Karatsu

Mein freier Tag- das musste genutzt werden und so machte ich mich auf den Weg nach Karatsu. Tabibito hatte das vor einiger Zeit mal in einem Kommentar empfohlen und somit bin ich dem Ruf gefolgt. Es hat sich gelohnt.

Der knuffelige Expresszug, den ich in Imajuku (Fukuoka Prefektur) bestieg, tuckelte gemütlich an der Küste entlang, gut eine Stunde mit Meerblick bis Karatsu. Karatsu ist die größte Stadt der Präfektur Saga. Wie der Name (Kara – China , tsu – Hafen) schon sagt, war dies eine der bedeutensten Handelsstädte zwischen Japan, China und Korea.

Umgeben vom Meer ragt das Schloss von einer art Halbinsel über die Stadt. Ein kleiner Fluss mit vielen Brücken bietet ideale Spots für nette Erinnerungsfotos.

Leider ist ein Teil des castles momentan „under construction“, aber zumindest bezieht sich das nur auf den Garten und einen Wachturm am Hang.

Am Bahnhof mit einer Stadtkarte ausgerüstet, suchte ich mir meinen Weg in Richtung Castle. Je nachdem welche Strecke man wählt, kommt man entweder an einem großen Tempel vorbei, oder an unzähligen kleinen Brücken. Für den Hinweg wählte ich die Tempel-tour, für den Rückweg dürft ihr mal raten…..

Den größten Tempel erreicht man vom Bahnhof aus in ungefähr 10 Minuten.

Es war heiß..sehr heiß. Nach der Fotosession am Tempel schlich ich mich durch die kleinen versteckten Winkelstraßen in der Hoffnung, der Hitze ein wenig zu entgehen. Klappte auch ganz gut, nur bescherte mir das eine chearmante Begegnung.

„eey!“ schallte es hinter mir. Rotzlöffel dachte ich mir, und ignorierte es. Es quietschte hinter mir und plötzlich fühlte ich einen Schlag auf meiner Schulter. Nicht Kumpelhaftes schulterklopfen, nein, ein richtiger Schlag der schön gebrezelt hat. Gut, drehe ich mich also um. Steht da ein alter Opa mit seinem Drahtesel.“Where you from!“ brüllt er mich im feinsten Verhörton an. „Deutsu. Deutsujin desu.“ War meine Antwort. „Where you from!!“ mit mehr Nachdruck. Ich seufzte, setzte erneut an und hängte an das „deutsujin desu“ noch ein „German. I´m from Germany.“ dran. „WHERE YOU FROM!!!!“ schallte es erneut zurück. „D-e-u-t-s-u-j-i-n da yo! baka“. Sorry, aber das konnte ich mir nicht verkneifen. Auch wenn ich jetzt wahrscheinlich die unhöflichste Gaijin der Welt bin. Seine Reaktion darauf war „Eeeeeeh? Nihongo wakarimasu?“ Japp, ich kann dich verstehen. „Where you from?“ Öööhm.. schon wieder? Zumindest hatte er es danach verstanden, schwang sich auf seinen Drahtesel und rauschte von Dannen. Danke für das Gespräch?

Ein paar Minuten später kam ich in Sichtweite des Castles. Schnell ein paar Fotos von einer Nahegelegenen Brücke gemacht und auf zum Hügelchen.

Das Hügelchen bietet zwei Optionen – entweder man quält sich in der Hitze die Stufen zur Spitze hoch, oder man wählt ganz bequem den Hightech Fahrstuhl.

Ratet mal, was ich gewählt habe……….

Die Treppen natürlich! Selbstmörderisch quälte ich mich Stufe um Stufe nach oben. Ein kleiner Garten auf Hälfte des Anstiegs und komplett mit einem Dach aus irgendeiner netten Pflanze überwuchert, dient als ideales Versteck vor der Sonne und als netter Platz zum ausruhen. Gratis dazu gibt es den Ausblick aufs Meer.

Endlich oben angekommen und das Eintrittsticket für 400 yen gekauft, genoss ich die Museumsausstellung im Schloss, die sich über 4 Etagen erstreckt und hauptsächlich Kunstgegenstände zu bieten hat. Die 5. Etage ist eine Aussichtsplattform, von der aus man einen genialen Blick über Kuratsu und das Meer hat.

Ganz in den Träumereien vom Anblick versunken, bemerkte ich garnicht das hinter mir ein Wachmann auftauchte. Als ich ihn realisierte, sah ich ihn nur immer wieder auf seine Uhr schauen. Punkt 17:00 fing er an, die Türen zur Aussichtsplattform zu schließen. Meine Anwesenheit bereitete ihm sichtbares Unbehagen, also packte ich schnell meine sieben Sachen zusammen und machte mich aus dem Staub. Pünktlich zum Einsetzen von „Auld lang Syne“ aus den reichlich vorhandenen Lautsprechern. Ist ja gut, bin ja schon weg.

Für den Rückweg schlenderte ich gemütlich das Flussufer mit den zahlreichen Brücken entlang. Der Fluss war zwar eher ein dünnes Rinnsal mit reichlich Schlamm, aber ich denke zu einer anderen Jahreszeit wird das hier auch ganz schön aussehen. Zumindest lädt dieser Wasserstand zum Krebse fangen ein, die hier reichlich vorhanden sind.

Schließlich zurück am bahnhof angekommen, endete mein Ausflug in diese nette Stadt auch schon. Wie der Tag weitergegangen ist, konntet ihr ja meinem vorherigen Post entnehmen..

Aktuelles: Ich bin gut bei Bf angekommen und wir haben erfogreich das Apartment in Sakuragicho (Yokohama) bezogen. Heute den Tag zum einkaufen genutzt und dann meinen Kerl in der Küche abgestellt zum kochen! Yay! So muss das sein – in Unterwäsche! …war dann aber nach dem Essen ganz das Frauchen und habe brav abgewaschen während er sich „vom essen erholt“ hat.

Nun sitzen wir (mitten in der Nacht) vor der Flimmerkiste und schauen das Finale der Frauen Fußball WM. Gut, ich gebe zu – er schaut und ich schreibe diesen Beitrag hier.. aber Ganbarou Nihon!

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2 Antworten

  1. Ernst

    Da kann dein Kerl ja froh sein, dass er nicht in Tabi kochen musste. Aber denke, das ist auch nur eine Frage der Zeit. 😉

    Ich hätte mich übrigenes auch für die Treppe entschieden, wenn ich irgendwo neu /fremd bin, muss ich soviel wie möglich ablaufen damit ich auch ja nix verpasse. Und abends qualmen dann die Socken. >.<

    Schöne Bilder, danke dafür.

    Juli 19, 2011 um 4:50 pm

  2. Irgendwann werde ich ihn dazu bringen in Tabi zu kochen.. irgendwann.. 😀

    Mir gehts mit dem erkunden von neuen Gebieten genauso. Die besten Orte findet man eigentlich immer dann, wenn man sich irgendwo verläuft. Ich mag es, ein bisschen Abstand zur Touristenmasse zu haben, somit wähle ich immer die längeren Wege, Umwege oder was mir sonst noch so über den Weg läuft.

    Natürlich kommt man um die Touristenmasse in Japan nicht immer herum, aber zumindest kann ich hinterher sagen, dass ich das alles alleine für mich „entdeckt“ habe und nicht irgendeine geführte Bustour mit „schnell aus dem Fahrzeug springen und alle das selbe langweilige Foto machen“ gemacht habe…
    Ergo – wenn abends die Socken nicht qualmen, habe ich was falsch gemacht!

    Juli 20, 2011 um 10:39 am

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