Ein Ausflug zum Takaosan

Ein schönes Ziel für eine Tagesausflug bei schönem Wetter ist der Takaosan.

(hier leider ohne schönes Wetter..)

Unweit von Tokyo liegt dieser relativ kleine Berg (599 meter hoch) in der Stadt Hachioji.

Mit dem Zug von Tokyo aus kommt man nach etwa einer Stunde am Bahnhof „Takao“ an.

Wer gerne nicht sooo weit laufen möchte, kann hier in den nächsten Zug mit Ziel „Takaosan-guchi“ wechseln. Da steht man dann quasi wirklich schon am Fuße des Berges.

Ich hatte ein wenig Zeit an einem schönen Sommertag und beschloss spontan (wie ca. 90% aller meiner Pläne zu Stande kommen) den Berg zu erkunden. Nach ein wenig Wühlarbeit durch verschiedene Websites fand ich schließlich eine Karte der verfügbaren Wanderwege und Sehenswürdigkeiten auf dem Weg und legte mir meinen Plan zurecht. Außerdem erfuhr ich, dass es auf dem Gipfel unglaublich leckere Dango geben soll – da lohnt sich der Aufstieg doch gleich doppelt!

Für den Aufstieg wählte ich Route 6, da ich unbedingt den Wasserfall sehen wollte und außerdem Seilbahnen nicht wirklich mag. Will ja schließlich was sehen vom Berg, mich ein wenig anstrengen und nicht nur doof aus einer Glaskugel rausschauen die mich ratternd zum Gipfel trägt..

Für den Rückweg überlegte ich mir verschiedene Kombinationen. Mein Favorit war, mit Route nr 5 einmal oben alles zu umrunden und dann über die Route nr 1 abzusteigen. Leider wurde da nicht allzuviel draus (eigene Blödheit), aber dazu später mehr.

Ich wählte zuerst die faule Variante und ließ mich für 120yen mehr zum Bahnhof Takaosan-guchi fahren. (Bis zum Bahnhof Takaosan kostet die Fahrt von Tokyo aus 890yen)

Dort aus dem Zug gestolpert brauchte ich ein Minütchen um mich zu orientieren, schnappte mir eine Karte (in sehr unhandlichem Format) und krakselte los. An der Seilbahnhaltestelle links vorbei.. und war verwirrt.

Sollten da nicht zwei Wanderwege sein? Nein? Also lief ich weiter. Erst nach der nächsten Kurve begriff ich, dass sich die Wege erst unterwegs zweigen. Zuerst läuft man gemeinsam auf einer Asphaltierten Straße entlang bis der eine Kurs links in den Wald abbiegt.

Mein Weg (also der Biwa-Wasserfall-Trail) war als „Naturstrecke“ angegeben mit ungefähr 90 Minuten Aufsteigezeit – für ungeübte wie mich auch das ein oder andere Minütchen mehr..

Ok, Naturpfad habe ich mir ein wenig anders vorgestellt.. die Straße war jetzt nicht so meins.. aber dann! Plötzlich endete die Straße und es ging ab auf einen Waldweg. Ein enger Pfad – es passten kaum 2 Leute nebeneinander- wand sich nun parallel zu einem kleinen Flüsschen den Berg hinauf. Unterwegs in den Felsen standen kleine Götterstatuen und die dichten Bäume machten die Sommerhitze ein wenig erträglicher.

Faszinierende natur, wunderschön gewachsene Bäume und ein niedliches kleines Flussbett..

Nach gut der Hälfte der Strecke kommt man an den Biwa-Wasserfall. Dieser war abgezäunt und ein paar Priester gossen hinter der Absperrung versteckt willigen jungen Leuten das eiskalte Quellwasser über den Kopf bzw. ließen sie unter dem Wasserfall knien und ihre Gebete herunterrattern.

Weiter den Berg hinauf. Eine Wandertruppe von Ojii-sans (Opas) kam mir entgegen. Eine Gaijin? Im Sommer? Und dann krakselt sie auch noch alleine auf einem Berg rum? Staunen. Aber die alten Herren waren alle sehr nett und ich musste bestimmt tausendmal versprechen, gut auf mich aufzupassen (気をつけてください!) Nachdem ich die schnatternde Herde hinter mir gelassen hatte, ging es ans eingemachte. Der Baumbewuchs wurde ein wenig spärlicher und die Hitze machte mir gut zu schaffen.

Treppen. Noch nie habe ich Treppenstufen so verflucht! Meine Wasserflasche neigte sich dem Ende zu und ich hatte eine Pause dringend nötig. Autsch, tat das weh die Väter mit den hüpfenden Kindern vorüberziehen zu sehen. Da kam ich mir auf einmal richtig alt und unsportlich vor. Aber aufgeben war nicht. Zum einen, weil der Abstieg ja ebenso die Hölle gewesen währe, und zum anderen weil ich unbedingt das Erfolgserlebnis haben wollte ganz alleine und selbstständig in Japan auf einen Berg gekrakselt zu sein! Jawoll!

Ich quälte mich also weiter. Irgendwann kam ich auf einer Plattform mit Bänken an. BÄNKE! Ich setzte mich, erblickte eine Karte und sprang direkt wieder auf. Alle Energie war wieder da – ich hatte es geschafft! Ich war oben angekommen und saß nun quasi auf Weg 5, dem Gipfelweg!

Fix umrundet und nichts wie auf zum Tempel. Stufen. Hatte ich grade gesagt ich habe Treppenstufen noch nie mehr gehasst? Ich nehme es zurück.. dies war definitiv mehr. Viel mehr…

Der Weg zum Tempel und von dort aus zur mittleren Plattform bestand nämlich NUR aus Treppen.

Aber der Anblick des Tempels (Takaosan Yakuōin Yūkiji) machte das alles wieder wett. So bunt und leuchtend, das hatte ich vorher noch nicht in Japan gesehen.

An einer Stelle der Tempelanlage befinden sich viele viele kleine Buddhastatuen. Als ich dort ankam, fing mich direkt ein älterer Herr ab, freute sich riesig über den Gaijinbesuch und erklärte mir irgendetwas auf Japanisch. Davon verstanden habe ich nur, dass man auf jede der Statuen ein 1-yen Stück legen soll und dann beten soll. Ich denke mir einfach mal, dass dies Schutz und Segen bringen soll?! Wer es weiß, bitte klärt mich auf – oder ich versuche es beim nächsten Aufstieg herauszufinden..

Wenn man die Tempelanlage hinter sich gelassen hat, kommt man an einen weiteren Rundweg, auf dem es unter anderem einen Affenpark, viele Verkaufsautomaten (meine Rettung) und ein paar Fressbuden gibt.

Ich stolperte zuerst bei einem Automaten über meine heißgeliebten „Yukimi daifuku“ (Eiscreme im Klebreisteig-mantel) und später über einen Stand mit unglaublich leckeren Riesendango die über Kohlen „gegrillt“ wurden und mit einer klebrig süßen Soße bestrichen eine Bereicherung für jeden Kalorienhaushalt sind. Super lecker!

(konnte mit dem Anbeißen leider nicht bis nach dem Bild warten….)

Allerdings.. fing es plötzlich an zu gewittern. Gewitter in den Bergen heißt nie was gutes und es war nah. Verdammt nah. Da ich mit Südtirols Bergen aufgewachsen bin, weiß ich das es bei Gewitter nicht ganz ungefährlich ist. Also beeilte ich mich, den Berg runterzukrakseln. Dumm nur, dass auf einmal alle Menschen um mich herum weg waren, ich also alleine den Weg hinunter stiefelte und feststellen musste, dass die Seilbahn schon geschlossen hatte. Das nennt man also Pech..

Mir blieb nichts anderes übrig, als weiter den Berg abzusteigen und als ich an eine kleine Kreuzung kam mit der Auswahl links- Takao JR und rechts- Takaosan guchi (nicht JR) musste ich plötzlich wieder an die 120yen mehr denken und habe den linken Weg gewählt.. schlagt mich für meine Dummheit.

Keine Menschenseele außer mir, gruselige Tiergeräusche aus dem Dickicht, Donnergrollen und ab und zu das grelle Licht von Blitzen, es wurde immer dunkler und ich bekam leichte Panik.

Nur noch eine Kurve.. das sagte ich mir jedes Mal.. nur noch eine und dann bin ich unten!

Ja, was soll ich sagen.. da ich nun hier schreibe habe ich es wohl geschafft von dem Berg unbeschadet runterzukommen. Allerdings nicht ohne einen kleinen Schock, denn unten angekommen musste ich mir noch den Weg durch den Regen zum Bahnhof erkämpfen. Das Gewitter mittlerweile genau über mir.

Wo zur Hölle ist ein Konbini wenn man in braucht???

Direkt vor meiner Nase schlug ein Blitz in eine kleine Brücke ein. Das war der Moment in dem ich beschloss egal was kommt, der nächste Hauseingang ist meiner! So stellte ich mich unter und wartete eine ganze Weile bis das Getöse und der Regen weniger wurde. Durchweicht und mit dem Schrecken noch im Körper fand ich dann schließlich den Bahnhof, nahm den schnellsten Weg nach Hause und war einfach nur erleichtert das Bf schon von der Arbeit zurück war……

______________________________________________________________

Ich hoffe, ich habe euch jetzt mit dem letzten Teil des Berichtes die Motivation genommen, den Takaosan zu bezwingen, denn es ist wirklich ein toller Berg und ein wundervolles Ziel für einen kleinen Ausflug von Tokyo und Umgebung aus! Außerdem kann man danach sagen „jetzt habe ich mal was Gutes für meine Gesundheit getan“ (:

Übrigens- bei gutem und klarem Wetter kann man von einer Aussichtsplattform Fuji-san sehen, im Winter sogar wenn man ein wenig Glück hat die Japanischen Alpen erspähen.

P.s.: grade auf wikipedia gelesen:

Ein populärer Großstadtmythos unter jungen Tokiotern sagt, dass Liebespaare, die gemeinsam den Takao besteigen, von einem Fluch getroffen werden, der sie sich bald darauf voneinander trennen lässt.

Man gut, dass ich Bf da nicht mit hochgeschleift habe…..

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3 Antworten

  1. Aha! Das war es also! Ein Fluch! Verdammt…….
    Btw, wenn schon billig nach Takaosanguchi, dann so:
    Tokyo-Shinjuku mit Chuo Rapid
    Shinjuku-Kitano mit Keio Shinjuku Sen
    Kitano-Tataosanguchi mit Keio Takao Sen
    560 Ocken. Billiger gehts nicht . Und ist fast
    genau so schnell. Davon ab werfen sich nicht ganz so viele Bekloppte
    vor die Keio Sen, wie vor den Chuo Rapid…….

    Juni 23, 2011 um 3:55 am

  2. Hatte zu der Zeit noch nen Railpass in Nutzung – daher die oben genannte Kombination.. warum zuzahlen wenn man es auch umsonst haben kann?!
    Aber den Tipp mit der Keio Sen behalte ich fürs nächste Mal im Hinterkopf. Durch das Gewusel mit der Arbeit ist es wohl sehr unwahrscheinlich das ich nen JR Pass bekomme – außer ich trickse ein bisschen.
    Denke ich werde die Bergtour als Stressausgleich anstreben wenn mir Bf mal wieder so richtig auf den Keks geht.
    …………..Und ja, mit Flüchen ist natürlich auf keinen Fall zu spaßen! ……………also immer schön brav alleine oder mit der/dem besten Freundin/Freund rauf – oder Kids schnappen!

    Juni 23, 2011 um 11:31 am

  3. Nicole

    Moin Moin,
    toller Bericht und wunderschöne Bilder!
    …je länger ich Deinen blog verfolge, desto mehr Appetit/Lust bekomme ich Japan zu besuchen.
    Dankeschön und herzliche Grüße aus Bremen

    Juni 23, 2011 um 12:23 pm

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