Deutschland mit japanischen Augen sehen… Teil 1 – von Süd nach Nord nach Süd

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Immer wenn ich mit meiner besseren Hälfte unterwegs bin, frage ich mich wie er wohl die Reise sieht, was für ihn interessant war, wie unterschiedlich unsere Ansichten wohl sind..

In Japan gleicht sich das recht stark an. Wir mögen beide die ruhigen und Touristenfernen Orte lieber, freuen uns wenn wir inmitten der japanischen Pampa stehen und die Sterne bewundern können, haben noch nichtmal Differenzen auf Grund der Musikauswahl – und nur ganz ganz selten gibts mal eine Diskussion über Essen (meißtens dann, wenn ich nicht schnell genug sage, dass das Essen „tottemo oishiiiiiiii!!!“ ist – oder wenn ich mal wieder zu lange brauche um die handgeschriebenen Kanji auf der Karte zu entziffern..).
Ich habe das Fotografieren sogar mehr oder minder aufgegeben, da wir eh das gleiche knipsen und er (noch) die bessere Kamera hat..

In Deutschland dagegen sieht das ganze anders aus. Es werden die Touristen-hochburgen angepeilt und ich fange am Besten garnicht vom Essen an, denn das würde den Rahmen hier erheblich sprengen.

Auf Grund des vorhandenen Dauerzeitmangels fiel unser Reiseplan auch recht schlicht aus. Frankfurt – Göttingen- Hildesheim – Düsseldorf – Soest – Heidelberg – Rothenburg o.T. und zurück nach Frankfurt. Nichts wildes wie zuvor befürchtet und in Frankfurt haben wir auch nur den Flughafen und unser Hotel gesehen.

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Auf dem Weg in meine Heimatstadt Hildesheim, legten wir einen kurzen Zwischenstopp in Göttingen ein „um die Uni anzuschauen“ wie er so schön säuselte, denn dort kommen einige der klügsten Köpfe der Physik her – und da der Herr ja studierter Physiker ist, trippelten wir alle brav einmal durch Göttingen.
Gut, für mich ist das jetzt nich soooo besonders, denn in der Stadt war ich schon einige Male, die alten Gebäude kannte ich auch schon und für die Kinder waren dann auch eher Eiscaffee und Spielplatz interessant, aber die Augen meiner besseren Hälfte leuchteten – somit waren wir alle zufrieden (gut.. die Kinder waren erst nach einem Eis so richtig zufrieden…)

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Nebenbei bemerkt, am vorherigen Tag brauchte man draußen noch quasi einen Wintermantel – dann in Göttingen überfiel uns plötzlich der Hochsommer. Ein hoch auf NICHT VORHANDENE Sommerklamotten.

Die Altstadt abgehakt, war der Herr irgendwie trotzdem nicht recht zufrieden. Die Uni wollte er sehen. Die für Physik. Ortskundige wurden also ausgequetscht warum denn bei den alten Gebäuden das gesuchte nicht dabei war – und siehe da, die Abteilung für Physik war vor ettlichen Jahren ausgelagert worden und findet sich nun 10 Minuten per Auto entfernt.
…natürlich sind wir sofort dort hingefahren…. aber der Anblick war eher enttäuschend.
Keine Historischen Gebäude mehr. Nur moderne Glas- und Betonbauten mit herzlich wenig charme und spärlich verteilten Infotafeln.
Nach einer halben Stunde angespannter Diskussion inklusive google und Wikipedia Befragung – wohlgemerkt immernoch in der knallenden Sonne- konnten wir ihn dann doch noch dazu bewegen, Göttingen als abgehakt zu erklären und unseren Weg fortzusetzen.

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Auf nach Hildesheim! Da waren wir letztes Jahr schonmal, somit sparten wir uns das Touristenprogramm durch die Stadt, genossen die Zeit mit der Familie und verschafften ihm die Gelegenheit grobe Mettbratwurst zu grillen.

Jetzt sind wir ja doch beim Essen gelandet.. gut.. ich mache es kurz…

Japanische Würstchen sind so ziemlich das Schlimmste (neben Natto) was man nur essen kann! Vor allem, wenn man aus einem „Wurstparadies“ wie Deutschland kommt! Als mein Männe das erste Mal in good old germany Würstchen probiert hat, entwickelte sich eine tiefe Zuneigung…….. und seit dem bettelt er immer darum, doch bitte bitte zu grillen wenn er im Land ist.

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Wir grillten also was das Zeug hielt, besichtigten dazwischen noch das kleine Schloss Marienburg, das wunderschön in den Hügelchen um Hildesheim trohnt (ist wirklich einen Ausflug wert!) und grillten weiter, bis wir zurück nach Düsseldorf aufbrechen mussten.

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Vollgefuttert und mit Jetlag. Ein Spaß sage ich euch! Streckenweise sind wir mit 60!!! über die Autobahn gerollt! Für die 300km haben wir um die 5 (!?) Stunden gebraucht… aber wir sind sicher und heile angekommen. Er ist halt doch ein guter Fahrer, der lieber eine Runde Pause macht statt Gas zu geben und uns in die nächste Leitplanke zu befördern.

Tja.. in Düsseldorf ist alles beim Alten geblieben. Die Kinder wurden in Schule und Kindergarten gescheucht und wir haben das ganze Bürokratenzeugs erledigt, dass so gemacht werden muss wenn jemand versucht in Deutschland Fuß zu fassen…

In seiner Sicht ist Düsseldorf für Japaner ein guter Ort zum leben. Es gibt ein japanisches Viertel (nein, nicht die Immermannstraße!), eine japanische „Einkaufsmeile“ mit Supermärkten die so ziemlich alles haben was man braucht (Immermannstraße) und viele Einrichtungen die für einen Japaner hilfreich bis unverzichtbar sind.
Ganz zu schweigen von den Restaurants die sich hier so tümmeln.
Sogar einen kleinen Tempel gibt es. Plus Kindergärten und einer Schule. Und japanische Kaffeekränzchen der Damenwelt. Und gemeinsame Aktivitäten der jap. Gemeinde. Und und und….
Der einzige Haken – es ist teuer. Wer in Düsseldorf japanisch leben will, muss meißt tief ins Portmonait greifen..

Nun ja, nach Bürokratenzeugs ist man meißt sehr hungrig, dementsprechend probierten wir uns durch ein paar der Restaurants. Einige davon kannte ich vorher schon, in andere hatte ich mich noch nicht hineingewagt.
Am schönsten fanden wir alle 4 jedoch das Essen im Takumi, da wir den Tatami Platz ergatterten und somit bequem sitzen und und unsere Ramen schlürfen konnten. Bfs Wertung fiel dementsprechend mit „fast wie zu Hause!“ auch sehr gut aus – nur am Preis gab es natürlich was zu meckern, da die heimatliche Schüssel Ramen etwa die Hälfte weniger kostet…

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2 Antworten

  1. Chrissi

    Die Bilder sind so süß 🙂 Vor allem das erste und das letzte. Lecker Ramen schlürfen und dein Sohn sieht schon wirklich so aus als sei er ein Profi 🙂

    Mai 25, 2012 um 11:13 am

  2. Im Schlürfen habe ich in Japan kläglich versagt. Gewollt, aber nicht gekonnt. ;(

    Mai 25, 2012 um 5:14 pm

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