Archiv für Januar 22, 2012

Von Neujahr, Hatsumode und einer kleinen Reise zum Fujisan..

Hui.. jetzt komme ich hier aber ganz schön durcheinander mit den Sachen die ich eigentlich noch über den letzten Sommer schreiben wollte, und den Sachen die sich aktuell nur so überschlagen..

aber gut, das Wetter draußen sagt mir mit seinen 2 Grad, dass Winterliches momentan besser passt daher werden die letzten Sachen vom Sommer später folgen..

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Nach der Beerdigung kam Neujahr -und ging relativ leise auch wieder.

Neujahr in Japan ist anders. Gut, dass weiß man nun irgendwie schon so einigermaßen, aber wenn man selbst mitten drin steckt ist es nochmal etwas anderes.

Außerdem hat mein Freund an Neujahr Geburtstag, aber auch das ist hier keine allzu große Sache. Wir waren an Silvester schon weit vor Mitternacht im Bett. Der ursprünglich geplante mitternächtliche Schreinbesuch konnte ja auf Grund der Umstände nicht stattfinden und somit verschoben wir Hatsumode (das Neujahrsgebet) auf später und in einen Tempel da man dort keine Torii passieren muss.

In der Woche nach Neujahr sollte man viel Geduld bei einem Schrein- oder Tempelbesuch mitbringen, denn ganz Japan begibt sich in dieser Zeit dort hin.

Wir rangen uns zu einem Familienausflug durch zu einem recht bekannten Tempel ( Kasamori-ji) in Chiba. Das besondere, es ist der einzige Tempel in Japan, der durch Holzkonstruktionen auf allen vier Seiten auf einer Art Felsen sitzt – und er ist auch schon ewig alt (wurde irgendwann um 784erbaut). Der wohl berühmteste Tempel mit einer Holzkonstruktion (allerdings nur auf 2 Seiten) ist der Kiyomizudera in Kyoto. Das nur nebenbei..

Wir stellten uns in die endlose Schlage in der Kälte, trippelten eine gute Stunde lang im Schneckentempo vorwärts, wuschen unsere Hände im eisig kalten Tempelbrunnen und zu guter Letzt zogen wir auch noch brav unsere Schuhe aus um die steile Treppe zum Tempel zu erklimmen. Nochmal eine halbe Stunde bis wir endlich ins Heiligste schlurften. Eine kurze Einweisung wie gebetet werden soll. Hier benutzt man das 2-2-1-1 prinzip.. Zuerst wirft man eine 5 yen Münze in den bereitstehenden Kasten, dann folgt 2x klatschen, 2x verbeugen (einmal leicht und einmal tief) , beten, verbeugen (tief).

Alles ganz einfach, oder? Bis jetzt habe ich 6 oder 7 solcher Reihenfolgen in mein Hirn gebrannt, mal schauen was noch kommt…

Mit den Menschenmassen wieder nach draußen geschoben, noch ein paar Leckereien an den Fressbuden geknabbert, das obligatorische Omikuji gezogen (es ist kein gutes Jahr um zu heiraten oder Kinder zu bekommen~ aye~ und ich werde verlorene Sachen auch nicht wieder zurück bekommen..)

Weiter ging es zum Tokyo Deutsumura – dem deutschen Dorf in Tokyo (besser in Chiba…) wo jeden Winter die „Weihnachtliche“ Beleuchtung angeschmissen wird.. seht selbst..

Bf hatte ganz schön zu knabbern während der Tage um Neujahr.. das erste Mal ohne Vater. Das erste Mal ohne die Strukturen, die sich seit 8 Jahren eingeprägt haben. Das erste Mal ohne einen Besuch im Krankenhaus.

Ebenso seine Mutter und Schwester. Daher beschlossen wir, eine Kurzreise in Richtung Hakkone und Fujisan zu machen und die Gedanken wieder in andere Bahnen zu lenken.

Gesagt, getan – auf nach Hakkone. Unser erster Weg führte uns zum Museum des kleinen Prinzen. Ein recht interessantes Museum über das Leben des Antoine de Saint exupery – auch wenn ich immernoch finde, dass dieser eine überragende Ähnlichkeit mit Mr. Bean hat…

Danach fuhren wir ins Hotel, ein traditionelles Ryokan. Wir kamen recht spät an und es war schon fast Zeit fürs Abendessen. Zu viert teilten wir uns das Zimmer.. ein ein wenig komisches Gefühl. Ich wurde zwischen meinem Freund und seiner Schwester plaziert, Okaasan schlüpfte sogleich in den bereitliegenden Yukata. Ein Dienstmädchen (öhm.. naja, eigentlich geht das Personal da so um die 50 los….) klopfte an und fragte ob wir schon bereit zum Essen wären. Joa, waren wir wohl – und so fing sie an aufzutischen. Eine halbe Stunde. Und dann stand noch immer nicht alles. Ein richtig traditionelles Essen nach den strengen Regeln der japanischen Küche zusammengestellt.. Ein Traum..

(das war erst der Anfang…)

Nach dem Essen habe ich beim Onsen allerdings gekniffen… mit Okaasan und Schwester zusammen baden gehen war mir dann doch etwas..

Am nächsten Tag verließen wir das Hotel schon wieder und machten uns auf den Weg zum Hakkone open air art museum. Mit einer Seilbahn ging es einen Berg hinauf, den Berg halb wieder hinunter, wir landeten im 大涌谷 ( Owaku dani) und plötzlich stach mir der Geruch von faulen Eiern in die Nase.. die gelb qualmenden Dinger im Berg waren Schwefelquellen.. Roch nicht wirklich lecker, sah aber interessant aus. Wir kauften eine Tüte mit der hiesigen Spezialität „Kuro Tamago“ .. Schwarze Eier. Gelöste Sulfate und Eisenionen färben die Schale vom Ei schwarz ein, das Ei selber hat einen leicht schwefelig-salzigen Geschmack.  Ich begnügte mich dann doch lieber mit Yakidango

Weiter zum Museum..

Mit der letzten Seilbahn fuhren wir wieder zurück zum Auto und machten uns auf den Weg zum Fujisan.. genauer, zum Fuji Milk Land. Dort bezogen wir ein gemütliches Häuschen mit zwei Etagen und einem berauschenden Blick auf Fujisan. Es war zwar schon dunkel, aber aus unserem Schlafzimmerfenster hatten wir einen wundervollen Blick auf den Vulkan und einen berauschenden Sternenhimmel..

(Blick aus unserem Fenster)

Am nächsten Morgen erkundeten wir zunächst die Umgebung und fuhren dann zum Tanukiko. Das letzte Mal als wir dort waren, campten viele Familien am See und wir hatten leider keinen Blick auf Fujisan. Diesmal schlug uns die eisige Kälte um die Ohren. Trotzdem campte eine einzige mutige Familie am See und wir machten einen kleinen Spaziergang.

Es ist selten, Fujisan so perfekt und gänzlich ohne Wolken zu sehen. Leider war es zu windig um die Reflektion im Wasser sehen zu können, aber eine Menge Fotografen schienen genau auf den Augenblick zu warten.

Alles hüllte sich in das sanfte Rot der Abenddämmerung und nach einer gefühlten Million Bildern machten wir uns auf den Rückweg in unser Häuschen.

Mit ein wenig Zoff und Hektik checkten wir am nächsten Morgen schweren Herzens aus und begaben uns auf den Rückweg nach Chiba.

Zumidest so halb, denn unterwegs fuhren wir Shiraito no Taki an, einer Reihe von sehr bekannten Wasserfällen. Hier hat sich seit meinem letzten Besuch einiges verändert.. Das Erdbeben hat auch hier starke Spuren hinterlassen. Die Felsen sind zum Teil abgebröckelt und in den zusammenbetonierten Plattformen aus Kletterfelsen klaffen tiefe Risse. Nun ist fast alles mit Absperrgittern und Warnschildern versehen, auch die kleine Brücke die zu den Wasserfällen führt  hat Schaden genommen, ist allerdings noch begehbar..

Weiter ging es zu einer Fahrt rund um die  Seen am Fujisan

Zuletzt machten wir Halt in Oshino Hakkai (die 8 Quellen des Mt. Fuji).

Oshino Hakkai ist besonders für seine glasklaren Quellen und Teiche bekannt. Das Wasser schimmert in einem intensiven Blau und man kann selbst bei 8 Metern Tiefe noch jedes Detail am Grund sehen.

Die restlichen Tage verbrachten wir sehr ruhig in Chiba mit ein paar Ausflügen ans Meer.. und dann war unsere gemeinsame Zeit auch schon wieder vorbei..

Wir hatten in der ganzen Zeit zwar nicht wirklich die Gelegenheit für uns zu sein (gut, außer den 2 Stunden nach meiner Ankunft), aber trotzdem war die Zeit sehr intensiv. Viele Dinge empfand ich als Zerreißproben für unsere Beziehung, aber trotz aller Schwierigkeiten haben wir es zusammen durchgestanden und sind uns jetzt noch ein Stück näher als zuvor.. Wir werden sehen, was uns die Zukunft bringt..