Der Japanische Mann – eine Fernbeziehung mit Hindernissen Teil 1

Genauer- mein japanischer Mann.

Hätte mich vor 4 Tagen jemand gefragt, ob eine Fernbeziehung über solch eine Distanz und dazu noch über solch heftige Kulturunterschiede funktionieren kann, ich hätte ihm vermutlich den Rat gegeben, sobald das Wort „Fernbeziehung“ fällt, schleunigst die Beine in die Hand zu nehmen und das Weite zu suchen.

Fernbeziehungen sind anstrengend. Nervraubend. Die Hölle.

Ich befinde mich momentan im Status „ICH HASSE FERNBEZIEHUNGEN!!“

und daran ist Schatzi nicht ganz unschuldig..

Vor vier Tagen war es mal wieder so weit. Der Herr hatte schlechte Laune (wegen Übermüdung und Arbeit?) und meinte, einen Streit vom Zaun brechen zu müssen indem er Dinge schreibt bzw. sagt, von denen er genau weiß, das ich darauf allergisch reagiere oder die mich besonders treffen. Ich weiß schon garnicht mehr was er eigentlich gesagt hat, aber das Resultat davon war, dass wir uns fast getrennt hätten.

Na klar hat es bei uns auch ab und zu gerummst wenn wir zusammen unterwegs waren. Aber da konnte man sich in die Augen schauen, konnte die Gefühle des anderen einschätzen und sich einfach mal in den Arm fallen oder das ganze ins Bett tragen und den heißbegehrten Versöhnungs-shaggy folgen lassen.. -aber darüber wollte ich jetzt eigentlich garnicht schreiben. *sich das böse Grinsen verkneif*

Es ist verdammt hart zu streiten, wenn die einzige Kontaktmöglichkeit Skype heißt.

Es ist verdammt bescheiden, sich zu streiten in einer Sprache, die nicht die Muttersprache ist. Bf kann zwar recht gut Englisch, aber es fehlen dann doch ein paar Vokabeln und dadurch kommen dann Sachen zu stande, die er eigentlich garnicht so ausdrücken wollte. Und mein Japanisch ist zum streiten einfach zu grottig. Klar kenne ich ein paar der gängigen Schimpfwörter.. aber.. egal.

Die Zeit des Schmollens ist vorbei und wir halten es eh nicht länger als 24h ohne Kontakt zueinander aus, somit ist das Thema gegessen und alles wieder voller rosaroter Einhörner die Regenbögen..ihr wisst schon, was ich meine.

Andere Dinge die mich momentan auf die Palme bringen:

Ich hatte ja in einem der vorherigen Posts schon erwähnt, dass ich die undankbare Aufgabe erhalten hatte Bf aus dem Bett zu schmeißen.

Das kam daher, dass er zu einem 2-tägigen Meeting in Tokyo musste und deshalb nicht verschlafen durfte. Wenn man um 3:00 nachts nach Hause kommt, sich dann noch 30 Minuten seiner Freundin widmet und schließlich vollkommen fertig ins Bett fällt, nur um dann um 7:00 wieder geweckt zu werden damit man sich schnell fertig machen kann um sich in die überfüllten Züge nach Tokyo zu setzen..

Aus Mitleid habe ich zugesagt, ihn aus dem Bett zu werfen. Unter einer Bedingung – Mana mode aus! Klar, wenn das Handy auf lautlos steht, hört man die Anrufe über skype und co nicht.

Die erste Nacht hat auch alles wunderbar geklappt. Ich bin zwar vor Übermüdung halb gestorben – aber egal, er war wach.

Die zweite Nacht.. tja.. eine halbe Stunde habe ich wie eine blöde versucht, ihn über sämtliche uns zur Verfügung stehende Programme zu erreichen. Habe mein Skype Guthaben geopfert und ihn direkt auf seinem Handy angerufen. Habe Nachrichten geschickt und noch mehr Telefonterror veranstaltet. Um 1:00 (deutsche Zeit) habe ich dann aufgegeben und habe dann auch mal die Augen zu gemacht. 15 Minuten später kam eine Nachricht. Hatte ich erwähnt, das meine Taste zum lautlos stellen kaputt ist und man ein Iphone ohne diese nicht muten kann?? Nein? Gut, nun wisst ihr, dass ich das piepsen der Nachricht schwerlich ignnorieren konnte.

„Sorry, I woke up now.“

Das war alles. Gut denke ich mir, kommt er zwar ein bisschen zu spät, aber zumindest ist er wach- und wechsel wieder in den Schlafmodus. Kaum bin ich eingeschlafen, klingelt mein Handy. Ich höre am anderen Ende der Leitung live, wie er schnaufend zum Zug läuft.

„Honey, sorry, I woke you up?“

Neeeeein.. natürlich nicht.. ich bin immer um 2:00 in der Nacht hellwach..

„I just wanted to say I´m running to the train now. I´m late. Sorry. Please have good dreams.“  Tut tut tut tut…

ooookay. Gut, zumindest hat er suggeriert das er mich jetzt endlich schlafen lässt. Also drehe ich mich um und versuche wieder den Schlafmodus zu erreichen, den ich vor dem Anruf hatte.

Das Handy piepst. Fucking christs sake, nicht schon wieder! Ich erschrecke mich bei dem Piepsen jedes Mal so heftig, dass ich Herzrasen bekomme und hellwach bin! Kaum ist das Herzrasen weg und der Schlummer-modus wieder erreicht, kommt die nächste Nachricht. Zumindest schlafen beide Kinder diesmal in ihren Betten und die Tür ist zu..

Nach gefühlten 100 Nachrichten, die ich allesammt nicht gelesen habe weil ich doch die Hoffnung auf Schlaf hatte, stoppte das Nachrichtenmeer plötzlich. 4:00. Gut, denke ich mir, er müsste jetzt beim Meeting in Tokyo sein und ich kann endlich endlich schlafen…

Bis 6:00. Da klingelte das Handy und riss mich aus den schönsten Träumen.

„Honey? We have a short break right now and I escaped from them to call you.“

Öööhm..danke?Ich musste mich so zusammenreißen ihn nicht anzubrüllen und mit gewählten Schimpfwörtern zu überschütten..

Nach guten 10 Minuten Gebrabbel von dem ich nur 1/3 evtl so ein bisschen mitbekommen habe, gab er schließlich auf- die Pause war vorbei.

7:00. Handy klingelt.

„Dear? We have short break every hour. Isn´t that wonderful?“

Ja, total..

Ende vom Lied – ich bin immernoch total übermüdet und fühle mich, als währen mindestens 3 LKWs über mich drüber gerollt, aber zumindest Bf ist glücklich..

Vielleicht war das Ganze ja eine versuchte Wiedergutmachung für die letzten Tage? .. ich weiß es nicht so recht.

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2 Antworten

  1. Hoppala, haette ich doch beinahe geschrieben, das ich den Stress GsD hinter mir habe. Aber dann fiel mir ein, das ich die endlosen Skype-Sessions mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau immens vermisse. Ist man erstmal im japanischen Alltag angekommen (und das bin ich nach 5 Jahren…), bemerkt man schnell, das die Gespraeche ueber Skype zu den romantischten Dingen ueberhaupt gehoeren, die mir je widerfahren sind. Trotzdem, auch meine Frau war ein Keitaihisbollah der uebelsten Sorte und hat mich nur allzuoft und ohne Ruecksicht, mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt, nur um mich zu fragen ob ich sie ueberhaupt noch lieb habe! Von daher: Du hast mein tiefstes, uneingeschraenktes Verstaendnis und Beileid….

    Mai 27, 2011 um 7:07 am

    • „Keitaihisbollah“ ist ab jetzt mein neues Lieblingswort des Jahres!
      Schön, das es nicht nur mir so geht und das ich nun den lebenden Beweis (du lebst doch noch… oder?) dafür habe, dass es auch gut ausgehen kann.
      Nach 2 Jahren Fernbeziehung habe ich manchmal das Gefühl, das da nie ein Ende in Sicht kommen wird.. aber naja, noch ein paar Jahre die Backen zusammenkneifen – und wird schon alles gut..

      Mai 27, 2011 um 2:16 pm

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