Deutschland mit japanischen Augen sehen… Teil 2 – Köln mal ohne Kölsch

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Davon mal abgesehen, dass man Kölsch nun wirklich nicht als trinkbar bezeichnen kann ( und schon garnicht wenn man jetzt Düsseldorfer ist…) – es zog uns aus anderen Gründen in die Stadt.

Der Herr wollte den Dom sehen.

Nicht mehr und nicht weniger. Achso, und vielleicht nochmal über die Hohenzollernbrücke gehen. Aber das wars dann auch schon.

Für Japaner ist die Gegend hier irgendwie nicht so berauschend. In den meißten Reiseführern widmen sich grade mal 1-2 Seiten dem Ruhrgebiet und den umliegenden Örtchen. Düsseldorf? Was ist das?!

Nun da wir keine großartige Zeit hatten aus der Region herauszukommen, musste sich der Herr zwangsweise mit den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung zufrieden geben. Garnicht so einfach, da selbst in google die Informationen zu Ausflügen in die Umgebung sehr spärlich gesäht sind.

Somit fiel unsere Entscheidung auf einen Tagesausflug nach Köln. Einmal den Dom hochkrakseln.

Das letzte Mal war ich in Köln vor… uuuhm… 15 Jahren?!
Damals war es noch was ganz besonderes weil ich in Hannover wohnte – da war eine Reise nach NRW DAS Ereignis schlechthin. Aber ganz ehrlich.. seit ich in NRW weile, habe ich mich nicht ein Stückchen für Köln interessiert.

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Nun ja, was macht man nicht alles für die Männer, Sonntagskleid raus und ab ins Auto.

Köln per Auto – nicht empfehlenswert. Alles verdammte Einbahnstraßen! Und man kommt da nicht mehr raus?! Selbst unser Navi hat irgendwann entnervt aufgegeben und nur noch mit „Please make a U-turn! … make a U-turn… NOW MAKE A F******* U-TURN!!!“ gepiepst.
Ich saß mindestens genauso genervt auf dem Beifahrersitz und hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Kinder unter Kontrolle zu halten, das Navi irgendwie ruhig zu stellen, das sich plötzlich einschlatende Radio abzuwürgen, uns irgendwie durch diese verdammte Stadt zu navigieren und nebenbei noch unglaublich gut und ungestresst auszusehen.

Ok, der letzte Teil ist gelogen.

Endlich ein Parkhaus. Preis war zu dem Zeitpunkt auch schon egal – die hätten auch 10€ die Stunde nehmen können (so wie in Amsterdam…..) und wir hätten trotzdem dort geparkt.

Mit großer Erleichterung sprangen wir alle aus dem Auto und stürmten ans Tageslicht.

Ein wenig verwundert stellten wir fest, dass wir wohl direkt unter dem Dom geparkt hatten – umso besser, so konnten wir wenigstens nicht das Parkhaus vergessen.

Dann ging es los. Dom von außen. Dom von vorne. Dom mit Brunnen. Dom von der anderen Straßenseite. Dom in Nahaufnahme. Dom von innen. Gemälde im Dom. Bilder im Dom. Statuen im Dom.

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Arrrrgh! Im Schneckentempo bewegten wir uns vorwärts und die Kinder fanden es (verständlicher Weise) alles andere als spannend.

„Nein Mia, ihr könnt hier nicht Himmel und Hölle spielen.. ich glaube das mögen die Heiligen hier nicht ganz so sehr..“

Ich ging also mit den Kindern schonmal ein wenig vor und wartete gespannt darauf, wann er es bemerken würde.
Zu meiner Überraschung dauerte es dann doch nicht so lange und er gestand ein wenig schlecht gelaunt genau das, was ich auch die ganze Zeit dachte – wir haben schon schönere Kirchen von innen gesehen.

Gut, von außen ist der Dom wirklich beeindruckend, aber irgendwie kommt drinnen kein „feeling“ auf.

Wir beschlossen, einmal auf den Dom zu steigen. Mit den Kindern. Dumme Idee. Irgendwas um die 500 Stufen in einem engen Spiralgang in dem zwei Erwachsene schon große Mühe haben, nebeneinander zu stehen. Wir wollen garnicht erst davon sprechen wie das ist, wenn sich zwei Erwachsene, einer davon leicht übergewichtig und mit voller Kameramontur, aneinander vorbeizuquetschen versuchen… Dazu kommt noch, dass man ja immer auf der rechten Seite geht. Nur- bei einer Spiraltreppe sind die Stufen rechts halt sehr schmal. Das Kinder da nicht so den Halt drauf finden (und Erwachsene mit ihren Riesenfüßen noch viel weniger) schien einigen von oben kommenden nicht zu passen. So wurde geschubst und gedrängelt was das Zeug hält und ich sah mich die ganze Zeit mit der Frage konfrontiert was ich wohl bei einem eintretenden Notfall machen würde…

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Wir kamen heile oben an. Außer uns waren nur ein paar Niederländische, jede Menge Deutsche und ein paar vereinzelte Chinesische Touristen anwesend. Daher hielt ich für ein paar Sekunden lang den Atem an, als uns von einer deutschen Bratze (um die 16 vielleicht) ein „Och, immer diese F****ing Japaner überall! Ist voll zum Kotzen!“ engegenscholl.
Gut, dass der Herr noch kaum Deutsch verstehen kann… und ich übte mich mal wieder im Fremdschämen.

Aber zumindest die Aussicht von oben ist wirklich schön..

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Heile wieder unten angekommen, mit wobbeligen Beinen versuchend das Gleichgewicht zu halten, schlug der Hunger zu.

Wie so oft während dieser Reise gab es erstmal die Frage: Was essen wir jetzt? Und darauf die immer gleich lautende Antwort: Hmm.. in meinem Reiseführer steht nicht das es hier ein gutes japanisches Restaurant gibt. Lass uns Italienisch essen gehen.

„Italienisch“ ist übrigens das Codewort für „Spaghetti Carbonara“. Wie ich herausfand ist das fast das einzige Essen, dass er ohne großen Kampf akzeptiert.
Ich hatte keine Lust auf Diskussionen und somit fielen wir im nächsten italienischen Restaurant ein, das wir finden konnten.

Danach streiften wir noch ein paar Runden durch die Stadt, schauten uns die ganzen Liebes-schlösser an der Hohenzollernbrücke an, scheuchten die Kinder über den Marktplatz und fielen schließlich ziemlich erschöpft wieder ins Auto.

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Der Teil mit „Autofahren in Köln“ wiederholte sich an dieser Stelle nochmal. Haargenau so. Nur, dass ich mir keinerlei Mühe mehr gab ungestresst und sexy auszusehen. Die Kids haben es auch nur ganze 10 Minuten durchgehalten und schlummerten dann fröhlich vor sich hin…

Wir ließen den Tag am japanischen Tempel in Düsseldorf ausklingen.. ein recht hübsches Fleckchen Erde, dass doch tatsächlich einen Hauch Japan wiederzugeben vermag.
Vielleicht setzt ich mich mal an einen Post über „Japan in Düsseldorf“…
Nach einem spontanen Streifzug durch die Wohngegend rund herum (aka. das japanische Viertel) beschloss meine bessere Hälfte auch spontan, dass wir und dort eine schöne Wohnung suchen werden sobald er hier ist – und wir es uns leisten können… ich fange dann schonmal an zu sparen……

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8 Antworten

  1. Chrissi

    Hallo ihr 🙂 Ich fahr am Montag nach Bonn in ein Archiv und will auf jedenfal am Wocenende Köln besuchen. Kannst du mir vielleicht ein gutes Hotel empfehlen? Ich hab hier bei denen schon geschaut und die Preise sind eigentlich ganz ansprechend, nur weiß ich noch nicht wo ich mir eins holen soll. Wo wart ihr denn?

    Mai 25, 2012 um 11:08 am

    • Da ich in Düsseldorf wohne, ist es bis nach Köln nur ein Katzensprung der ohne Hotel bewältigt werden kann.
      Bei meinem ersten Köln-ausflug habe ich in einer Jugendherberge in Deutz genächtigt, quasi direkt auf der anderen Seite der Hohenzollernbrücke und damit nur wenige Minuten Fußmarsch vom Zentrum weg. War ganz ok da, ist aber auch schon gut 15 Jahre her.
      Würde ich jetzt nach einem Hotel in Köln suchen, würde ich nach den Kriterien gehen- Preis, Entfernung vom Zentrum, Frühstück dabei und Bewertung – aber es kann ja sein, dass du ganz andere Ansprüche und Preferenzen hast als ich 🙂

      Mai 25, 2012 um 11:24 am

  2. Chrissi

    Ah okay. Trotzdem danke für die schnelle Antwort. Weißt du eigentlich wieso es in Düsseldorf soviele Asiaten (auch Japaner) gibt? Und nochmal ein Lob: das Layout deines Blogs gefällt mir sehr gut!

    Mai 25, 2012 um 4:21 pm

    • Lob ist immer gut 🙂 Danke!
      Mmh.. da du fragst… werde zum Japantag, also zu nächstem Wochenende, was darüber schreiben da das so gut passt.
      Hab mir da schon so einige Gedanken zu gemacht und muss nun nur noch schauen, wie ich es umsetze.

      Mai 26, 2012 um 7:51 am

  3. Cornelia

    Nächstes mal fahrt ihr die 30min länger nach Bonn 😉 Da ist schön, da ist Uni, da ist alt und da ist Wiese 🙂 Und die Münsterkirche ist sogar noch älter als der Kölner Dom 😛

    Mai 25, 2012 um 5:52 pm

  4. Rose ich find dich gar nicht mehr auf Facebook geschweige den deine Blogseite…. :(((( *sorgenmach* Hoffe geht dir gut. Lg Cori

    Juni 11, 2012 um 10:20 pm

    • Nein nein, liebe Cori, mich gibts noch – nur nicht mehr auf Facebook. Mein Stalker hat versucht mein Profil und meine Seite zu hacken und daraufhin habe ich endgültig den Stecker gezogen.
      Um mich selbst ein wenig zu schützen und diesem Menschen nicht auch noch mehr Futter für seine wirren Gedanken zu geben, habe ich auch vorerst vom weiterschreiben hier abgesehen. Ich denke, dass aber nun genügend Zeit vergangen sein sollte…

      August 16, 2012 um 1:21 pm

  5. Mist – bin mit einem Kommentar wohl etwas spät dran, was?! Verdammtes Real-Life.

    Also ist es mit dem Kölner Dom und deinen Kleinen genau so eingetreten wie Du es ja schon beschworen hast. Die anderen „schönen“ DInge hast Du bestimmt auch schon vorher erahnt, nicht wahr? Sag mal: Ist das ’ne masochistische Ader oder kann man das unter Liebe verbuchen? 😉

    Und kommt der Beitrag zum Japantag noch? Ich war Real-Life-mäßig noch bis 17h im Büro und habe es mir dann dieses Jahr geschenkt. Das Programm bei der Hauptbühne hat mich zudem auch nicht vom Hocker gerissen.

    Juli 8, 2012 um 10:16 pm

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