Air france, Sky tree, Jetlag und andere Katastrophen

Tag 1&2

Da war er nun, der erste Japanurlaub mit Kind.
Die antrainierte Routine – Koffer packen, Zugverbindung zum Flughafen raussuchen, Handgepäck nochmal überprüfen und für einen frühen Flug sehr spät ins Bett gehen- check.

Alles verlief flüssig, wir landeten trotz Klappermaschine und ungenießbaren Keksen gut in Paris, machten uns dort auf den Weg zum Terminal und stiegen in den „großen Flieger“, der uns nach Narita bringen sollte.

Die erste Enttäuschung – unsere drei Sitzplätze waren nicht wie von der Tante beim Check-in angekündigt am Fenster sondern lagen in der Mitte.. Mitte mit 3 Personen heißt, dass neben einem noch jemand anders sitzt, der evtl nicht so erpicht darauf ist in einer Reihe mit einem Kind zu fliegen oder generelle Aversionen gegen Männer hegt oder was weiß ich nicht noch alles.

Die Frau neben der wir landeten gehörte zur ersten Kategorie.
Augenrollen. Na das kann ja ein lustiger Flug werden..

Gefreut hat uns dann die Ansage nach dem Start in der es hieß, dass es später Eis gäbe – allerdings hat keiner dazu gesagt, dass das Eis mitten in der verordneten Nachtruhe ganz ganz heimlich und leise ausgeteilt wird damit es auch ja keiner mitbekommt. Großartig. Ich war gottseidank noch wach und konnte meinen Sprössling wecken der vorher Stundenlang auf das versprochene Eis gewartet hatte, sonst hätte es wohl Tränen gegeben.

Beim Anblick des Kindermenüs konnte ich seine Reaktion „Das ess ich nicht!“ durchaus nachvollziehen und auch mir ging es beim normalen Menü nicht viel anders. Angekündigt war glaube ich Shougayaki mit Zuckerschoten und noch irgendwas… die Realität stellte sich als matschiger Brei mit Einheitsgeschmack heraus.

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Schaut lecker aus, nicht?

Warum ich so auf dem Essen rumhacke? Weil ich weiß, dass es auch lecker geht! Bei British Airways in der Buisiness class war es verdammt lecker! Bei Korean Airlines in der Holzklasse ebenfalls! Warum bekommen dass KLM und Air France nicht auch hin?!

Der Rest des Fluges verlief recht ruhig, auch weil die erzwungene Bettruhe sich bis eine Stunde vor Landung hinzog. Man hat quasi gegessen, geschlafen, wurde kurz vor knapp geweckt, zum nochmal essen gezwungen und die Tabletts wurden dann während der Landung eingesammelt.
Für Kinder gab es jetzt nicht so viel interessantes – das deutschsprachige Entertainment beschränkte sich auf „Madagascar 3“ und „Hotel Transilvanien“. Nach dem 2. Mal Madagascar hat mein Sohnemann dann auch aufgegeben und geschlafen.

Bei der Landung waren wir noch ziemlich verpennt, aber es hilft nichts – dem Piloten sagen er soll doch mal bitte etwas langsamer landen weil wir noch schlafen wollen funktioniert irgendwie nicht. Hrmpf.

Tokyo. Ungewohnt kalt. Diesmal wurden wir auf dem Weg zum Zug nicht von Aushilfspolizisten angehalten und zu unseren Aufenthaltszielen befragt. Schade aber auch. Ich hab doch extra ein bisschen Osaka-ben gelernt für solche Fälle!

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Egal, der Zug hat uns auch so sicher nach Chiba transportiert und da Bf dort noch eine Verabredung mit der Bank hatte, haben die Zwergnase und ich uns in den nächsten Starbucks verkrümelt wo wir mit unseren 3 Koffern auch fast nicht aufgefallen sind.

Nach dem kleinen Zwischenstopp in Chiba city ging es weiter zu unserem eigentlichen Ziel – Bfs Mutter.
Die Wohnung ist typisch japanisch. Winzig und bis unter die Decke vollgestellt, aber trotzem irgendwie gemütlich und es gibt einen Kotatsu! So lässt sich Bibberkälte aushalten! Nur das Badezimmer hätten wir am Liebsten gemieden, denn das Außenfenster war nicht so wirklich dicht, was uns ein gefühltes -4 Grad eisiges Duscherlebnis verschaffte. da konnte auch das bis zum Siedepunkt aufgeizte Wasser nichts dran ändern. Zumindest die Toto-Klobrille war beheizt.

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Der erste Tag fiel mit dem Todestag von Bfs Vater zusammen.
Es ist eine schwere Zeit. Auf der einen Seite möchte man unbeschwert und mit guter Laune seine eh schon knappe zeit in Japan genießen und auf der anderen Seite klebt die Erinnerung mit vielen Gefühlen verbunden an einem.
Es fühlt sich noch nicht an, als wäre es schon ein Jahr her. Eher als wäre es letzte Woche passiert.

Das Schöne – in Japan ist der Tod nicht wirklich gleich Tod. Der Verstorbene ist immernoch Teil des Lebens und der Tag beginnt meißt mit einer kleinen Schale Reis für den Mini-Schrein mit Foto. Auch von Reisen bringt man kleine Mitbringsel mit die dann im- oder auf dem Holzkästchen landen.
Am Grab wird mit dem Verstorbenen gesprochen als läge er nur in seinem Bett und würde alles mitbekommen. „Geht es dir heute gut? – Ich mache es dir jetzt gemütlich – Ich habe dir Blumen und deine lieblings Räucherstäbchen mitgebracht – Bis morgen, Papa“.

Auf diese Art fühlt sich das Ganze nicht so bedrückend an finde ich. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur an der fröhlichen und herzlichen Art von Bfs Mutter.

Nach dem Besuch am Grab waren wir drei schon ziemlich fertig und wollten nur noch eine Kleinigkeit vor dem Schlafen essen.
Auf zum Yume-an, einem Kettenrestaurant in dem man eine große Auswahl an traditionellen und moderneren Sachen hat – von Fisch über Nudeln über Shabu Shabu ist eigentlich für jeden was dabei und es ist mit im Schnitt 8€ pro Gericht bezahlbar.
Unser Krümel brauchte nicht lange für seine Entscheidung, denn es gab Kindermenüs mit Anpanman! Ich hatte irgendeinen Fisch mit furchtbar vielen Gräten (ich hasse Gräten..) und eh nicht so viel Hunger. Bf hat es gefreut.

Tja, und dann war der Tag (für uns) auch schon fast wieder um. Den Sonnenuntergang an der Küste verpassten wir knapp, aber die Aussicht übers Meer war trotzdem einfach schön und irgendwie beruhigend. Lukas war allerdings so müde, dass er direkt im Auto einschlief.

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Am nächsten Morgen war die ganze Truppe dann schon um halb 4 wach, schlich sich ins Wohnzimmer unters Kotatsu und schaute die japanische Version vom Kinderkanal.Bildungsfernsehen auf Japanisch. Englisch für die Kleinsten. Als ich dazu kam, hüpfte grade eine Bleichnase in komischen Latzhosen und buntem Ringelschirt über den Bildschirm und sang ein Lied über Körperteile. Ich ging direkt wieder ins Bett.
Gegen 6 habe auch ich es nicht mehr ausgehalten und mich in das Abenteuer Dusche gestürzt. Kaaaaaalt! Eiskalt! Danach war ich zumindest richtig wach. Kind ebenfalls durch die Dusche gezogen und zurück unters Kotatsu bis der Herr auch fertig war.

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Tagesplan – Tokyo! Einmal Asakusa und zurück bitte.

Eigentlich wollten wir noch in andere Stadtteile, aber wie das Leben so spielt kamen wir doch erst um 11 in Chiba los, wuselten einmal durch Asakusa (natürlich durfte das obligatorische Omikuji nicht fehlen…) und setzten unseren Weg per 100yen Bus zum neuen Sky tree fort.

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Tja, der Sky tree. Vor 3 jahren war er noch klein und niedlich und es hingen rote Kräne an den Gerüsten. Vor 2 Jahren war schon die erste Plattform plus Ringweg fertig, die kleinen roten Kräne hingen immernoch dran. Letzes Jahr war er eigentlich schon fast fertig, nur der Sendemast fehlte noch Teilweise und an der Außenverkleidung wurde noch ein bisschen rumgebastelt – und dieses Jahr standen wir also vor dem vollendeten Prachtwerk. So wie gut 500 oder mehr andere Leute auch.

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Wir hatten KEIN Ticket im Internet reserviert. Wozu auch? Das bisschen warten.. haha..ha..ha…

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Fast 4 Stunden haben wir angestanden! 4 besch….. STUNDEN! Draußen sind wir halb erfrohren, im Wartesaal erstickten wir fast vor Hitze. Außerdem fühlt sich warten mit Jetlag auch besonders toll an. Müßig langsam bewegte sich die Schlange in endlosen Serpentinen vorwärts. Überall Menschen. War man erstmal drinnen, kam man nicht mehr raus. Mir war schlecht, dem Kind war langweilig und Männe hatte schlechte Laune wegen dem schlechten Wetter. Yay. Perfekte Voraussetzungen.Endlich an der Kasse. 20€ pro Erwachsenem, 10€ für Zwergnasen. 50€ weg..
Wir dachten uns „supi, jetzt haben wir das Schlangestehen ja hinter uns – auf ins Abenteuer!“ und unsere Laune war schon kurz davor sich zu verbessern, da wurden wir in die Warteschlange für den Fahrstuhl eingegliedert.
Großartig.
Nach 20 Minuten rumstehen öffneten sich endlich die Fahrstuhltüren und wir durften eintreten.
Mit rasantem Tempo ging es nach oben, man bekam Druck auf den Ohren und dann…. war man endlich oben. Auf dem höchsten freistehenden Turm der Welt.

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Mehr Menschenmassen. Um am Fenster was zu sehen musste man sich anstellen -oder vordrängeln (dies schien die bevorzugte Methode besonders von älteren Herrschaften zu sein). Das Wetter war immernoch schlecht. Grottig schlecht. Kein Fuji-san. Dafür jede Menge Wolken.
Tokyo mit schlechtem Wetter ist nicht wirklich schön…Etwas enttäuscht stellten wir uns also wieder in die Endlosschlange für den Fahrstuhl der einen wieder zurückbringen sollte und nach „nur“ einer Stunde standen wir wieder vor dem Turm, belächelten die Wartenden mitleidig.

Zum Abschluss aßen wir Shabu Shabu in meinem Lieblingsrestaurant „Onyasai“ in Ueno. Leider etwas unter Zeitdruck, da es der Abend für Bonenkai, also Jahresabschluss Saufveranstaltungen der japanischen Firmen, war. Nach 2 Stunden wurden wir herauskomplimentiert, da die nächsten Reservierungen quasi schon Schlange standen. Wer schonmal Schabu Shabu gemacht hat, der weiß das 2 Stunden quasi garnichts sind… schade, trotzdem lecker.

Der Zug zurück nach Chiba tuckelte langsam vor sich hin, es war schon dunkel, wir fühlten uns Matschig und als wir zurückkamen, fielen wir direkt ins Bettchen.

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Eine Antwort

  1. Da bekommt man ja gleich wieder Fernweh…schöner Bericht!

    Februar 7, 2013 um 12:09 pm

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