anderen habe ich dann grob mit übersetzt.

Den Sinn der komischen Tabletts habe ich dann auch wärend des Films verstanden… wenn man die Becherform des Tabletts in den Becherhalter des Sitzes steckt, hat man ein frei rotierbares Tablett! Sowas bräuchten wir in Deutschland auch!! Zumindest würde es Kinobesuche mit mehr als einem Kind deutlich erleichtern…

Nach dem Film blieben alle brav sitzen, bis auch der Abspann komplett durchgelaufen war. Jeder packte seinen Müll zusammen, sammelte verstreutes Popcorn auf und brachte alles brav zur Sammelstelle am Eingang.. Sehr löblich.
Das zog natürlich Sohnemanns Frage nach sich, warum die in Deutschland das nicht auch so machen..

Männe haben wir in der Masse auch irgendwann wiedergefunden.. Kazetachinu scheint ein guter Film gewesen zu sein.Vielleicht schaffe ich es ja auch irgendwann ihn zu sehen.

Der riesige Pokemon Popcorneimer existiert übrigens immernoch. Sohnemann hat ihn nach und nach mit Kleinigkeiten aus Yokohamas Pokemoncenter gefüllt – und im Handgepäck sicher mit nach Hause transportiert.. jetzt steht er neben dem Bett und wird fleißig von seinen Freunden bestaunt.

 

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Sommer

Fast schon wieder eine Ewigkeit her..

Das Foto oben wollte ich eigentlich schon aus Japan gepostet haben, aber leider verweigerten die Gerätschaften ihre Dienste. So bekommt ihr es halt erst jetzt zu sehen.

Der Flug war ok, aber das ganze Umgesteige über Paris und Osaka hat mich ein wenig ausgenockt.

Sohnemann hatte – wie schon geschrieben- dieses Mal nur einen Mini-Meltdown in Osaka, der mit ein paar Kuscheleinheiten und Soba behoben werden konnte.

Mit meiner besseren Hälfte gab es dagegen ein wenig Knatsch, da es immer ein schlechtes Licht auf Eltern wirft wenn die Kinder in der Öffentlichkeit Tränchen kullern lassen.
Hab ihn ignoriert, da ich der Meinung bin, dass man das nach einem 18h Fluggewusel durchaus als Kind darf – selbst ich war ja kurz vorm Heulen, von daher hatte mein kleines Monster vollstes Verständniss meinerseits.

Den Rest des ersten Tages verbrachten wir dann am Familiengrab. Es war heiß. Höllisch heiß. Also..mir eigentlich garnicht so sehr, hatte ich mich doch vorher mit Salbeiextrakten und anderen kleinen Ekeldingen vollgepumpt.. eigentlich merkte ich es erst daran, dass Männe plötzlich klitschnass war. Ein kleiner Schock – wie jetzt?! Schwitzen kann der auch?? Seit wann das denn?! Irgendwann gibt es wohl immer ein erstes Mal..

Wärend uns also die sengende Sonne das Gehirn wegbrutzelte und wir fleißig den gesammten Grabstein in Wasser ertränkten, Blümchen austauschten und eine Jahrespackung Räucherstäbchen verbrauchten, erzählten wir Otousama alles, was die Monate vorher so geschehen ist.

Ich brauche immer erst einen Moment um mit diesem Verhalten zurechtzukommen. Ich meine, ich habe ihn im Sarg liegen sehen und seine Knochen in die Urne gelegt – und doch ist er irgendwie noch allgegenwärtig. Er wird behandelt als wäre er noch unter uns. Er bekommt Omiyage und seine Lieblingsgetränke. Ihm werden alle Sorgen erzählt und er wird um Rat gebeten.
Für mich ist das vollkommen fremd, da ich noch keinen der mir so nah stand verlieren musste.

Vielleicht brauche ich deshalb immer erst diesen Moment, in dem ich mich zusammenreißen muss um nicht zu weinen.

Sohnemann geht an die Sache anders heran. Er kann mit dem Wort „Tod“ an sich nichts anfangen und so hat er es vom ersten Mal an einfach akzeptiert, dass man mit dem Verstorbenen redet und sich um ihn kümmert wie um einen Lebenden.

Nach dem Besuch am Grab genossen wir den Sonnenuntergang am Strand  von Chiba. Für Sohnemann war es das erste Mal bewusster Kontakt mit dem Meer – und er hat es genossen! Hinterher durften wir ihn komplett umziehen, aber das glückliche Lächeln war es wert!


Chaos, Umzug und Romantik mal anders

Mein allerliebstes Netbook hat vor ein paar Tagen nun endgültig seinen letzten Atemzug getan und nun stehe ich ohne Computer, Programme und Fotos da… ärgerlich. Merke- Dateien immer schön extern sichern! Gnarf!

Momentan ist es so chaotisch, dass ich mal wieder zu nichts komme und ich nicht weiß mit welchem Stapel Arbeit ich zuerst anfangen soll, von daher gönne ich mir jetzt mal eine Auszeit, lasse Hokkaido links liegen und leite eine neue Lästerrunde ein.

Nachdem ich ganz ganz viel Spaß mit der Schule meines Sohnes hatte und dieser darin gipfelte, dass ich das Schulamt einschalten musste um denen mal die Grenzen aufzuzeigen, wuchs der Wunsch in eine andere, eine bessere Ecke von Düsseldorf umzuziehen immer mehr.

Also machte ich mich an die Wohnungssuche. Eine perfekte Wohnung war schnell gefunden, die Maklerin super nett, die Probleme mit Papierkrams schnell aus der Welt geräumt und kurz vor Vertragsunterzeichnung ließ uns der Besitzer dann mitteilen, dass wir die Wohnung dann doch nicht bekommen weil wir „nicht verheiratet sind“ und ja die Möglichkeit bestünde, dass Männe wieder nach Japan zurückgeht. Aaaaaahja…genau.

Egal, da draußen wartet irgendwo die perfekte Wohnung auf uns – und wir werden sie definitiv vor September finden! Jawoll!

Nebenbei sind grade Klausurwochen in der Uni und mein Kopf funktioniert nach dem Siebprinzip. Wissen rein – wissen raus. Macht sich vor allem bei Kostümhistorischen und Berechnungsklausuren mit jeder menge Formeln ganz toll…..

Also wollten wir uns spontan ein Wochenende gönnen um von dem ganzen Stress mal wegzukommen und einfach mal wieder Zeit für uns zu haben. Die Kiddies haben wir mit der Oma in die Ferien geschickt, also wirklich nur wir zwei.

Der (etwas sehr chaotische) Umzug einer Freundin nach Aachen kam uns daher sehr gelegen. Ein Mietauto war schnell gefunden und die Überraschung beim Abholen des selbigen war groß, da wir ein kleines Autöfftöff für 4-5 Personen erwartet hatten… und uns nun einem ausgewachsenen VW Multivan für 7 Personen gegenüber sahen.

Bis Bf mit dem Ding einigermaßen sicher fahren konnte, hatte ich schon um die 6 Herzattacken.

Für den Umzug war das Ding aber genau richtig. Es passte alles an Möbeln rein plus der beteiligten Menschen, die sonst mit dem Zug hätten kommen müssen.

Auf nach Aachen! Da waren wir vor garnicht mal soooo langer Zeit schon (habe ich darüber hier überhaupt schon gebloggt?!?) und kannten uns dementsprechend ein wenig aus. Der Umzug war schnell erledigt und die Idee wuchs, dass wir doch eigentlich den Segen des Multivans nutzen könnten um darin zu übernachten. Schließlich lässt sich das Ding im hinteren Bereich zu einem schicken Doppelbett umfunktionieren….wenn man weiß wie es geht.

Wir organisierten also noch schnell so Lebenswichtige Sachen wie neue Unterwäsche, Socken, Zahnbürsten/Zahnpasta und co, und ich stellte mich auf einen romantischen Abend in der „Wildniss“ ein. Haha…ha….

Träume zerplatzen ja bekanntlich besonders schnell – und noch schneller, wenn man einen japanischen Mann an seiner Seite hat.

Das romantische Essen beim Italiener war dementsprechend mit schlechter Laune seinerseits belegt, da es für Pasta schon zu spät war und nur noch Pizza, Lasagne und Salat zu bekommen war. Nix mit Spaghetti Carbonara oder Bolognese! Ich bestellte mir also die Lasagne (nach einer 15 minütigen Diskussion wie besch… er doch Lasagne findet und dass japanische Lasagne die einzig Wahre ist etc.) und fragte ihn nach seiner Wunschpizza. Margharita. So ziemlich die einzige Pizzasorte, die ich nicht wirklich gerne esse.

Der Kellner brachte neuen Schwung in unsere Stimmungsschwankungen indem er IHM die Lasagne vor die Nase setzte und ich die Pizza bekam! Anstatt mir dann die Lasagne rüberzureichen, fing der Herr einfach an zu futtern und hörte nicht mehr auf. Als ich ihn schließlich dazu überreden konnte, doch mal seine Pizza zu probieren stellte er fest, dass die Lasagne doch wesentlich besser schmeckt und überließ mir die Pizza. Super. Ich quälte sie mir also rein und versuchte mich daran zu freuen, dass wir unsere „schmeckt nicht total scheiße“ Liste um ein Gericht erweitern konnten, aber beim Bezahlen ging der Zirkus weiter. Ich wollte mich dementsprechend nurnoch irgendwo verkriechen und schlafen.

Das Problem – wo kann man denn schlafen? Einfach so irgendwo parken wäre Wildcamping und daher nicht erlaubt. Wir einigten uns auf einen Autohof, parkten in der dunkelsten Ecke die wir finden konnten und dann fing das Drama erst richtig an…

Um aus den Sitzen des Multivans ein Bett zu basteln, muss man bestimmte Knöpfe und Hebel in einer bestimmten Reihenfolge drücken/ziehen und im richtigen Moment gegen die Sitze pressen. Ich studierte also die Anleitung um jeden Schritt auch wirklich richtig ausführen zu können, aber es wollte alles nicht so, wie ich das wollte. Nachdem mir Männe zum x-ten Mal auf meine Anweisung „jetzt bitte nach vorne drücken“ entgegnete „wohin drücken? Zu mir oder zu dir?“ riss mir der Geduldsfaden und ich wurde pampig, was darin resultierte, dass er sich sein Zahnputzzeugs schnappte und in die Dunkelheit verschwand.

Aus lauter Frust bearbeitete ich die Sitze dann so lange, bis das erwünschte Ergebnis tatsächlich dabei herauskam und richtete schonmal das Bett her.

Nächstes Problem – wir hatten nur eine Isomatte. Ich dachte mir also, dass ich mal ein nettes Frauchen sein sollte und legte die Matte auf seine Seite ( in der Hoffnung und Erwartung, dass er meine Entschuldigung für das Anpampen erkennen- und mich mit auf die Matte bitten würde…). Falsch gedenkt.. Er kam, legte sich auf die Matte, rollte sich in seinen Schlafsack ein und schlief ohne ein weiteres Wort.

Tja… ich saß erstmal noch eine Weile wach und konnte mit dem Kopfschütteln nicht mehr aufhören.

Eigentlich hatte ich beschlossen, ihn am nächsten Morgen einfach zu ignorieren, aber da ich um kurz vor 5 schon mit heftigen allergischen Reaktionen aufwachte, war ich einfach zu fertig um noch weiterzustreiten. Ich schnieffte also so leise wie möglich vor mich hin bis er gegen 9:30 Uhr auch endlich mal das Bedürfniss empfand, die Augen zu öffnen. Schlecht gelaunt.

Ein kurzzeitiges Aufflammen von besserer Laune wog mich leider in falscher Sicherheit… und auf dem Weg in die Eifel fing es dann wieder an zu brodeln.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich es hasse ignoriert zu werden?? Besonders in einem Streit? Und ganz besonders wenn ich versuche den ersten Schritt zu machen um den Streit wieder beizulegen?

Irgendwann habe ich mir den Wagenschlüssel geschnappt und mich auf der Rückbank verkrochen wärend er noch weiter ins (eigentlich schöne) Grün der Eifel starrte. Irgendwann hat wohl auch er den Wink mit dem gottverdammten Zaun verstanden und kam ins Auto. Aber statt mit mir zu reden, ging das Schweigen und ignorieren in eine neue Runde.

….bis ich explodierte.

Oh tat das gut, endlich mal alles rauszulassen und ihm an den Kopf zu werfen was mich nervt! Natürlich hatte er auch einiges, aber das musste ich schlucken und besser er sagt es mir, als dass er es immer mit sich rumträgt und schlechte Laune hat.

Das Ende vom Lied – wir lagen uns heulend in den Armen und ich habe ganz viele „es tut mir Leid“ von ihm bekommen. Anschließend war er der perfekte Gentleman für den Rest der Reise. Kein Gemecker mehr, ganz viel Händchenhalten und gute Laune. War fast schon unheimlich, aber tat auch verdammt gut.

Wunder oh Wunder hat dieser Zustand auch bis jetzt noch angehalten!

Ich glaube mittlerweile, dass er – genau wie ich- regelmäßig einfach mal ein Ventil braucht um Frust und Stress rauszulassen. Streiten ist dafür zwar nicht der beste Weg, aber ziemlich effektiv…

So, ich muss jetzt zurück in meine kleine Glitzerwelt mit pinken Einhörnern und so! Auf dass wir ganz schnell eine tolle Wohnung finden und mit dem Packen anfangen können (möglichst noch bevor es nach Japan zurück geht…)!

Tschakka!


Hokkaido – Teil 2

Biei.

Nachdem ich die Nase voll hatte von dem ganzen Lavendel/Blumenfeldern (nach dem 5. hat es mir gereicht…), musste BF unbedingt noch 3 Felder mehr sehen. Gottseidank hat mich der Regen gerettet und wärend er im Nassen auf Fotomotivsuche gegangen ist, hab ich mich in den kleinen Souveniershops umgesehen. Eigentlich eher Bauernläden mit frischem Obst und Gemüse – und halt ein bissel Kitschkrams in der Ecke. Anders als auf Farm Tomita (der riesen Lavendel/Melonen/Blumenfarm vom Vortag) war es hier richtig ländlich und gemütlich.

Ein paar Süßkartoffelchips später und nach angemessener Bewunderung der von zwei Lausbuben angeschleppten „Kabutomushi“ ging die Fahrt weiter.

Biei als Stadt ist…. nicht so toll. Milde ausgedrückt.

Es gibt glaube ich ganze 3 Restaurants, einen winzigen Bahnhof und einen kleinen Park – aber die Landschaft um Biei herum ist wirklich schön.

Hat mich ein bisschen an Meklenburg Vorpommern erinnert.. Felder….Felder….Bäume…Felder… Alleen… Felder…

Also alles in allem auch eine Szenerie, die einem Deutschen nicht ganz fremd sein mag. Überrascht fand ich ein kleines Holzhäuschen „im deutschen Stil“ und wir beschlossen, dort auf jeden Fall vor unserer Abreise mal einzukehren!

Vorher mussten wir nur noch die Attraktionen der Umgebung abklappern.

 

Bäume.

Nein, nicht irgendwelche Bäume! Wo denkt ihr hin?!

Wir mussten DIE Bäume besuchen!  Namentlich Ken&Mary.

Weil diese zwei hübschen Bäumchen so nah beieinander stehen – und (vor allem) weil sie irgendwann mal in irgendeiner Kitschsoap im Japanischen Fernsehen aufgetaucht sind, sind sie jetzt der Pilgerplatz schlechthin.

Dicht gefolgt von den „family trees“.. aber dazu später mehr.

Wir mussten also unbedingt ein Foto mit diesen beiden Bäumen haben. Koste es was es wolle! Nur – unsere Zeit war begrenzt… und außer uns hatten noch ca. 100 andere Leute die gleiche Idee.

Ich musste dem wirklich intensiven Drang widerstehen, laut zu lachen wenn sich die Leutchen in die verrücktesten Posen warfen um auf dem Foto besonders gut auszusehen – eigentlich hätte ich es gerne auf Video aufgenommen.. aber Bf hat mir im letzten Moment auf die Finger gehauen „das macht man nicht!“ und so musste ich brav weiter warten.

Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir zwei dann dran. Aber nix mit Foto zu zweit, nein. 1x Foto von mir+Baum, 1x Foto von ihm + Baum und einmal Baum ohne alles. Supi.

Die Leute, die hinter uns anstanden, schauten etwas verwundert ob der Kürze unseres Shootings, aber das sah Bf schon nicht mehr, da er mit leisem Fluchen zum Wagen rannte.

Regenwolken. Aus dem Nichts!

Keine 3 Sekunden (nachdem ich ins Auto gesprungen war) fing es an zu schütten wie bei einer Sinflut.

Wir fuhren im Schneckentempo zum nächsten Baum und bemitleideten eine chinesische Familie, die sich wohl am Morgen in ihrem Hotel Fahrräder geliehen hatten und nun mit diesen wenig nützlichen Plastiktüchlein von Regenmänteln ziemlich angenervt die Straße entlangstrampelten. Wir trafen sie später an einem merkwürdigen Pyramidenkonstrukt wieder, wo sie versuchten ihre Kleidung ein bisschen zu trocknen.

Tja… und dann waren da noch die „family trees“.

6 Bäumchen in unterschiedlichen Größen, die als Baumgruppe recht nah aneinander stehen.

„Schau mal Schatz, das ist der Papa-Baum und das da der Mama-Baum….“

„Ja. Bäume. Können wir gehen? Ich hab hunger.“

„Aber schau doch mal wie niedlich der Tochter-Baum ist! Und der Baby-Baum erst *schwärm*“

„Nein. Hunger.“

Daraufhin setzte ich mich ins Auto und wartete, bis sein verzücktes „Ooooooh“ und „kawaiiiiiii“ etc. nachließ.

Auf zum Land cafe!

Echter deutscher Kuchen! So wie bei Ommi früher! Ich hätte am Liebsten noch 2-3Stücke mehr verputzt!! Männe hatte sich eine Wurstplatte bestellt und knabberte begeistert „echte deutsche Würstchen“! Nur der Senf und das Sauerkraut ließ er liegen. Ist nicht so seins  – und ich hab mich gefreut. Sauerkraut! In Japan! Waaaaaah!

Nach dem Essen kam die Besitzerin zu uns an den Tisch und fragte, woher ich komme und wie es mich nach Biei verschlagen hat. Eine sehr nette Frau – und als ich von Hannover erzählte, strahlte sie plötzlich bis über beide Ohren und meinte, dass ihr Mann aus Gütersloh komme und ob wir nicht noch einen Moment Zeit hätten, dann würde sie ihn rufen.

Natürlich hatten wir noch Zeit – und so traf ich Stefan Koester-Hirose.

Wir ließen Bf einfach links liegen, verzogen uns in ein kleines Gewächshaus und quatschten was das Zeug hält über Deutschland, Japan und das Leben dazwischen.

Ich bewundere ihn. Er hat sich ein Leben geschaffen, wie er und seine Frau es sich vorgestellt haben. Ein Leben, das vielleicht nicht immer einfach ist, aber das sie genießen können.

*Wer mehr über ihn, seine Farm und das Cafe lesen möchte -> hier ist ihre Website  *

So, genug für heute.. Fortsetzung folgt ~


Hokkaido – Teil 1

So, nach all dem zuckersüßen Rahrah mag ich endlich mal wieder etwas über Japan schreiben! Jawoll!

Flickr hat mich auch wieder lieb (und hat mir 1 TB Speicherplatz geschenkt…) – somit lade ich schon seit Tagen fleißig Fotos ins Netz und „schwelge in Erinnerungen“.

Hokkaido.

Denke ich an Hokkaido, denke ich automatisch an „Kita no kuni kara“ – eine sehr populäre Fernsehserie über einen alleinerziehenden Vater, der mit seinen zwei Blagen in die Pampa von Hokkaido (aka Furano) zieht und dort so allerlei erlebt/erleben muss.Die Serie ist sehenswert und lustig – manchmal auch ein bisschen dämlich- aber ein MUSS für Hokkaidofans und solche, die es werden wollen.

Bf ist riesen Fan der Serie. Mittlerweile kann ich einige Folgen schon mitsprechen…..

Anyway – auf nach Hokkaido!

Sapporo ist riesig, nicht grade hübsch und war für mich wenig interessant. Von daher haben wir uns dort nur schnell einen fahrbaren Untersatz geholt und sind dann wieder bei Bfs Bruder eingekehrt, der mit seiner Familie am Stadtrand wohnt.

Schönes Haus mit Garten übrigens.. da durfte man sogar grillen!! Mag auch so ein Haus…….

Am nächsten Morgen fuhren wir alle zusammen nach Otaru -einer kleinen Stadt mit reichlich Charme..und „Orgeln“-wir würden dazu eher Spieluhren sagen, aber….Japaner….!. (Bf hat übrigens nicht eingesehen, dass der Satz „Lass uns Orgeln gehen“ zwar grammatikalisch vollkommen korrekt ist- er ihn aber trotzdem lieber nicht seinem Bruder und den Kids beibringen sollte……)

*füge eine kitschige Episode über noch kitschigere Spieluhr ein, die Bf für mich gekauft hat….- „hey hey, sie leuchtet!“ …*

Am berühmtesten sind die Warenhäuser entlang des kleinen Flusses.

Abends fuhren wir dann noch in einen Park mit „special water“- einem beleuchteten Springbrunnen mit Wassershow wie sich herausstellte.

Unser nächster Stopp war Furano.
Natürlich, weil dort „Kita no kuni kara“ spielt. Und weil es dort die größten Lavendelfarmen von Japan gibt. Hmmhmm.

Tatsächlich war der Lavendel bei unserer Ankunft schon reichlich verblüht/vertrocknet und die Farmer fluchten leise dank des Wetters vor sich hin. Zu heiß, zu wenig Wasser usw.

Schön aussehen tat es trotzdem. Und von einem Hügelchen herunter schallte sogar in Dauerschleife die Erkennungsmelodie der Serie!

Eins muss man den Furano-Bauern lassen, sie können gut mit Farben umgehen. Die Endlosfelder sehen einfach nur toll aus und die Themenwelten ebenfalls. Leider hat meine Kamera beim „pink park“ versagt. Hätte aber vermutlich zumindest den männlichen Lesern hier eh Augenkrebs verpasst – von daher seid meiner Kamera dankbar! Mwhaha!

 

Außer Lavendel und Blumenbeeten gibt es rund um Furano auch noch jede Menge Melonenfarmen. Die Dinger scheinen da gut zu wachsen und wenn man sie erstmal probiert hat, weiß man warum die gut 40€ für die günstigeren nehmen. Süß. Fruchtig. Ein Traum!

Ich knabberte mich also durch gekühlte Melonenscheiben (für 5€/Scheibchen…), frisches Melonensoftice, frisches Melonpan mit Melonensirup und Shokupan mit frischer Melonenmarmelade!

Achso, und Lavendeleis habe ich auch noch probiert – war aber nicht so meins. Mag dran liegen, dass wir früher immer Mottenkugeln mit Lavendelduft hatten..

Am Abend fuhren wir nach Biei weiter um dort in einem kleinen schnuckeligen Häuschen zu übernachten. (Bf hatte einen „private room“ gebucht – bekommen haben wir eine 3 Zimmerwohnung mit eigenem Onsen und voll ausgestatteter Küche plus mega Fernseher und jeder Menge Holywoodfilmchen! Wohoooo!)

Zum Abendbrot kehrten wir in ein kleines Restaurant ein und futterten uns mit Karee-Udon voll. Most. delicious.ever!


über intelligente Ninjas, ‚die Deutschen‘ und mehr..

 

Gestern war ein Tag, wie er schöner nicht hätte sein können.

Kino. Mit 4 Kindern und einem japanischen Mann. Stimmung: Bombe.

Männe ist während des Films immer wieder eingeschlafen („vestehe ja eh nichts – aber die Sitze sind bequem“), Töchterchen hatte Angst, Sohnemann und der Rest fanden den Film super.

Nach dem Kino kamen wir irgendwie vom Thema Monster auf das Thema Ninjas – ich glaube weil Sohnemann einfach ein wenig zu viel rumgesprungen ist und ‚hayaaaaa‘ während Schlagbewegungen geschriehen hat.
So sah ich mich also in der Verpflichtung ihm näherzubringen, dass Ninja keineswegs irgendwo brüllend durch die Gegend springen und er somit kein Ninja wäre. Aus sicherer Entfernung ließ sich daraufhin das kleine zarte Stimmchen von Töchterchen vernehmen: „Ja, und außerdem sind Ninjas intelligent………….!“

… apply water to burn….

Es war auf jeden Fall schlagartig Ruhe. Jetzt habe ich ein Kind, dass gerade versucht seine Schleich- und Versteckkünste zu perfektionieren..

*Passt ja, da wir im Sommer in einen kleinen Ninja- Freizeitpark fahren werden! Wohooo – unsere Flüge sind nämlich seit ein paar Tagen gebucht~*

Während des gleichen Spaziergangs schüttete BF mir ebenfalls sein Herz aus – er hatte vor kurzem an einer Schulung seinder Firma teilgenommen. Nur für Japaner. Thema: Wie lebe und arbeite ich in Deutschland.

An und für sich ja eine sehr löbliche Herangehensweise, allerdings blieb mir bei Bfs Bericht irgendwann der Atem weg.

Wir Deutschen arbeiten nicht bis spät in die Nacht, weil wir gelernt haben „Nein“ zu sagen.

Aha.

Laut Schulung hat Deutschland nach dem 2. Weltkrieg mühsam das „Nein sagen“ wiedererlernen müssen um sich vor neuen Machtansprüchen schützen zu können und das Volk wieder zu einen.

Aha.

Deshalb können wir jetzt unserem Chef sagen, dass wirdefinitiv NICHT bis 23:00 im Büro sitzen werden und wir DEFINITIV unsere 30 Tage Urlaub am Stück nehmen werden. Und wenn es mal eine Aufgabe aus einem anderen Bereich gibt, die wir machen sollen – vergesst es! Ist nicht unser Bereich, machen wir nicht.

So zumindest die Japanische Sicht.

Klar, irgendwie müssen sie es sich ja schönreden, dass ihre deutschen Kollegen definitiv früher Feierabend machen und „andauernd im Urlaub sind“. Deutsche Arbeitszeitgesetze…pfffft… wer braucht sowas schon! Gibt deshalb für die Japaner auch keine elektronischen Chipkarten für die Arbeitszeiterfassung…….

Tja, Männe wurde aber vom deutschen Teil der Firma angestellt – und hat dementsprechend so ein elektronisches Kärtchen.. bin mal gespannt ob da noch was kommt..

Ansonsten scheint es noch allgemeine Infos zu „den Deutschen“ gegeben zu haben. Natürlich trinken wir z.B. alle am Liebsten Bier. Wer würde denn auch was anderes trinken wollen, nachdem man sich am japanischen Waschwasser den Magen verdorben hat..

Also nichts sonderlich spannendes, was ein normal denkender Mensch nicht auch ohne Schulung bereits begriffen hätte.

Männe hat sich ja relativ schnell in seiner Abteilung als „Gaijin lover“ geoutet und wird seitdem von seinen Kollegen quasi bei jeder Gelegenheit mit Fragen überrannt.Wo findet man eine Gaijin-freundin? Wie aktiv sind wir so *nudge nudge*? Und die wichtigste Frage: Was darf man auf keinen Fall machen, wenn man eine Gaijinfreundin hat?!?! Seine Antwort: Auf keinen Fall, niiiiemals nimmer nie (!!!) darf man einen wichtigen Tag wie Geburtstag oder Weihnachten vergessen! Und man muss immer ein Geschenk haben! Sonst hat man keinen Kopf mehr…(Ich denke, er ließ da seine persöhnliche Erfahrung mit reinspielen die er aufgrund meiner überaus erfreuten Reaktion, als er meinen Gerburtstag vergessen hatte, sammeln konnte..)
Wo er Recht hat…

In other news:

Töchterchen hat ihre erste Taikostunde gut hinter sich gebracht, aber wir überlegen noch ob wir sie wirklich fest in der Gruppe anmelden wollen. Kostes verhältnissmäßig viel Geld.. und sie kann nur jede 2. Stunde hin.
Sohnemann hatte zu viel Schiss weil die Trommeln zu laut waren – dafür ist er dann mit mir über den Japanischen Flohmarkt im Eko Kindergarten gerauscht. Besser gesagt – wir haben uns gequetscht. So. viele. Menschen! Nun hat unsere japanische Kinderbuchsammlung an Umfang gewonnen und das Hiragana lesen lernen kann munter weitergehen!

 


Hier hast du eine Visitenkarte…nicht.

Manchmal könnte ich meine bessere Hälfte einfach nur knutschen!

Meine Ma war am letzten Wochenende zu Besuch und natürlich musste Bf sich dementsprechend präsentieren. Nämlich irgendwie garnicht. Heimweh nach Japan hin oder her, er wurde in den japanischen Tempel von Düsseldorf geschleift (gefiel ihm auch garnichtmal sooo schlecht) und musste einen Tag im Duisburger Zoo ertragen (dazu später mehr). Klar, dass man vor lauter Anstrengung dann nicht mehr ganz so klar im Köpfchen ist und folgende Sätze beim Abendessen von sich gibt. Auf Deutsch.

„Hier, das ist meine neue …wie sagt man… (wir:Visitenkarte) ooooh, ja, genau, Visitenkarte. Und da steht mein Name. Das ist auf Japanisch. Und da steht meine Telefonnummer…………. (langes schweigen)………. aber bitte niiiiiiiiiie anrufen!!!!“

Meine Ma und ich schauen uns an, die Wörter in unseren Köpfen sortierend, und brechen dann in schallendes Gelächter aus, was wiederrum Bf ziemlich verstörend findet und ihn dazu nötigt, eine weitere Erklärung abzugeben.

„Das ist Arbeitshandy. Nur für Arbeit. Da nieeee anrufen!“

Jetzt hat meine Mutter also eine wunderhübsche Visitenkarte mit einem japanischen Namen drauf und Telefonnummern, die sie niiiiiiiiiiemals anrufen darf. Sowas aber auch. Zumindest eignet sie sich zum angeben ala ’schau mal, das ist mein zukünftiger Schwiegersohn und der ist so wichtig, dass man diese Nummer unter keinen Umständen niemals nie anrufen darf!‘

Klingt doch super, oder?


von meinem Salaryman und dem großen Glück

Ihr habt ja sowas von Recht, dass ich mehr über seine guten Seiten schreiben sollte – aber meißtens schließe ich in den Momenten einfach die Augen und genieße es.

Leid teilt man öfter als Freude, weil Menschen egoistisch sind und einfach die ganzen schönen Dinge für sich behalten wollen.

Punkt.

Also versuche ich mal, das in Worte zu fassen und zu teilen, weshalb ich glücklich und zufrieden bin und über kleine, mittlere und größere Salaryman-spinnereien hinwegschauen kann..

 

Er ist wahnsinnig gebildet und unsere Interessengebiete überschneiden sich stark. Somit haben wir immer etwas, worüber wir uns austauschen können. Sei es Politik, Physik, Astronomie, Religion, Musik, Literatur oder was auch immer, es passt einfach.

Er hält mich fest, wenn ich es am meißten brauche.
..und ja, in den letzten 2 Jahren ist in meinem Leben so viel Mist passiert, dass ich das häufig gebraucht habe. Bevor er zu uns gezogen ist, hat er mich durch emails oder über Skype  „in den Arm genommen“ und aufgemuntert. Jetzt kann er es persönlich tun. Das tut er. Und er macht das gut.

Er tritt mich auch mal, wenn ich mich mit meinen wirren Ideen mal wieder irgendwo in den Wolken befinde und hält mich auf dem Boden. Oder wenn ich mal wieder nichts gebacken bekomme gibt er mir den Anstubs um mich zu sortieren und neu anzufangen.

Er öffnet mir neue Perspektiven, die ich vorher übersehen habe oder einfach ignoriert habe.

Er gibt mir Freiheit. Wenn er merkt, dass ich ein bisschen mehr Luft zum Atmen brauche, lässt er mir Zeit und drängt mich nicht. Er nimmt die Kinder und lässt mir auch mal die Möglichkeit alleine zu sein.
Wenn ich wieder so weit bin, ist er für mich da.

Er gibt mir Kraft, durch meine Probleme durchzukommen, durchzuhalten und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Er gibt mir das Gefühl, wichtig und besonders zu sein.

Er liebt die Kinder und mich auf eine unglaublich sensible und intensive Art und kümmert sich um sie als wären sie seine Kinder.

Er ist immer in Berührung mit mir. Selbst im Schlaf hält er mich fest und deckt mich wieder zu, wenn ich schlecht schlafe.

Er strengt sich an, die „no touch in public“ Regel abzuschwächen und mir auch nah zu sein, wenn andere Leute um uns herum wuseln – was ihm sehr schwer fällt.

Er bringt mich zum Lachen, zum nachdenken und zum weinen.

Sind wir nicht zusammen, vermissen wir uns.

Wenn wir uns streiten, können wir uns auch wieder versönen und aussprechen.
Er teilt die Welt mit mir- und wenn er könnte, würde er sie mir zu Füßen legen.

Wenn er meine Hand hält, ist die Welt wieder in Ordnung.

Es ist nicht mehr das anfängliche rosarote verliebt sein.
Er kennt alle meine Macken, meine Eigenschaften, meine Unarten – und er akzeptiert sie.

Wir helfen uns gegenseitig, uns immer weiter zu entwickeln, ohne dem anderen großartig auf die Füße zu treten. Ich wette, er könnte genauso wie ich einen ganzen Blog mit Dingen über mich füllen, die ihn aufregen oder wo wir beide aneinander geraten.

Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich glücklich bin. Trotz der kleinen Dinge. Aber selbst über die bin ich glücklich, denn sie lassen das Leben nicht langweilig werden – und worüber sollte ich denn sonst bloggen, hmm?


gute Hausfrauen und Kirschblütendrama

 

Meh.. es gibt viel zu viel nachzubloggen! Fangen wir es an!

Gute Hausfrauen.

Gute Hausfrauen sind – haltet euch fest- ZU HAUSE, kümmern sich um Wohnung, Kinder und Essen. Manchmal treffen sie sich mit anderen guten Hausfrauen um Rezepte auszutauschen oder Kurse zu belegen, wie man eine noch bessere Hausfrau wird! Man bereitet dem Mann abends, wenn er müde und erschöpft von der Arbeit kommt, ein heißes Bad, während man – mit Kochschürzchen- fröhlich das Abendessen für ihn brutzelt. Ist schließlich schon spät und man hat ja erst 4x an dem Tag gekocht (Frühstück, Bento, Mittagessen, Abendessen für die Kids).
Alternativ ist auch gestattet, vom Abendessen ein bisschen mehr zuzubereiten und es Microwellentauglich plus pinkem Klebezettelchen mit Anleitung und Herzchen und so im Kühlschrank zu platzieren. Yosh.

So, und jetzt spulen wir mal in die Realität!

Ich bin Studentin. Vollzeit. Stehe morgens um 5:00 auf um Brotdosen vorzubereiten, wecke die Bande um 6:00, mache Frühstück, bringe die Kids in Schule/Kindergarten, hechte zu meiner Uni. Flitze von der Uni an 4 Tagen in der Woche kurz nach Hause um ein bisschen aufräumen zu können, sammle dann direkt die Kiddies in Schule und Kindergarten ein, verbringe ein bisschen Zeit mit ihnen auf dem Spielplatz (optional) und schmeiße mich dann an den Herd um mit letzter Kraft was Essbares auf den Tisch zu bekommen. Kinder unter die Dusche und dann ins Bett, danach folgen meine Hausaufgaben (im Idealfall) oder auch einfach nur der Gang ins Bettchen.

Wenn da nicht meine bessere Hälfte wäre…

Obento für die Quengelbacke – ignoriert das Hello Kitty Ding einfach – hatte nichts anderes für Furikake…

Ein bisschen Zuwendung und Kopftätscheln und „hast du gut gemacht“ brauche ich auch, braucht wohl jeder, keine Frage. Was ich aber nicht brauche, ist eine Liste von Dingen die eine japanische Hausfrau (aka. gute Hausfrau) noch alles gemacht hätte – und vor allem BESSER gemacht hätte als ich.

BILs Frau hat z.B. einen Housekeeping Kurs belegt, in dem man einen „Führerschein fürs Aufräumen“ bekommt. Yay. Und Kochkurse. Damit sie ihren Geschmack dem von BIL anpassen kann.

Als ich ihr von unseren (Essens-)Komplikationen geschrieben habe, kam ein verständnisvolles „haaaach… bei uns ist es ganz genauso…. wir kommen halt aus zwei unterschiedlichen Familien *seufz*“.

Aha. Zwei unterschiedliche Familien. Zwei unterschiedliche Misosuppen. KRIIIIIEG! Und… die Frau verliert, denn der Mann hat die höhere Stellung.

Ich ergebe mich also meinem Schicksal, studiere japanische Kochbücher, probiere mich an Fischen (Saba, Sanma, Buri und co), deren deutsche Namen ich noch immer nicht kenne, weil in meiner Familie eigentlich nie Fisch gegessen wurde und hoffe auf ein „hast du gut gemacht“ von allen. Wobei- die Kinder sind Allesesser und wunderbar unkompliziert in solchen Sachen.. kann nicht einfach jeder so sein?!

Wie gestern schon kurz erwähnt, klappt das auch einigermaßen. An den meißten Tagen bekomme ich den Kopf getätschelt. Nur manchmal….. möchte ich ihn noch ein klein bisschen erwürgen!

Mini Bento für die Kinder

Auch das Drama um „in Deutschland ist alles doof“ lässt langsam nach. Auch Düsseldorf hat ein paar schöne Ecken.
Rothenburg o.d. Tauber gehört  (Wunder oh Wunder) auch zu Deutschland (und ist schön..) und ein paar andere Städte sind auch ganz akzeptabel.

Die Rheinwiesen haben es ihm angetan und so gibt es nun öfter mal Picknick mit Blick aufs Wasser.

Was allerdings noch immer nicht so wirklich klappt, ist die Akzeptanz der sich hier befindlichen japanischen Dinge wie z.B.Kirschblüten oder wahlweise auch Momiji. Es ist egal, dass die Dinger mühe-und liebevoll aus Japan von japanischen Gartenarchitekten importiert, gepflanzt und umsorgt werden. Weil die Bäumchen hier in Deutschland stehen, sind sie ANDERS! Und da sie anders sind, sind es keine Sakura. Und weil es keine Sakura sind, ist das auch kein richtiges Hanami. Und weil es kein richtiges Hanami gibt, ist Japan viel besser und schöner.

Gut, hier gibt es nicht die Masse an Kirschblüten und Momiji, aber selbst er kann im Nahvergleich per Foto keine Unterschiede ausmachen. Habe es neulich getestet mit Aufnahmen aus Ueno-kouen vs. Japanischem Garten Düsseldorf. Identisch. Vollkommen. Gnarf!

Aber ist ja auch egal. Kirschblütenzeit ist schon längst wieder vorbei – bis zum nächsten Jahr habe ich also Ruhe. Und Momiji werden weiträumig umlaufen. Punkt.

 

am Rhein..

 


Stressmanagement und schönes Wetter

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Zurück aus der Versenkung – schon wieder. Ich scheine in den letzten 2 Jahern auffällig häufig darin zu versinken *gnarf*

Der Stress hat mich fast aufgefressen und selbst die entspannendsten Dinge wie ein heißes Bad oder ein gutes Buch waren einfach anstrengend und auslaugend für mich!

Immerhin habe ich das Problem erkannt und arbeite daran. Gutara-time ist das Zauberwort! (Gutara=Faulenzen)… komischerweise gehört Abwaschen jetzt zu den Zeiten, in denen ich mich am Besten bei entspannen kann…und meinen Balkon zuzupflastern mit Blumen und Gemüse und allem, was mir so in die Quere kommt.

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Mittlerweile findet sich in meinem Bücherschrank trotz zahlreicher Neuanschaffungen kein einziges ungelesenes Buch mehr und siehe da: dank verbessertem Zeitmanagement konnte ich sie sogar (fast) ohne schlechtes Gewissen lesen! Yay!

Männe arbeitet mittlerweile wieder Vollzeit und hat jede menge Geschäftsreisen, die Kinder wuseln durch Schule und Kindergarten und die Leitung der Uni hat sich ein Herz gefasst und uns armen Studentinnen einen angenehmeren Stundenplan zugeschachert, der ein Familienleben (im Gegensatz zum vorherigen) auch zulässt!

Die ersten Wochen im neuen Semester waren hart, aber es hat sich schnell wieder eingependelt. Jetzt dreht sich alles um die Fashionshow im nächsten Frühjahr. Unser Semester bringt eine Jacken/Mäntel und eine Kinderkollektion auf den Laufsteg. Ich sage euch, so viel Stress zusätzlich zum normalen Unistress lässt einen echt erschrecken.
Die Abbrecherquote in den ersten zwei Semestern liegt bei über 50% und in den letzten Semestern sind meißt nur noch 6-7 Schüler.

Gut, wir sind schon jetzt nur noch 6 – aber damit glücklich und zufrieden weil wir alle auf einer Wellenlänge rumwackeln bzw. den gleichen Beklopptheitsgrad besitzen.

Ich für meinen Teil bin absolut glücklich mit dem was ich tue, auch wenn es ein-zwei Dozentinnen gibt, mit denen ich nicht kann.
Zumindest kann ich meine Verrücktheiten auf ganzer Linie ausleben und danach behaupten, dass das Kunst sei. Oder Fashion.

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Da das Wetter sich ebenfalls ausnahmsweise in den letzten Wochen mal ein bisschen zusammengerissen hat, verbringe ich nun die meißte Zeit mit den Kindern draußen.

Variante A: Kinder toben auf dem Spielplatz und ich sitze irgendwo im Schatten, bewaffnet mit zahlreichen Büchern und Skizzenblöcken

Variante B: Kind 1 tobt auf dem Spielplatz und Kind 2 (oder auch wahlweise BF) fordern mich zum Fastball/Batminton Match heraus!

Böse Folge von Variante B – höllischer Muskelkater der rechten Körperhälfte!! Ich konnte mich eine Woche lang kaum bewegen…

So, jetzt schnell noch ein paar Bildchen hochladen und dann gehts auch schon auf zum shoppen! BF braucht Shirts für seine Anzüge und ich… mal schauen.

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Übrigens hat sich unser Essensproblem (fast) erledigt! Das schnarchende Etwas neben mir hat sich grad gerührt und liebevoll gegrunzt „Weil du jetzt immer Washoku für mich kochst, vermisse ich japanisches Essen nicht mehr so doll. Danke.“ Wohoooo!

Auf in ein schönes Wochenende!