Archiv für Juni, 2014

Sonntags früh um 10…

Kaum hatte ich meinen letzten Post geschrieben und mich anderen Dingen zugewandt, klingelte es an der Tür.

Ein japanisches Ehepaar (?) mittleren Alters grinste mich an und schwallte mir etwas in Keigo entgegen, dass ich mit meinem morgentlichen Gehirn nur schwer in irgendwelche sinnergebenden Muster packen konnte – logische Reaktion: „Honeeeeeey?? Da stehen Leute vor unserer Tür.. ich glaub die wollen zu dir…“

„Honey“ war allerdings garnicht so erfreut darüber, dass er nun mit Pyjama und Super Sayajin Sturmfrisur zur Tür musste, denn die Leute drückten ihm direkt eine japanische Ausgabe des Wachturms in die Hand, verbeugten sich, versicherten uns ein paar Mal, dass wir darin die Lösung all unserer Probleme fänden und verschwanden. Natürlich nicht, ohne sich vorher ordnungsgemäß noch 10.000x zu verbeugen.

„Eine gute Hausfrau hätte gesagt, dass ich nicht im Haus bin oder grade nicht kann.. dann gehen die wieder.“

..und ja, eigentlich hätte ich es wissen müssen, denn schon kurz nach unserem Umzug schellte es schonmal an der Tür.

Damals habe ich allerdings selbst noch einen Schlafanzug angehabt, sah echt fertig aus und habe aus Schock über die Truppe Japaner (ja, da waren es 4 oder 5) vor unserer Haustür einfach die Tür wieder zugeschlagen.

„Honey, da stehen Japaner vor unserer Haustür… ich weiß nicht was die wollen…. aber ich glaube die wollen zu dir….“

 

Auf Sonntage und Begegnungen – ich muss jetzt erstmal meinen Sonnenbrand auskurieren und den „Kawaii Faktor“ abwaschen.. habe den gesammten Nachmittag mit einem kleinen japanischen Knuffel im Sandkasten gehockt und Füße ein&ausgebuddelt~

 

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do you speak japanese?

 

 

 

 

2 Wochen sind um, wir haben uns noch nicht gegenseitig aufgefressen oder von der nächsten Brücke geschubst und können sogar erstaunlich wenig Diskussionen über Dinge verbuchen, die mich halb wahnsinnig machen. Außer gestern mittag als unsere Waschmaschine kaputt ging…. und ich natürlich schuld war^^

 

Im heutigen Post soll es aber weniger um Männe und mich gehen – viel mehr um die Kinder.

Die beiden brabbeln ja schon eine ganze Weile japanisch – mittlerweile auch nicht mehr nurnoch Einwortantworten, sondern zusammenhängende Sätze und auch das Hörverständnis ist weitaus besser geworden.

Beim wöchentlichen Einkauf fiel mir dann ein pinkes Heftchen in die Hände. Komplett auf japanisch natürlich.

Sprachschule für Kinder – deutsch/englisch/japanisch

Gespannt blätterte ich also in dem Heft herum.. Deutsch für Japanische Muttersprachler… Englisch für Japanische Muttersprachler… Japanisch für…. Japanische Muttersprachler!

Hö? Ich dachte für sowas gibt es hier die japanische Juku?

…ganz ganz unten und ganz ganz klein stand dann aber auch noch „Japanisch für deutsche oder englische Muttersprachler“ – aufatmen.

Schnell Männe das Heft unter die Nase gehalten um mir bestätigen zu lassen, dass da auch wirklich das drinsteht was ich rausgelesen habe und tatsächlich bestätigte er es.

Es  folgte ein Anruf bei der Sprachschule. Eigentlich wollten wir nur Basisinfos, die nicht im Heft standen ala Kosten, wie oft und in welcher Gruppengröße gelernt wird – und natürlich auch ob dort noch andere deutsche Kinder unterrichtet werden (wir erinnern uns.. Zettel komplett auf japanisch….).

Das Telefonat dauerte eine gefühlte Ewigkeit und da Männe es führte, bekam ich natürlich immer nur die Hälfte mit, aber man verbliebmit einem Termin für einen Probeunterricht bei dem dann alles weitere geklärt werden sollte.

Die Kids waren aufgeregt, denn ehrlich gesagt die letzte Erfahrung mit einer Sprachlehrerin war…. nett….. und sie wussten nicht so recht, was sie erwartete.

Das änderte sich aber schlagartig, als uns eine sehr nette junge Japanerin die Tür öffnete. Nach kurzem Austausch wurde ich wieder herauskomplimentiert und musste mich damit abfinden, dass die Kinder nun ohne mich die 30 Minuten überstehen müssen. Ein komisches Gefühl.

Aber all meine Sorgen waren unbegründet, denn als ich zurückkam wurde ich angemaul warum ich denn nicht länger weg war?!
Die Lehrerin war über den vorhandenen Wortschatz meiner Zwerge sehr erstaunt, stellte mir noch einige Fragen („Möchten Sie, dass Ihre Kinder später einmal eine japanische Uni besuchen?“) und entließ uns am Ende mit einem „Meine Cheffin schreibt Ihnen dann eine mail wegen der nächsten Stunde – ich freue mich schon!“.

Tja… und mittlerweile gehen die Zwergnasen schon seit 4 Wochen zum Unterricht. 1x die Woche 60 Minuten (wobei es immer eher 90 Minuten sind…).

Natürlich gibt es auch Hausaufgaben, die dann zuhause schnell erledigt werden müssen, aber bislang haben sich beide noch nicht beschwert und sogar mehr gefordert!
Am Donnerstag hat Männe angefangen mit den Kanjis für Zahlen, denn in der nächsten Woche soll im Unterricht auf japanisch gerechnet werden… da möchte ich glatt auch mit in den Unterricht…

Generell ist das Lerntempo sehr schnell und komplett an die Lernbedürfnisse der Kinder angepasst. Töchterchen ist schon wesentlich weiter als Sohnemann und daher bekommen sie verschiedene Aufgaben mit denen sie sich beschäftigen können.

Im Alltagsgebrauch stelle ich immer wieder erstaunt fest, wie sehr der Unterricht bei den Kindern schon „wirkt“.

Gestern waren wir gemeinsam einkaufen und Töchterchen fragte bei jeder 2. Sache „これはいくらですか?“ (Wieviel kostet das?) …. jetzt müssen wir ihr nurnoch beibringen, dass man „えぇぇぇぇ?高いです!!“ (Eeeeh? Das ist aber teuer!!) nicht ganz so laut sagt…….