Die wundervolle Welt der Gaijin..

Diese Nacht war schlaflos. 1 1/2 l Kaffee im Kreislauf waren wohl nicht besonders behilflich, Kinder und der ätzende Nachbar mit seinem Köter haben auch ihren Teil dazu beigetragen. Bf hat ausnahmsweise nicht geschrieben. Ich mache mir so langsam sorgen – aber es ist sein einziger freier Tag für die nächsten 3 Wochen und somit habe ich nicht vor, ihn aus dem Bett zu klingeln.

Oder erwartet er gerade das von mir?

Während ich nun so schlaflos vor mich hingrübelte, fiel mir wieder ein worüber ich eigentlich schon länger schreiben wollte.

Als ich meine erste Reise nach Japan antrat, war mein Japanisch noch nicht so berauschend. Gut, jetzt ist es noch immer nicht viel besser, aber..

Mit Bf machte ich mich auf den Weg nach Kyoto. Dort angekommen mussten wir die Strecke zum Hotel in der Subway zurücklegen und dort ergab sich folgendes: Eine Gruppe junger Japanerinnen schaute immer wieder zu uns herüber und steckte die Köpfe zusammen. Das veranlasste Bf  dazu, immer mehr Sicherheitsabstand zu mir zu halten und das Getuschel der Gruppe wuchs an. Bf wurde rot, unsere Unterhaltung immer spärlicher und schließlich sank er in sich zusammen um vorzugeben zu schlafen (Ja mein Schatz, ich weiß das das nur gestellt war.. so doof bin ich nicht. Weiß doch wie du schlafend ausschaust!) . Nachdem wir ausgestiegen waren, klärte mich Bf dann auf. Die Mädels hatten tatsächlich über uns gesprochen. Genauer- über mich.

Was tuscheln so Mädels denn über mich wollte ich natürlich wissen. Bf lief wieder leicht rot an.

„mmh..*nuschelnuschel* … it seems they envy you.“

Wie bitte was? Mich beneiden? Warum?

„Your skin is so white and they said you have such a noble face.“

…Danke? Und da wären wir wieder beim Thema Minderwertigkeitskomplex..

Ein anderer Ort, eine andere Jahreszeit – nämlich im Sommer beim Hotelfrühstück an einem der Seen des Fujisan.

Ein niedliches kleines Hotel mit einem Besitzer, der perfektes Englisch vorzuweisen hat. Somit für mich kein Grund Japanisch zu sprechen. Das Frühstück ist Europäisch, es gibt selbstgebackene Brötchen, frische Marmelade, Würstchen, Eier und Speck. Zugegeben – eine merkwürdige Kombination, aber sehr gut. Ich schweife ab..

Ich bin das einzige „weiße“ Alien dort und man freut sich überdurchschnittlich. Ich werde buchstäblich auf den Präsentierteller-platz gesetzt!

Am Tisch zu meiner Rechten sitzt ein altes Ehepaar, das verstohlen und verwundert zu uns blickt. Quer nach Rechts durch den Raum sitzt ein chinesisches Ehepaar dessen Unterhaltungen ich mit einer gewissen Faszination verfolgte (die paar Jahre Chinesisch studium haben sich echt bezahlt gemacht..) und schließlich mir gegenüber -quasi hinter Bf- sitzt ein jüngeres Japanisches Paar mit kleinem Sohn der wohl ein wenig über ein Jahr alt sein müsste.

Alle essen, nur der kleine Junge hat besseres zu tun. Er spielt unter dem Tisch, an der Tür, wuselt durch den Raum und hält seinen Vater ordentlich auf Trab bis – ja.. bis er mich entdeckt.

Große Augen.

Schnell versteckt er sich hinter Papa. Alle anwesenden lachen kurz, konzentrieren sich dann aber wieder auf ihr Essen.

Er wird mutiger, klettert auf Papas Schoß und starrt mich weiter mit offenem Mund an. Kurzer Anpfiff von der Mutter und der Mund geht zu.

Kind wuselt weiter durch den Raum, immer wieder verstohlene Blicke zu mir werfend. Irgendwann scheint dann etwas klick gemacht zu haben, denn der Kleine rennt auf unseren Tisch zu, bremst abrupt ab und bleibt mit offenem Mund vor mir stehen. Große dunkelbraune Kulleraugen.

Mama und Papa schauen kurz entsetzt, werden rot, fallen in das Lachen mit ein das mittlerweile den gesammten Raum erfüllt und entschuldigen sich mit „Tut uns leid, er hat noch nie so eine wunderhübsche Frau gesehen und es ist das erste Mal das er auf eine Gaijin trifft“. Alle anderen stimmen mit ein „Ja, das ist wohl wahr. Hübsche Frau.“ Das ganze natürlich auf Japanisch und an Bf und den Besitzer gewendet, denn ich bin ja eine Gaijin und verstehe sie nicht.

Aber mal ehrlich, wenn man solche Komplimente bekommt vergisst man ganz schnell das man übervorteilt wurde und lacht einfach mit 🙂

Als wir gingen konnte ich mir allerdings ein kleines „Dankeschön für dasKompliment“ nicht verkneifen…

Ein weniger erfreuliches Ereignis, das ich in dieser Form in Japan so noch nicht erlebt habe, hatte ich vor ein paar Wochen als ich im Book Off von Shin-yokohama nach einer bestimmten Abteilung suchte.

Book Offs sind mir generell zu groß und unübersichtlich, da ich mich an den ganzen Kanji noch nicht so gut orientieren kann. Da ich nicht viel Zeit zum suchen hatte, fragte ich eine Angestellte, die grade im Eingangsbereich dabei war Bücher zu sortieren.

Während sie sich zu mir umdreht, setzt sie an zu einem „Einen wunderwunderschönen Guten Tag, womit kann ich ihnen…“ und dann sieht sie mich. Oh mein Gott! Eine Ausländerin!

Ihren geschockten Gesichtsausdruck ignorierend, frage ich sehr höflich nach dem Standort der Handarbeitshefte für Schnittmuster und co. Ich muss die Frage wiederholen. Etwas schlecht gelaunt bittet sie mich, ihr zu folgen. Auf Englisch. Nun gut denke ich mir, folgen wir ihr mal. 4. Etage. Auf jeder Etage sorgt sie dafür, dass jeder mich anstarrt. Super. Endlich bei den begehrten Heften angekommen danke ich ihr natürlich vielmals, verbeuge mich artig und oft und wende mich schließlich den Heften zu. Was macht die herzensgute Frau? Sie geht zu ihrem Kollegen, der genau EINE Regalreihe weiter steht und beklagt sich bei ihm über die unverschämte Ausländerin, die nach komischen Sachen fragt die die böse Ausländerin doch eh nicht verstehen kann. Wie kann es überhaupt sein, dass eine Gaijin ihren Weg in den Laden findet?! So eine Frechheit aber auch! Und sie hofft, dass sie so eine wie mich nie wieder bedienen muss.

Danke liebe Verkäuferin. Ich habe so ziemlich alles verstanden was du gesagt hast. Scheinst ja ziemlich dicke mit deinem Kollegen zu sein, wenn du dir so das Herz von der Seele redest bei ihm.

Übrigens, liebe Verkäuferin, ich war zwei Tage später nochmal da. Nicht, weil ich deinen super Service vermisst habe. Nein. Einfach nur, weil es keine Gottverdammte andere greifbare Alternative gab! Und soll ich dir nochwas erzählen? Der nette Kollege mit dem du dich unterhalten hast, der war auch da. Und möchtest du noch was wissen? Er hat mich nicht nur zu den Büchern gebracht, die ich an dem Tag gesucht habe, sondern hat auch verstanden das ich ihn verstehe, hat mich beraten und mir sogar noch einen extra Tipp gegeben bzw. mir die anderen Bücher der Autorin gebracht nach der ich gesucht hatte.

Ich gebe zu, alles nicht so schlimm. Aber das was mich auf die Palme gebracht hat, war nicht so sehr ihre ablehnende Haltung – die zeigen viele Japaner unterschwellig- aber das sie so über mich gesprochen hat, hat mich dann doch etwas entsetzt. Vor allem, weil ich nicht im Touri-schlabberlook rumgelaufem bin, sondern im Buisness Outfit!

Was gibt es sonst noch..

Ich habe letzte Nacht den Reisebericht fertiggestellt und werde ihn wohl morgen posten. Außerdem habe ich Yahoo auctions für mich entdeckt… da werde ich wohl das ein oder andere Minütchen noch vorsitzen und die bling-bling Sachen ansabbern die ich eh nicht gebrauchen kann. Aber so nen neuer 3Ds.. natürlich nur zum lernen und so..

Heute währe eigentlich der Düsseldorfer Japantag. Eigentlich. Denn er wurde verschoben. Ich mag den Japantag eigentlich nicht so besonders, da er zu sehr kommerziell ausgebaut wurde – und wer möchte schon gerne 6€ für 3 kleine Takoyaki ausgeben? Das hielt die Menschenmassen jedoch bisher nicht vom kommen ab und ich bin gespannt, wie es heute in der Stadt aussieht. Viele Leute hatten ja schon Flüge/Zugtickets und Hotels gebucht und somit befürchte ich fast, dass es trotzdem überlaufen sein wird. Egal, ich brauche neues Miso und Tofu für dieses Wochenende, somit komme ich nicht drum herum.

Uff, jetzt habe ich in einen einzigen Beitrag fast alle Kategorien reingequetscht! Ich bin begeistert – und wünsche euch einen schönen Samstag (:

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