Neujahr am Fuji-san

Hakone Ropeway

Düsseldorf versinkt grade im Schnee … und ich liege gemütlich in eine dicke Decke eingerollt auf unserem Futon und genieße die Ruhe.
Nichts spannendes. Wirklich.

Als kleine Randnotiz sollte ich erwähnen, dass momentan die japanische Filmwoche hier in Düsseldorf stattfindet. Das Programm ist abwechslungsreich und es gibt von Klassikern bis Reizüberflutung einiges.

Gestern waren wir in „Always – Sanchome no Yuhi“. Den Film kannten wir zwar schon, aber die Gelegenheit ihn mit ganz vielen anderen Menschen zusammen zu schauen wollten wir uns nicht entgehen lassen. Allein schon wegen der herrlichen Reaktionen. Meine Freundin stellte am Ende fest, es gibt zwei Arten von „Lachtypen“. Eine Menge Leute, die leise hinter vorgehaltener Hand kichern und glucksen – und die andere Art, ein paar wenige die so laut losprusten, dass es für einen ganzen Kinosaal reicht.

Alle Mädels checkten nach dem Film erstmal ihr Makeup und auch den Männer im Saal sah man an, dass sie die ein oder andere Träne vergossen haben. Ein besonderer Gruß geht an die Dame, die neben mir gesessen hat – stolze 3 Packungen Taschentücher waren das mindestens die sie tränenvergießender Weise verbraucht hat ..

Wer Interesse an Japanischen Filmen (mit deutschen oder englischen Untertiteln) hat, sollte dort unbedingt vorbeischauen! Es ist umsonst und lohnt sich!  —> Hier gehts zur Website!

Bitte Bitte – falls ihr hingeht – auch unbedingt hinterher brav den Fragebogen ausfüllen, damit diese Veranstaltung auch die nächsten Jahre wieder stattfinden kann!

So, jetzt aber zurück zur Japan bloggerei..

Silvester.

Wir haben den Silvesterabend dieses Jahr nicht in Chiba verbracht, sondern sind – mit einem kleinen 2-Tägigen Umweg über Kamakura, Izu und Hakone – zum Yamanaka-ko gefahren. Einer der großen Seen um den Fuji-san herum und für Touristen denke ich mal auch einer der Interessanteren.

Kamakura hatten wir eigentlich nur für Sohnemann angesteuert um ihn mit dem Daibutsu zu beeindrucken.. aber er fand die Dango in der Stadt doch weitaus interessanter. Und die Nummernanzeige im Bus.

Tja, da es in Strömen regnete, waren wir auch eher schneller mit unserem Ausflug fertig . Einmal durch die Stadt wackeln und weiter in Richtung Izu. Da der Regen noch immer zu stark war um sich draußen in irgendeiner Art zu bewegen, mussten wir uns mit einem Blick übers Meer vom Auto aus begnügen und tuckelten dann weiter nach Yugawara.

Ich will garnicht wissen, wieviel Bf für das Hotel geblecht hat…. Edel… richtig traditionelles Ryokan.. mit privat Onsen.. und Washoku!

Das Essen war traditionell, aber zu gewöhnungsbedürftig. Ich konnte es mir nicht schmackhaft machen und Sohnemann auch nicht.. fast alles schaute einen an. Die kleinen weißen Fischchen, die in Tsuyu auf dem Konro vor sich hinköchelten.. das Sashimi, das in einem etwas verbogenem Fisch präsentiert wurde.. glibbriger Uni (Seeigel)… Sohnemann hat tapfer alles ohne Augen probiert!

Am nächsten Morgen brachen wir bei schönerem Wetter nach Hakone auf.

Per schweizer Bergbahn und Seilbahn nach Gora. Der Ort heißt wirklich so. Kein Regen mehr, ein paar Wolken und ein bisschen Sonnenschein war uns gewährt – inklusive dem Entdecken einer kleinen Ecke vom Fujisan.

Kann nicht mal langsam irgendein schlauer App Entwickler etwas entwickeln das anzeigt in welcher Richtung der Fujisan liegt?? Das würde das Leben manchmal um einiges leichter machen…

Nach einer Bootsfahrt über den Ashinoko wurde es auch schon wieder Zeit zum weiterfahren, schließlich will man ja den Jahreswechsel irgendwo komfortabel verbringen..

Yamanaka-ko also. Ein kleines Hotel, fast schon Backpackers hostel. Sehr günstig, nur Tatamiräume, sauber, mit kleinem Onsen und Gemeinschaftsmicrowelle.

Wir ignorierten den Hauseigenen Mini-onsen allerdings, denn wir hatten größeres vor.

Es gibt in der Nähe einen Onsen Themenpark mit 18verschiedenen Onsen. Für 1000yen kann man in 8 verschiedenen planschen – zahlt man mehr, kann man auch die anderen erkunden. Aber 8 sind ja schon vollkommen ausreichend finde ich. Wir teilten uns also auf und nachdem ich mich wieder einigermaßen ins System eingewöhnt hatte mit all den Körben und Handtüchern und so weiter, genoss ich eine ganze Stunde Zeit für mich! Vom kleinen Rotenburo-Goemon-Kübel aus konnte ich die Sterne bewundern, in der unterirdischen Grotte entsponn sich eine interessante Unterhaltung mit einer Japanerin, die es unglaublich interessant fand, dass eine Gaijin sich in ihren Onsen verirrt hat und die zahlreichen Kinder blieben erstmal mit offenem Mund stehen sobald sie mich entdeckten. Achso, und die vielen Pflegeprodukte erst die einem dort zur Verfügung gestellt werden!! Ein Paradies!

Auf der Männerseite gibt es nicht so viele Extras, aber es scheint meinem Sprössling auch so gefallen zu haben, denn die Männer verkrümelten sich auf sein Drängeln hin nach einer kurzen Pause direkt zur zweiten Runde.

Ich dagegen bestaunte die Gelassenheit der japanischen Väter um mich herum, die schlafenderweise ihre Kinder hüteten bis Frau Mama aus dem Onsen zurückkehrte.  Ich glaube ich hätte nicht weiterschlafen können, wenn mir ein Pampersrocker mit der Windel am Po übers Gesicht rutscht… Nachdem er mich erblickt hatte, war alles andere sowieso uninteressant. Da hieß es erstmal „wir verstecken uns vor der Langnase und luken ab und zu mal hervor ob sie noch da ist“. Sehr unterhaltsam.

Nachdem alle aus unserem Grüppchen wieder aus dem Onsen herausgekrabbelt waren, stellten wir fest – mist! Es ist fast schon Neujahr!

Jetzt aber Husch Husch schnell noch Soba im Konbini kaufen und zurück zum Zimmer!

Es wurden dann doch nur Instant-soba… nicht so wirklich lecker, aber immerhin haben wir aufgegessen und somit kann dieses Jahr nur ein gutes Jahr werden! Jawoll!

Den Countdown haben wir im Fernsehen nebenbei verpasst… und nachdem wir es bemerkt hatten, gab es ein gemurmeltes „Happy new year“ und ein etwas lauteres „Otanjoubi omedetou“ für mein Männe – dann wurden die Futons ausgerollt und die Sache mit Neujahr, Geburtstag etc. war gegessen.

Neujahr auf japanisch halt.

Der nächste Morgen überraschte uns mit klarem Wetter und einer berauschenden Ansicht auf den Fujisan. Letztes Jahr war es ja schon der Wahnsinn, aber dieses Jahr war es noch klarer zu sehen! Außerdem hatte er auch mehr Schnee als im letzten Jahr, was ihn in der Sonne richtig funkeln ließ.

Der Tag wurde dementsprechend dazu genutzt, die Seen rund um den Fuji-san zu genießen, einen kleinen Ausflug ins Fuji Milkland zu machen (wo wir letztes Jahr im Winter ein Häuschen gemietet hatten), dort jede Menge Eis zu essen…

und zum Schluss den Sonnenuntergang am Tanuki-ko zu sehen.

Schade, dass der Tag nur 24h hat.. so fuhren wir im Dunkeln zurück nach Chiba..

Advertisements

7 Antworten

  1. Das letzte Foto vom Fuji ist der Knaller!!
    So traumhaft!!!

    Januar 21, 2013 um 2:28 am

  2. Ernst

    Jap, das letzte Bild ist der Wahnsinn. Sind die Farbtöne wirklich so extrem gewesen.

    Januar 21, 2013 um 1:25 pm

    • Annähernd.. die Kamera hat im Sonnenuntergangsmodus zwar noch ein bisschen mehr Lila draufgeklatscht, aber es war wirklich eine sehr intensive Blau-Rot-Orange Mischung und eine fast perfekte Spiegelung.

      Januar 21, 2013 um 5:15 pm

  3. woah grade das letzte Bild ist ja der Hammer!
    absolut genial! =)

    ich will auch unbedingt mal nach Japan, aber ich glaub, bei einem Besuch kann’s gar nicht bleiben, so viel wie’s zu entdecken gibt!? ;o)

    liebe Grüße
    shira

    Januar 21, 2013 um 4:55 pm

  4. Ich habe ja nun auch schon dutzende Ansichten vom Fuji, aber an das letzte Foto kommt das alles nicht ran. Schön!

    Januar 21, 2013 um 5:41 pm

  5. Thuruk

    Schön. 🙂 Hast du’s auch größer oder sieht das nicht mehr so gut aus?

    Januar 22, 2013 um 3:16 pm

    • ist auch in riesig noch immer gestochen scharf 😛
      die neue Kamera hat sich definitiv gelohnt..

      Januar 22, 2013 um 3:21 pm

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s