Alltags (wahn)sinn

 

Der Alltag hat sich eingeschlichen jetzt, wo alles wieder geregelt und straff durchorganisiert laufen muss.

Ich habe mir vor BFs Zuzug viel zu sehr den Kopf zerbrochen und mir die schlimmsten Szenarien ausgemalt und letztendlich hat mich das an  den Punkt gebracht an dem man sagt „egal, was solls – wir probieren es! Und wenn es schief geht ist es halt so, und wenn nicht – um so besser“

Und.. es ist bis jetzt gut gegangen. Er nörgelt zwar noch immer über Essen und Deutschland, aber durch seinen Deutschkurs beginnt er langsam zu entdecken was um ihn herum so alles geschieht.

Den ersten Monat hat er mir zu jeder Tages- und Nachtzeit genau sagen können wie viele Wochen/Tage/Stunden er jetzt schon in Deutschland is

t, mittlerweile muss auch er nachrechnen und nimmt es mit einem gelassenen Schulterzucken hin.

Ich habe mich auch wieder im Stress eingefunden und hey, meine Zeit für mich alleine ist auf….. fast Null geschrumpft!
Ich stehe morgens als erste auf, mache Frühstück und die Kinder fertig, bringe die Kids in Schule und Kindergarten, hetze zu meiner Uni in der Hoffnung noch pünktlich zu kommen (harr harr… Grundschule beginnt um 8:1

5…. meine Uni um 8:00), sitze meine 8 bis 9 Stunden dort ab und hetze zurück um die Kinder wieder einzusammeln. Einkaufen, Hausaufgaben, kochen und auf Männe warten. Wahrlich erfüllend das Ganze.

Hätte ich nich.. ja, hätte ich nicht realisiert, dass die Zeit in der Uni MEINE Zeit ist und ich mich dort in fast allen Bereichen austoben kann, würde ich daran wohl zugrunde gehen. Aber es ist ein Ausgleich und somit fühle ich mich selten wirklich gestresst (eigentlich nur, wenn es um Semesterarbeiten geht).

Abends wenn BF endlich nach Hause kommt, das Abendbrot vertilgt wurde und die Kinder friedlich schlummern, kommen die bösen Hausaufgaben aus seinem Deutschkurs dran.

Jupp. Erklären wir mal Dativ, Akkusativ und Genitiv aus dem St

ehgreif mit variablen und vor allem einfachen Beispielen- und ohne dabei das japanische merkwürdige Hilfsbüchlein, welches er sich angeschafft hat, mit bösen Wörtern zu bedenken.
Japaner haben mitunter einen sehr merkwürdigen Blick auf die deutsche Grammatik.

Zumindest tut ihm der Kurs gut und er hat dort Anschluss gefunden.
Am Wochenende „darf“ ich zu einem Essensausflug mitkommen. Beim letzten Restaurantbesuch der Gruppe habe ich dankend abgelehnt, ab

er jetzt beim 2. Mal werde ich quasi gezwungen und ich hege die Befürchtung als Versuchsobjekt für Deutschkenntnisse herhalten zu müssen. Aber egal, kann ja auch durchaus lustig sein.

Bf beschrieb mir das letzte Dinner-treffen so:

„Du weißt ja, da ist eine Japanerin in meinem Kurs. Und ein Russe. Und zwei Koreaner- die sind ein Paar. Und zwei Brasilianer und der eine ist seeeeehr….genki! Aber da waren vom anderen Kurs auch Leute dabei. Die eine Japanerin von denen war die Beste in Deutsch und hat sich z

ur Führerin Aufgespielt. Mochte die nicht. Willst du nicht das nächste Mal mitkommen????“

Somit werde ich ihn also vor der Herschsüchtigen Japanerin beschützen. Vielleicht.

Übrigens- wir haben eine schnucklige japanische Videothek in der Stadt! Jawoll! Japanische Filme ohne Untertitel und dafür bekommt man auch die ganz alten Schinken.
Übers Wochenende haben wir uns „Always – 三丁目の夕日“ (san-chome no yuhi – Sonnenuntergang der dritten Straße) ausgeliehen. Es gibt drei Teile die jeweils die gleichen Charaktere enthalten und deren Geschichten erzählen. Der erste Teil spielt in der Nachkriegszeit während des Aufbaus des Tokyo Towers. Alle drei Teile sind sehr empfehlenswert! Für Leute die nah am Wasser

gebaut sind, sollte eine Taschentuchbox bereit stehen… für alle Fälle.

Das bringt mich auf den Gedanken, dass ich mal eine Liste mit 10 Dingen über uns erstellen wollte… fangen wir doch mal mit unserem Star an:

BF:

1) Ist ein Neujahrskind

2) Hasst Gemüse und Obst – vor allem, wenn es grün ist oder in irgendeiner Weise gesund sein könnte (Ausnahmen sind Nori und Weintrauben)

3) Hat noch nie in seinem Leben Shorts oder kurze Hosen getragen

4) Steht total auf Michael Jackson

5) Ansonsten hört er nur ältere japanische Musik (z.B. Nakashima Miyuki etc) -einzige Ausnahme ist“ Bump of Chicken“ (Bampu) von denen er ein paar Stücke ertragen kann

6) War vorher noch nie länger als 2 Wochen im Ausland

7) Hat sich bei seinem letzten Europaaufenthalt in Spanien eine kleine Lebensmittelvergiftung zugezogen dank dem „Eis des Grauens“ wie er es so schön nennt

8) Wenn er sauer ist, wird er ganz ruhig und ignoriert alles um sich herum

9) Isst in Düsseldorf am Liebsten im Kotobuki

10) MUSS jeden Sonntag die neuste Folge von „Jojo no kimyou na bouken“ schauen, sonst wird er unausstehlich!

Rose:

1) hat trotz Aprilwetter in ihrem Leben erst einmal einen verregneten Geburtstag gehabt

2) Isst alles. Und wenn es sein muss sogar Natto und warabimochi.

3) Liebt es zu zeichnen und zu nähen… wäre da nicht diese unglaubliche Faulheit die einen davon abhält es zu tun… (egal, durchs Studium MUSS ich die Sachen jetzt machen wenn ich nicht durchfallen will!)

4) Liebt es, sprachen zu lernen und spricht aktiv momentan 5. Einzige Hassliebe besteht mit Kanjis, da bei diesen das Gehirn zu einem seeeehr grobmaschigen Sieb mutiert

5) Kann 6 Instrumente spielen – hat aber kaum Zeit dazu~

6) Ist sehr nah am Wasser gebaut („guck mal, ein Eichhörnchen- wie süß“ *heul*)

7) hätte gerne mehr Zeit zum schreiben und lesen

8) Schreibselt an einem kleinen Buch, dass Kindern das erlernen von Hiragana und Katakana nebst ein paar einfachen Vokabeln erleichtern soll

9) Steht auf japanische Horrorfilme

10) Hasst es, ignoriert zu werden *grummel*

L-kun:

1) Ist der größte Starwars-fan ever und kann mir jegliche Charakternamen plus deren Geschichte auswendig aufsagen

2) Hasst Hausaufgaben

3) Ist sehr verantwortungsbewusst

4) Beschützt seine Kleine Schwester mit Hingabe

5) Lesen ist doof – außer nachts heimlich unter der Bettdecke

6) Kann seit er 4 ist mit Stäbchen essen

7) Isst alles- und am Liebsten japanisches oder chinesisches Essen

8) Will irgendwann mal Astronaut werden

9) Spricht sehr niedlich mit BF (d-a-s *pause* i-s-t *pause* l-e-e-e-ck-e-r!)

10) Hatte schon seine erste Freundin, findet knutschen aber ekelig und hat sich deswegen getrennt

M-chan

1) Ist eine Prinzessin.

2) Ist eine Prinzessin!

3) IST EINE FEENPRINZESSIN!

4) Ist eine… ach egal.. ist niedlich

5) Weiß genau, dass sie niedlich ist – und bekommt damit ALLES

6) Ist ein ausgewachsener Morgengrüffelo (siehe Buch „Der Grüffelo“)

7) Wird unglaublich kreativ, wenn es darum geht Ausreden zu erfinden um noch nicht ins Bett zu müssen

8) Kann sich schon recht gut auf Japanisch ausdrücken und plauscht gelegentlich mit FMIL

9) Liebt es zu malen und Dinge mit Glitzer einzukleistern

10) Will später auch mal Designerin werden und Nähen so wie Mama. Oder Ärztin werden und auf Weltraummissionen ihren Bruder unterstützen. (Sehr ernstes Gespräch der beiden: „Also, wenn du dann Astronaut bist und dir im

Weltall wehtust, wer hilft dir denn dann?! Ich will nicht, dass dir dann keiner hilft – also werde ich Arzt und dann komme ich mit und helfe dir!“)

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7 Antworten

  1. nun ja, Deine Kinder haben ja klare Pläne für ihre gemeinsame Zukunft.. hat doch auch was, oder? ;o)

    liebe Grüße
    shira

    November 6, 2012 um 6:45 pm

  2. Maya

    Als Beweis, dass er noch nie in seinem Leben kurze Hosen getragen haben will, würde ich mir einfach mal ein Grundschulfoto von ihm zeigen lassen. Bis jetzt habe ich noch keine Grundschuluniform in Japan gesehen, wo die armen Kinder nicht selbst im tiefsten Winter mit kurzen Hosen rumlaufen müssen. Das ist eines der Dinge in Japan, wo ich bei allem kulturellen Feingefühl nur mit dem Kopf schütteln kann. Unter die gleiche Rubrik fällt übrigens auch (die für mich verstörende) Angewohnheit japanischer (Tokyoter?) Mütter, ihren Babys keine Socken anzuziehen. Wohin man schaut, baumeln selbst bei niedrigen Temperaturen nackte Babybeine aus Trageschlingen, während die dazugehörige Mutter mit Winterstiefeln und Baumwollstulpen unterwegs ist. Mir ist nicht ganz klar ob das so gewollt ist, oder ob es nur niemandem auffällt, weil es alle so machen. Vielleicht bin ich auch nur schlecht über Babys informiert? Aber ich schweife ab. ^^;

    Welche Sprachen sprichst du noch außer den 3 offensichtlichen? Respekt jedenfalls! Auch für die 6 Instrumente natürlich. Ich wünschte ich könnte wenigstens eins spielen. 😉

    Jemandem Dativ, Akkusativ und Genitiv zu erklären, der von Kasus noch nie was gehört hat, ist schon schwer. Ich würde einfach versuchen zu erklären, dass das, was in Japanisch durch die Partikeln ga, ni, (w)o und no ausgedrückt wird, auf Deutsch durch Wortendungen und Artikel gekennzeichnet wird. Ein Beispiel wo alle Fälle in einem Satz auftauchen, sorgt vielleicht für einen kleinen Aha-Effekt (oder zusätzliche Verwirrung). „Ich gebe das Buch meines Vaters meinem Freund.“ watashi wa chichi no hon o tomodachi ni ageru. Dann musst du ihm nur noch erklären, dass man im Deutschen keinen Unterschied zwischen Thema (wa) und Subjekt (ga) macht, und er wird dich vermutlich angucken wie ein Auto. Aber hey, du hast es versucht. 🙂

    November 8, 2012 um 8:36 am

    • @Maya
      Die kurzen Hosen gibt es praktisch nur in privaten Grundschulen, bzw. schon in privaten Vorschulen. An oeffentlichen Grundschulen gibt es kaum noch Uniformpflicht, erst wieder an der Junior High. Dort tragen die Jungs aber lange Hosen. Dafuer muessen die Maedchen auch im Winter mit Rock und Kniestruempfen ran……

      November 12, 2012 um 6:57 am

    • Tja, er hat wirklich noch nie kurze Hosen getragen da er als kleines Kind einen Unfall hatte und mit Rücksicht auf die dadurch gebliebene Narbe durfte er lang tragen 🙂

      Sprachen blubber ich bis jetzt Deutsch (natürlich), Englisch, Japanisch, Chinesisch und Irisch-Gälisch wobei die beiden letzteren erheblich eingerostet sind da ich sie kaum benutze.

      Deutsche Sprache – schwere Sprache! Aber alles in allem meistert er es ganz gut. Ich habe das erklären aufgegeben da er mir eh nicht wirklich zuhört bei sowas und seine Lehrerin ihm das sowieso besser erklären kann. Aber hey, so lerne ich auch noch etwas dazu- z.B. wusste ich nicht, dass man Wörter wir „mal“ den Partikeln zuordnet. Wieder was gelernt.

      November 29, 2012 um 12:42 pm

  3. jojo

    lustig, vieles hier hätte auch von mir stammen können, asiatischer mann, zwei kinder, studium. aber ganz besonders, das was Du zum Studium schreibst 🙂 ! Ich habe oft das Gefühl, wir sind trotz unserer Kinder die engagierteren Studenten. ich geniesse es jedenfalls auch sehr. Eine Frage, wie klappt das bei Euch mit der Betreuung? Unser Kindergarten schliesst um 4 und ich studiere in einer anderen Stadt, und die kommende Grundschule endet ja dann erstmal um zwölf herum, wie war dad bei Euch?

    November 11, 2012 um 11:15 am

    • Wir haben eine offene Ganztagsbetreuung von 8:00 bis 16:30 und da meine Uni direkt um die Ecke ist, schaffe ich es meißtens ganz gut die Kinder einzusammeln. Nur 2x in der Woche wo ich theoretisch bis 17:15 Vorlesungen hätte, muss ich Unterricht abhängen und später nachholen.
      Ist zwar wirklich stressig, aber es klappt (auch wenn ich meißtens mit den Kindern ins Bett falle….) 🙂

      Wünsche dir/euch viel Glück das alles unter einen Hut zu bekommen~

      November 29, 2012 um 12:46 pm

      • jojo

        Hm, das klingt gut… Uni um die Ecke T_T. Aber dann hast Du ja theoretisch auch manchmal nur eine viertel Stunde Zeit, von A nach B zu kommen, alle Achtung!
        Ich glaube, ich verlasse mich weiter auf die Trödelmöglichkeiten meines Magisterstudiums *g* (ein Schein pro Semester o.ä.).

        Jaja, mit den Kindern ins Bett fallen, und dann irgendwann zwischen eins und drei wieder aufwachen. Panik! Muss noch übersetzen/was lesen/für den Kindergarten was vorbereiten!!! ;-)…

        Danke, Euch auch!

        LG
        aus Augsburg

        Dezember 1, 2012 um 1:06 am

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