Ich.brauche.Kaffee.

Nie, niemals in meinem Leben habe ich gerne Kaffee getrunken. Bis – ja, bis ich das erste Mal nach Japan geflogen bin.

Ich weiß nicht, woran es liegt. Lässt sich vielleicht der Japanische Alltag so besser ertragen? Kann man so besser mit den Launen von Bf umgehen? Hilft ein kühler Aisu-kohi einem, die brütende Hitze des Sommers besser zu überleben?

Ich weiß es wirklich nicht.

Nur eins ist sicher. Hier in Deutschland bekomme ich keinen „Mt. Rainier caffee ratte“.. Wie lässt sich die Sucht also bezwingen? Starbucks? Jaaaa.. Starbucks ist gut.. aber immer, wenn ich grade unbedingt Kaffee brauche, ist kein Starbucks in der Nähe..

Eine Alternative – Mc Caffee…

Vollkommen fertig und nach Kaffee lechtzend schleppe ich mich mit letzter Kraft hinein und studiere die Karte.

Ich hasse große und unübersichtliche Menüs.. aber ich weiß ja, was ich will, gehe zur Kasse und bestelle

„Einen Eiskaffee Latte bitte“.

Verkäuferin1: „Eiskaffee Latte? Gibts hier nicht!“

Ich: „Kalter Kaffee mit Eiswürfeln und ganz viel Milch und Zucker zum reinkippen?“

Verk.2 zu Verk.1: „Sie meint einen Iced coffee..“

Verk.1: „Meinen sie Iced coffee?“

Ich (sabbernd und am Boden kriechend): „jaaaaaa…“

Verk.1: „Welche Größe?“

Ich studiere kurz die Größenangaben auf der Karte und stöhne nur noch „Grande..“

Verk.1 schreit zu Verk.2: „Sie will nen großen“

Ich blicke entsetzt.. groß? Aber.. aber ich wollte doch GRANDE!!!

Verk1: „Wie sie wollen keinen großen?! Aber das haben sie doch eben gesagt?“

Schei..benkleister.. woher sollte ich denn wissen, dass die  „grande“ bei Mäcces nicht Französisch aussprechen.. bei denen heißt diese Singveranstaltung wohl auch noch Grannte pricks..

Nach einer weiteren Diskussion über Sahne, die ich nicht wollte, habe ich letztendlich aufgegeben, habe mir den großen Iced coffee mit Sahnehaube und Kakaopulver genommen, mir die obligatorischen 6 Tütchen Zucker und 3 Döschen Milch geschnappt und bin deprimiert zu einem Tisch möglichst weit weg geschlurft..

Mäcces.. ihr macht mich fertig.. ich wollte doch nur einen Iced caffee ratte.. so wie in Japan..

Japan als Vergleich:

Jeden Abend habe ich mich vorsorglich mit einem Becher „Mt. Rainier caffee ratte“ eingedeckt. Hatte ich unterwegs mal das Bedürfnis nach einem kalten Kaffee, so konnte ich in (fast) jedes beliebige Lokal gehen und habe dort ohne große Diskussion genau das bekommen, was ich wollte.

Ein stinknormaler Mäcces (kein Mc caffee..denn in Japan gibt es kalten Kaffee auch beim ganz normalen Mäcces) in Kamakura.

Ich betrete das Lokal. Die Mitarbeiter werden nervös, schauen mich ängstlich an, huschen wild durcheinander und plötzlich scheint jeder etwas ganz dringendes zu tun zu haben. Ich kann mir ein grinsen nicht verkneifen. Es erwischt einen jungen Kerl, der etwas verlegen an seiner Uniform rumgnibbelt und ständig seine Mütze zurechtrückt. Endlich komme ich vorne an, lächle freundlich und platziere in meinem besten Japanisch die Kaffeebestellung.. Naja, ist jetzt auch nicht so schwer, „iced coffee bitte“ zu sagen… Es lächelt erleichtert zurück, fragt in sehr langsamen und deutlichem Japanisch, welche Größe ich denn bevorzugen würde, wieviel Zucker und Milch ich denn gerne hätte und zack – hatte ich den perfekten Kaffee vor mir stehen.So einfach geht das.

Uh, wo ich grad dabei bin.. Wenn ihr als weibliches Wesen alleine in Japan unterwegs sein solltet und euch einen kleinen Spaß machen wollt, kann ich euch nur empfehlen abends in eines der kleinen „Ticket Restaurants“ zu gehen.

Als ich ein paar Wochen in Ueno- genauer Uguisudani (yay..Love-Hotel Viertel!!) wohnen durfte, lag gegenüber meines Apartments so ein kleiner Shop für Ramen und Tonkatsu. Der Laden bestand nur aus zwei kleinen Tischen für je zwei Personen – und einer kleinen Theke mit drei Hockern. Die Auswahl begrenzte sich auf 10 Speisen und am Automaten waren leider auch keine Bilder – aber bei den „Ausstellungsstücken“ standen ja kleine Kärtchen dabei und somit ist die Auswahl auch für nicht japanisch sprechende nicht allzu kompliziert. Also Ticket ziehen (Ich wählte ein Menü mit Tonkatsu, Udon und Misoshiru für knapp 300yen), zur Theke gehen und abgeben und dann solange warten, bis man angebrüllt wird das man sein Essen abholen kann. Soweit so gut. Als ich mit meinem Ticket den Laden betrat, sah ich nur noch die Kinnladen der beiden Köche auf den Tresen fallen. Eine Gaijin! Ganz alleine! In unserem Laden!! HILFEEEEE! Man bekam dann doch noch ein etwas verschüchtertes „Irashaimasseeeeee“ raus und nahm mein Ticket entgegen. Ich wurde auch nicht angebrüllt, sondern man brachte mir mein Essen sogar an den Tisch. Später entsponn sich dann noch eine halb englisch-halb japanische Unterhaltung und ich werde bestimmt nochmal widerkommen!

Also- wenn ihr mal Japaner ins Schwitzen bringen wollt, geht einfach alleine in ein kleines Lokal (typischerweise ein Lokal für die armen geplagten Salaryman), wenn ihr die entsprechende Oberweite aufweisen könnt, tragt was mit tiiiiefem Ausschnitt (ich bin fies, ich weiß..) und selbst, wenn ihr Japanisch fließend beherrscht, lasse es die Leute erstmal nicht wissen 🙂

Übrigens habe ich festgestellt, dass man in Deutschland deutlich besser behandelt und bedient wird, wenn man vorgibt kein Deutsch sprechen zu können..

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