Selbstmörderische 1-Tages-Tour über Nagano, Matsumoto und Kofu

Den Reisebericht von damals habe ich wieder ausgegraben und möchte ihn euch nicht vorenthalten.

Durch den überaus netten Isländischen Vulkan hatte ich letztes Jahr im Frühling zwei Wochen Sonderurlaub in Japan. Man ließ mich einfach nicht mehr zurückfliegen. Ein JR Pass war ausgeschlossen, da ich mich ja schon IM Land befand – so blieb für ein bischen Mobilität nur der JR east Pass.

Dummerweise fielen diese zwei Wochen genau in die Golden Week rein und Bf hatte schon seine Reise nach Spanien gebucht. Eigentlich wollte ich in Spanien dazutreffen – aber wie das Leben so spielt, es sollte nicht sein.

Ganz alleine im Land der aufgehenden Sonne. Ist ja nicht das erste Mal, dachte ich mir – und irgendwie musste man die Zeit ja sinnvoll nutzen können.

Spontan in einer Nachtaktion suchte ich mir dann mehrere Reiseziele heraus, die ich in den zwei Wochen sehen wollte.

Für den hier beschriebenen Tag nahm ich mir vor, Nagano zu besichtigen. Und da auf dem Rückweg der Zug auch in Kofu stoppen sollte, überlegte ich dort auch hinzugehen.

Morgens früh fiel ich aus dem Bett, stiefelte zum Bahnhof in Ueno (mein Apartment war in Uguisudani- also nur knapp 10 minuten Fußweg), stürzte mich in den nächsten Zug – dem Asama- und stellte fest, dass ich mein Buch vergessen hatte. Mist. Zwei Stunden Zugfahrt. Die Landschaft mittelmäßig interessant. Felder, Felder, ein Dorf, Felder, Felder…

Nach 2 Stunden kam ich endlich in Nagano an. Empfangen wurde ich von Ringo-chan, dem kleinen Bärenmaskottchen mit dem Apfelhut, und von riesigen Plakaten der Olympischen Spiele.

Da ich über Nagano nicht allzuviel im Internet an Sehenswürdigkeiten gefunden hatte, war mein einziges Ziel der große Tempel. Zenkoji. Doch wie kommt man dort hin? Die Touristischen Stadtpläne sind ja ganz toll, aber irgendwie bin ich beim Thema Orientierung..egal..lassen wir das. Ende vom Lied – ich bin erstmal eine halbe Stunde lang in die falsche Richtung gelatscht. Als ich meinen Fehler bemerkt hatte, stand ich auf einer riesigen Brücke mit wundervollem Blick auf die Berge der Umgebung und einen Teil der Stadt. Nicht schlecht, das verlaufen hat sich gelohnt. Nach einem Besuch im Konbini um meinen Teevorrat wieder aufzufüllen, wusste ich dann auch endlich den richtigen Weg und folgte diesem sogleich.

Mit schmerzenden Füßen (verdammt, ich brauche neue Schuhe..) kam ich dann am imposanten Holztor des Tempels an.

Der Haupttempel (Zenkoji Hondo) ist ein schöner großer Holzbau, ursprünglich erbaut im Jahre 670.  Genauere Angaben zu Zerstörungen und Wiederaufbau konnte ich leider nicht finden, allerdings weist der Tempel schon deutliche Narben der Zeit auf, die sich in das Holz geprägt haben.

Der Tempelgarten ist ganz hübsch. Allerdings muss ich zugeben, von den Gärten in Kyoto zu sehr verwöhnt zu sein und deshalb wirkte wohl dieser Garten eher farblos auf mich. Mag auch daran liegen, dass so viele Bauarbeiten zu Gange waren.. wer weiß.

Ich genoss, dass nicht so viele Touristen den Weg hierher gefunden hatten und spazierte somit fast alleine durch den Garten.

Eindrucksvoll fand ich die Altrosa farbene Pagode.

Sattgesehen und beeindruckt von Miso- und Nattoeiscreme die es vor dem Tempel zu kaufen gab, kehrte ich zum Bahnhof zurück um nach Kofu zu fahren.

Da gab es nur ein Problem- ich musste umsteigen. In Matsumoto. Ich habe von Matsumoto vorher erst genau einmal etwas gehört. Ich hatte keine Vorstellung, keine Bilder im Kopf und wusste nur, dass es da ein besonderes Schloss geben sollte.

Die Umsteigezeit betrug 1 1/2 Stunden – genug Zeit um dorthin zu laufen dachte ich mir. Und weshalb so lange im Bahnhof schmoren, wenn man auch etwas nettes sehen kann?!

In Matsumoto angekommen, schnappte ich mir also einen Stadtplan und machte mich auf den Weg.

Tja.. Japanische Stadtpläne und ich… das hatten wir doch vorhin schonmal..

Ich landete nicht wie geplant am Schloss, aber das bemerkte ich garnicht. Ein Tempel am Weg hielt ich einfach für das Schloss und damit war für mich gut.

Was da an dem vermeindlichen Schloss nun so besonders sein sollte, war mir allerdings schleierhaft. Daher fand ich die Allee der Frösche, aka. Nawate Doori, wesentlich interessanter. Alles, aber auch wirklich alles in dieser Straße war irgendwie mit Fröschen übersäht. Begrüßt wird man von einer Froschskulptur, die drei kämpfende Frösche zeigt. Sie wurde von Kunststudenten der Stadt angefertigt. Danach folgen unzählige kleine Läden für Essen, Ramsch und günstige Yukata bzw. Haori. Kleine Froschbrunnen, Statuen, Plüschanhänger und anderes kann man dort auch sehen. Und wenn man – wie ich im Sommer herausgefunden habe – die nächste Straße abbiegen würde, so würde man auch am Schloss landen. (Dazu werde ich auch noch einen kleinen Bericht schreiben.)

Nun gut, nachdem ich Nawate Doori durchlaufen hatte, fehlte es mir an Zeit und ich musste zum Bahnhof umkehren.

Ich stellte fest, dass ich mich mit der Zeit ein wenig verrechnet hatte und in Kofu wohl kaum noch etwas besichtigen können würde. Trotzdem wollte ich dort hin.

Die Zugfahrt über starrte ich aus dem Fenster, diesmal begeistert von der Landschaft. Schneebedeckte Berge, alte Dörfer und schöne Schreine boten einen hübschen Anblick. Der Wide Vision (bestimmter Zug) machte seinem Namen alle Ehre. Und dann.. ja dann erblickte ich ihn. Zuerst dachte ich, ich hätte mich nur vertan. Aber nein, als er wieder auftauchte war ich mir sicher. Ich konnte Fujisan sehen! Ich wurde hibbelig, konnte die Ankunft am Bahnhof kaum erwarten. Die Sonne begann langsam zu sinken..

Endlich angekommen, stürzte ich aus dem Bahnhof und lief orientierungslos in Richtung „von da aus müsste man Fujisan sehen“. Ich erreichte die alten Schlossruinen von Kofu.

Obwohl bis auf die Grundmauern zerstört, ein imposanter Eindruck. Ich krakselte also die Burg hinauf und stand plötzlich in die Farben des Sonnenuntergangs getaucht an einem Punkt, von dem man Kofu überblicken konnte.

Zur einen Seite die Stadt, gehobenere Häuser, die auf Hügeln gebaut sind, auf der anderen Seite die Großstadtkulisse der Hochhäuser mit Blick auf die Schneebedecke Spitze von Fujisan. Ich setzte mich auf eine Bank und genoss den Anblick bis es zu dunkel und kalt war um noch weiter zu bleiben.

Schließlich auf den Rückweg nach Ueno gemacht und müde aber glücklich angekommen.

Infos zur Burg in Kofu (Meizuru-jo)

Toyotomi Hideyoshi (siehe hier ) gab 1583 den Befehl zum Bau der Burg. Fertiggestellt wurde die Burg allerdings nicht unter Hideyoshi selbst, sondern seinem Schwager und seinem Sohn. Nach der Schlacht von Sekigahara ging die Burg in die Hände der Tokugawa Familie über und bleib es auch bis zum Ende der Tokugawa periode. Danach, also mit Beginn der Edo periode, ging die Burg an Yanagisawa Yoshiyasu über, der sie erstmal volkommen restaurieren ließ. In der Kyoho periode wurde Yoshiyasuversetzt auf eine andere Burg und nach und nach verkam die Burg, bis sie schließlich in der Meiji periode volkommen leerstand und 1877 ein Großteil der Gebäude zerstört war. Nachdem die Ruine ihren Stand als industrielles Testgebiet verloren hatte, mussten weite Teite dem neuen Bahnhof weichen. Daraufhin beschloss man, einen Teil der Ruine wieder zu errichten und zu pflegen. Zwei Türme wurden nach Originalen Vorlagen wieder errichtet und dienen nun als Ausstellungsstätte für Informationstafeln über die Geschichtliche Entwicklung der Burg.  Außerdem wurde der Park der Burg neu eröffnet.

(Ein Toilettenhäuschen gibt es zwar auch – allerdings muss für „verwöhnte“ Westler mal erwähnt werden, dass es keine getrennten Toiletten gibt und die selbigen ausschließlich Japanisches „Loch im Boden“ Modell sind.. ich habe damit keine Probleme, aber andere denen das nicht so lieb ist, sollten dann lieber auf die wesentlich saubereren Bahnhofstoiletten gehen.)

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Eine Antwort

  1. obi

    Ich glaube du hast dich bei der ersten Zugfahrt versehen, würd eher sagen es war Dorf, Felder, Felder, Felder, Dorf.

    Ansonsten schöner Bericht, mir kommt es aber echt so vor dass neben der Landschaft auch alle Dörfer ca. 1:1 gleich aussehen.

    Mai 31, 2011 um 7:47 pm

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