Formulare..

Meine Güte, jetzt ist es doch tatsächlich schon über einen Monat her, dass mein Freund zu uns gezogen ist.

Der Alltag hat sich verändert, meine Freizeit sich verringert, der Stress pendelt phasenweise zwischen „you´ll get insane“ und „wohoooo“ und das Zusammenleben gestaltet sich…. interessant!

In den ersten zwei Wochen hatte ich noch Semesterferien und konnte bei Behördengängen helfen/dolmetschen/Händchen halten und als Entertainer fungieren. Ihr glaubt garnicht was für schwachsinnigen Papierkram man so ausfüllen muss! Teilweise kam ich mir vor wie bei Asterix und Obelix wo sie für die Formulare hin und her laufen mussten.

Erste Hürde- die Anmeldung. Was braucht man um ein Handy in Deutschland haben zu können? Richtig – ein Konto! Was braucht man um ein Konto eröffnen zu können? Eine Wohnsitzanmeldung! Was braucht man für ein Visum? Eine Wohnsitzanmeldung!

Bis uns das alles mal irgendwie jemand mitgeteilt hat, hing ich schon gut 2 Tage am Telefon mit blutigen Ohren und trockenem Mund.

Der Weg führte mich also ins Meldebüro unseres Stadtteils. Haha. ha. ha.

Meldebüro Frau: „Um sich hier in Düsseldorf anmelden zu können, benötigen Sie zuerst das Visum.

Ich: Aber aber.. wir brauchen doch eine Meldebescheinigung um das Visum zu beantragen?!

Sie: „Nein, kann nicht sein. Erst Visum, dann Anmeldung.“

Ich: “ Wir haben vor 10 Minuten mit der Visastelle telefoniert und die haben uns mitgeteilt wir müssen ihn erst hier anmelden damit der Antrag überhaupt gestellt werden kann!“

Sie *böser Tonfall*: “ ICH HABE IHNEN DOCH GRADE GESAGT, DASS SIE E.R.S.T! EIN VISUM BRAUCHEN UND SICH D.A.N.N. ANMELDEN KÖNNEN!“

… daraufhin habe ich dann nochmal mit dem Konsulat telefoniert, die mir dann eine Telefonnummer mit der Hotline der Meldebehörden gegeben haben und mir viel Glück wünschten.

In der Hotline wurde ich von einem sehr jung klingendem Mann begrüßet (oh mein Gott ich werde alt…) der über meine Schilderung des Vorfalls verständnissvoll sein Mitleid bekundete und uns verriet (was laut seiner Aussage eigentlich der Job seiner *inkompetenten* Kollegin gewesen wäre) dass wir uns bitte in der Haupt- Meldezentrale einfinden sollen.

Also nichts wie auf – nach NUR 3 Stunden Wartezeit kamen wir auch tatsächlich dran und der Wohnsitz wurde in Nullkomma nichts geändert.

Dann wurden wir an die zuständige Behörde für Visa weitergeleitet.
Dort durften wir dann nochmal warten. 2 Stunden vergingen. Der Handyakku neigte sich dem Ende.. nach fast 4 Stunden wurden wir endllich aufgerufen und tadaaaaa… wie soll ich es beschreiben?! KRIESE!

Nach kurzer schilderung unseres Anliegens wurde uns mitgeteilt, dass das alles ja ganz schön ist, aber die Leute die den entsprechenden Erstbuchstaben des Nachnamens bearbeiten leider schon bis mindestens Februar ausgebucht wären. Zu einem anderen Sacharbeiter, der z.B. die Buchstaben X und Z (die ja nun wesentlich seltener vorkommen als z.B. A, M oder was auch immer) bearbeitet könne man nicht wechseln, das wäre dann nämlich nicht Vorschriftskonform. Yay!

Man schickte uns weiter in eine Abteilung von der ich noch nichtmal den Namen kannte und uns erwartete ein leicht korpulenter Mann, der sich unser Anliegen anhörte und dann grinsend mit ur-bayrischem Akzent erwiederte „Ja Moi, da sinns aba 3 Monate zu früa drann!“

Er empfahl uns, dass Gästevisum noch abzuwarten und den eigentlichen Visumsantrag erst gegen mitte November zu stellen.  Da mein Freund die Zeit eh mit dem Besuch eines Deutschkurses verdüddeln wollte, kein Problem – und so spazierten wir mit gültiger Meldebescheinigung aus dem Amt.

Nächste Haltestelle: Bank!

…reicht es wenn ich sage, dass man für ein Konto nicht nur die Meldebescheinigung braucht, sondern auch EIN VISUM?

Nach einer gefühlt  mindestens 70 minütigen Diskussion habe ich mich mit meiner Version von „ein Gästevisum ist doch auch ein Visum“ durchgesetzt und wir konnten das Konto eröffnen. Wohoo.

Vorletzter Halt: ein Handyladen in der Innenstadt, namentlich T-mobile.

Warum T-com Schrott? Weil ich da auch bin und wir somit umsonst miteinander telefonieren könnten. Tschakka.

Die Mitarbeiterin war nett, schien kompetent, der Papierkrams war in weniger als einer Stunde erledigt und während wir auf die Freischaltung warteten, genossen wir noch ein paar Sonnenstrahlen vor dem örtlichen Starbucks. Brauchte Kaffee.

Nach unserer Rückkehr in den Laden erwarteten uns betroffene Gesichter. In meinem Kopf hörte ich die kleine Stimme „warum kann nicht einmal etwas klappen..“ und schon teilte uns die Verkäuferin mit – ohne Visum kein Handy. GNARRRRF!

Mit einem kleinen Trick hebelten wir am Ende auch diese Hürde aus und… tadaaaa… Männe besitzt nur ein schickes Iphone 5 mit massig Speicherplatz weil wegen und so.
Schick ist es ja, aber…. egal. Man kann damit telefonieren und mit seiner Mama skypen funzt auch!

Der letzte Ausflug führte uns ins japanische Konsulat zur Registrierung.
Da das gute Gebäude mehr als 3 Eingänge hat, war ich leicht überfordert den richtigen zu finden – und hätte uns nicht ein netter Herr („Ey, suchst du Konsulat, gehst du DA“) weitergeholfen, würden wir wahrscheinlich noch immer vor dem falschen Eingang stehen und verzweifelt klingeln.

Im Konsulat muss man sich per Gegensprechanlage mit Kamera anmelden, aber um gaaaaanz sicher zu gehen steht davor auch noch ein Wachmann der aufpasst, dass auch wirklich nur befugte da reingehen.

Wie gewohnt wollten wir also zusammen gehen, da ich eh die ganzen deutschen Formulare mit mir rumschleppte um sie ihm bei Bedarf kurz übersetzen zu können, da werden wir vom Wachmann aufgehalten.

Ein kleiner 1,50m Giftzwerg der irgendwie in meinem Gehirn eine leicht grüne Gesichtsfarbe verpasst bekam wollte mir den Eintritt verwehren. Mein Freund erklärte ihm dann, dass ich sehr wohl ein Recht hätte dort einzutreten und er sich mal zusammenreißen solle. Einfach so Mädels anzuschnauzen weil sie nicht japanisch sind gehöre sich nicht.

Die Formulare dort waren… gewöhnungsbedürftig und selbst mein Männe hatte so seine Probleme mit dem Ausfüllen. Am Ende ließen wir die halb ausgefüllten Blätter zurück und machten uns auf um die restlichen benötigten Informationen zu sammeln die benötigt wurden.

Bei der zweiten Runde Konsulat war der Wachmann schon viel freundlicher und ich konnte die ’seltene spezies „Japanischer Salaryman“ ‚ in ihrem natürlichem Umfeld bewundern.

Der Konsulatszaum für „Besucher“ umfasste nichtmal 4x4m, plötzlich öffnete sich eine Sicherheitsschleusentür und heraus kamen 5 oder 6 Salary men in schicken Anzügen mit Taschentüchern und Notizblöcken in der Hand. Nach ein paar Minuten ziemlich gequetschten Rumstehens (war ja kein Platz da) und Gaijin (mich) anstarren, nickten sie sich verlegen zu, wechselten ein paar Worte alá „heute ist aber nicht so gutes Wetter, nicht war? “ Was dann das gewöhnliche zustimmende Murmeln auslöste. Verlegenes Schweigen… nach ein paar weiteren Minuten verschwand die Gruppe dann wieder durch die Sicherheitsschleuse und ward nicht mehr gesehen… bis…

Nachdem wir endlich alles ausgefüllt hatten, beschlossen wir uns noch etwas Gutes zu tun und liefen zu einem etwas versteckt liegendem Restaurant mit dem Namen „Kotobuki“. Dieses Restaurant ist relativ schnell zu einem unserer Lieblinge mutiert, da es dort gute Hausmannskost zu akzeplablen Preisen gibt, aber zum Restaurant selbst werde ich wann anders noch etwas schreiben – naja, jedenfalls trafen kurz nachdem wir unsere Sachen bestellt hatten – tadaaaaa- einige der zuvor gesichteten Salary men ebenfalls im Restaurant ein. Ich glaube sie haben uns verfolgt oder so…. man weiß ja nie..

Jetzt haben wir gottseidank einigermaßen Ruhe vor Formularen etc und es setzt langsam die Vorfreude auf unseren bevorstehenden Winterurlaub ein. Noch 2 Monate bis wir endlich wieder für ein paar Tage japanischen Boden unter den Füßen haben! Nach einem Jahr „Japanentzug“ ist die Liste an den LEBENSNOTWENDIGEN Dingen (die ich sonst ja regelmäßig mitbringen konnte) doch sehr stark angewachsen..

P.s.: Wer hat eigentlich letzte Nacht vergessen seinen Kühlschrank wieder zuzumachen?! Es war heute morgen so Schweinekalt, dass ich Schal, Mütze und Handschuhe anziehen musste, sich kleine Eiskristalle auf meinem Schal bildeten und ich mit trotz der Verpackung immernoch den Hintern abgefroren habe! Also- wer auch immer es war: wieder zumachen! Sofort!

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7 Antworten

  1. okay, ich kenn bis jetzt nur den Formular-Wahnsinn deutscher Behörden für Deutsche Anliegen.. und die sind schon völlig bekloppt.. das ganze auch noch für japanische Anliegen in Deutschland scheint ja wirklich eigentlich nicht machbar zu sein.. ich wünsche Euch zweien viel Glück, für weitere Besuche um das richtige Visum zu bekommen ^^‘

    und bei uns hat’s die Nach sogar geschneit! da hab ich heut früh ganz natürlich Mütze, Schal und Wintermantel rausgeholt ;o)

    liebe Grüße
    shira

    Oktober 27, 2012 um 2:56 pm

    • Thuruk

      Ich hatte erst vorgestern das Vergnügen mit österreichischen Beamten. Aber kein Vergleich zu Roses Fall. Wollten nur eine Gemeindewohnung tauschen… 😉

      Vielleicht doch sinnvoll solche Geschichten vom Anwalt erledigen zu lassen (wenn das den geht, mal wo gehört).

      Oktober 27, 2012 um 6:50 pm

  2. Wenn man’s denn gerne kompliziert hat… Handy auf Amazon kaufen, Prepaid-Karte aus dem Supermarkt oder Inet dazu und fertig.

    Übrigens ist das kein Visum sondern eine Aufenthaltsgenehmigung. Visa gibt es nur außerhalb des Landes. Das kann dich durchaus auch mal eine Abweisung auf der Behörde kosten, wenn die einen falsch verstehen wollen, so wie bei uns passiert.

    Oktober 27, 2012 um 5:17 pm

  3. coolio

    Mach dir nix daraus. Als Deutscher in Japan hat man auch einigen Spass mit den Behörden.

    Oktober 28, 2012 um 2:11 am

  4. Maya

    Vielen Dank, dass du das alles so ausführlich hier schilderst. Da weiß ich ja, worauf ich mich nächstes Jahr gefasst machen kann, wenn ich mit meinem Freund nach Deutschland ziehe. Kann man das Visum nicht auch schon in Japan beantragen? Vielleicht macht das den Behördenwahnsinn in Deutschland dann etwas einfacher??
    Wir haben vor, vorher hier in Japan zu heiraten, aber das wird auch schon ein ziemlicher Papierkrieg. Mir graut jetzt schon vor dem ganzen Theater. *seufz*

    Immerhin hast du es jetzt hoffentlich bald hinter dir und kannst endlich damit anfangen die Zeit mit deinem Freund zu genießen.

    Oktober 28, 2012 um 9:56 am

  5. Nuja, ist halt teutsche Gruendlichkeit. Kennen wir alles. Schoen, dass es dann doch noch geklappt hat – der Amtsschimmel wieherte!!

    Oktober 29, 2012 um 12:34 am

  6. nebo

    Beim Heiraten wird’s erst richtig lustig. Wir (deutsch/mongolisch) hatten das im Juni „beantragt“ (ja!), um zur Geburt des Babys im Oktober einen einheitlichen Namen bieten zu können, beendet war der Zirkus aber erst im Februar des Folgejahres. D.h. Baby musste nochmal neue Urkunden (beantragt und dann)bekommen. Ein schmackhafter Anreiz, diese Ehe nicht scheiden zu lassen, haha..

    Oktober 29, 2012 um 10:18 pm

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