Bilanz des Tages – oder, wie man lustige Leute trifft – oder, wie man Blicke auf sich zieht ~Teil 2

Zuerst dachte ich, ich hätte O.-san mit meiner Verspätung so verärgert, dass er gegangen währe, aber dann wurde ich von hinten angestubst und siehe da, ein gut gelaunter Japaner mit einer knall Orangenen Jacke stand hinter mir. Kihi, unrasiert sieht er besser aus.. Künstler eben.

Er hatte mich kurzfristig in seinen Terminkalender geschoben, da er am frühen Morgen schon ein shooting (er ist Fotograph) hinter sich hatte und am Nachmittag noch einen Auftrag von NHK bearbeiten würde. Ein bisschen Zeit für Rose. Mir fiel das komische große Ding auf, das er unter seinen Arm geklemmt mit sich rumschleppte, aber ansprechen wollte ihn da auch nicht drauf. Man weiß nie was für Gründe Japaner so haben 😉

Ich genoss es, mal endlich wieder schnelles, gutes Englisch sprechen und hören zu können. O.-san spricht fließend und hat eine unglaublich tiefe Stimme. Ich muss mich immer zusamenreißen, dass ich nicht kichere wenn er spricht. Zuerst führte uns unser Weg durch den kleinen Garten hinter dem Sensoji. Dort setzten wir uns dann erstmal hin und holten unsere Teeflaschen raus. Endlich verriet er mir auch, was das komische Ding war! Eine Koto! Und sie war für mich!! Ein Geburtstagsgeschenk für mich, da er weiß wie sehr ich Saiteninstrumente liebe^^

Nunja, so eine Koto ist recht sperrig- auch wenn es nur eine kleinere ist mit ihren gut 1,50m. Aber er war so lieb und hat sie für mich durch die Gegend getragen. Nachdem unsere Hinterteile an Unterkühlung litten – es war sehr kalt zwischenzeitig- beschlossen wir, uns Dango zu holen.

Ich bin ein riesen Fan von Japanischen Süßigkeiten! Besonders Dango haben es mir angetan und ohne sie mag ich auch nicht mehr leben. Dieses Mal gab es Mitarashi Dango (eine süßliche, extrem klebrige sauce) und shouyu mitarashi Dango (soya sauce). Bei jeweils vier kugeln klappte das Teilen auch ganz gut- obwohl ich mich echt überwinden musste, von meinen was abzugeben 🙂

Etwas anderes essbares musste her, es war schon Mittagszeit.

In Asakusa gibt es unglaublich viele Restaurants. Allerdings vom Geschmack her nicht das, wonach wir suchten- also verschlug es uns in ein Matsuya.

Matsuya ist eines meiner Lieblings Schnellrestaurants und ebenso wie Yoshinoya bekannt für sein Gyuudon. Ich bevorzuge Matsuya, weil es dort im Menyu (menü) einen Salat dazu gibt, den man mit einem mega leckeren Sesam dressing versehen kann.

Mal wieder kam die Frage nach dem rohen Ei. Zum Gyuudon gibt es ein rohes Ei dazu, welches man üblicherweise verquirlt und mit in die Reisschale gibt. Immer wieder werde und wurde ich gefragt ob ich das denn essen könne, und Ja, ich kann es! Beim Shabu Shabu tunkt man das Fleisch ja auch in rohes Ei?! Und es gibt noch viele andere Gerichte, bei denen man das gleiche tut. Ich habe damit kein Problem und allen anderen Langnasen da draußen kann ich auch nur empfehlen es mal auszuprobieren. Ist auf jeden Fall mal eine Kulinarische Erfahrung^^

Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg nach Ueno. Ich habe letztes Jahr eine Weile ganz in der Nähe des Ueno Koen (Parks) gewohnt und vermisse alles dort so ein bisschen. Der Weg von Asakusa nach Ueno dauert zu Fuß ca. 30 minuten, also stiefelten wir los. Er, die doch recht schwere Koto unter den Arm geklemmt und ich mit den Blasen an meinen Füßen kämpfend.

Im Park angekommen, suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen unter einem (leider) schon fast verblühten Kirschbaum, legten die Koto neben uns und unterhielten uns über arbeit, leben und was sonst noch so alles anfällt wenn man nur die Möglichkeit hat ab und zu über Internet zu kommunizieren.

Es dauerte nicht lange, da schauten die ersten Leute zu uns rüber. Eine gaijin und ein Japaner.. hmm.. dann kam eine Frau näher und sprach O.-san an. „Ist das eine Koto?“ Lachen unterdrückend „Ja, das ist eine Koto.“ „Ist das Ihre Koto?“ grinsender Blick zu mir „das ist mein Geburtstagsgeschenk an die Dame neben mir.“ „Aaaah..so desu.“ Es folgten noch so Sachen wie „kann sie die denn auch spielen?“ oder “ Die sieht aber hübsch aus“ und dann zog die gute Frau von dannen, überließ uns unserem Lachkrampf und eilte zu ihren Freundinnen um die so eben gewonnenen Informationen weiterzuleiten.

Währen O.-san und ich ein Paar, hätten wir uns wahrscheinlich den Spaß gemacht auch noch Händchenhalten und küssen mit auf die „Nihonjin-Gaijin-Koto-beziehung“ zu packen.. aber das währe dann doch zu viel des Guten.

Nach einer Weile musste O.-san dann auch weiter zu seinem Termin und wir nahmen gemeinsam (mit der Koto) den Zug nach Shinagawa. Dort trennten sich unsere Wege dann und ich fuhr weiter nach Yokohama um dort den Zug zu wechseln.

Leider hatte ich vergessen, welchen Zug ich denn nehmen musste, also schnell zu dem kleinen Infofenster beim Eingang geeilt, darauf bedacht die Koto sicher zu transportieren, und nachgefragt. Gleis 4 war die Antwort. ichwollte mich grade zum gehen wenden, da grinste mich ein älterer Herr an und fragte in brüchigem Englisch ob das denn eine Koto sei.

Hatten wir das Thema nicht grade erst? Naja, zumindest war er um Höflichkeit und Englisch bemüht. Ich antwortete ihm auf Japanisch, was ihn etwas zu irritieren schien. Nach einigem hin und her, einigten wir uns darauf bei japanisch zu bleiben und es entsponn sich eine interessante Unterhaltung über klassische Japanische Musik. Schließlich trennten sich die Wege, da wir beide einen Zug zu erwischen hatten – überrascht liefen wir uns auf dem Gleis erneut über den Weg, es war der gleiche Zug^^

Endlich mit der immer schwerer werdenden Koto in Shin yokohama angekommen, musste ich natürlich den falschen Ausgang wählen! gnarf..

Also versuchte ich verzweifelt auf die andere Seite der Schienen zu gelangen. Nachdem ich den Brückenübergang übersehen hatte und einen einsamen rauchenden Japanischen Arbeiter schlagartig mit meinen Fragen überfallen und gelöchert habe, wusste ich zumindest den Weg und fand sicher zum Hotel.

Meine Füße brauchten mittlerweile mehr als nur ein Blasenpflaster und ich war ziemlich kaputt. Also legte ich mich nochmal gemütlich ein Stündchen hin und genoss die Ruhe, die hier um diese Zeit herrscht.

Als mein Wecker klingelte, fand ich das zuerst garnicht lustig und wollte weiterschlafen, aber das schlechte Gewissen siegte und ich schaute mal in meine e-mails. Eru-san hatte endlich geschrieben und fragte nach einem Treffen. Also fix eine e-mail an bf geschickt, ob und wann er denn heute endlich zu Hause ankommt, vergeblich auf eine Antwort gewartet und daraufhin dann beschlossen, dem Treffen mit Eru-san zuzustimmen.

Mittlerweile war es schon 20:45, als Treffpunkt diente der Starbucks um die Ecke unseres Hotels. Eru-san kannte weder Bilder von mir, noch kannte ich Bilder von ihm, es war also äußerst erheiternd sich auszudenken welcher der dort herumstehenden Japaner nun Eru-san ist.

Aus der Ecke einer Garage heraus tönte mir dan ein mittel lautes „Rozuuuu-san“ entgegen. Ein etwas verlegen aussehender Japaner, gut 5cm kleiner als ich, trat hervor und stellte sich als Eru-san heraus.

Ein Blick auf die Tür von Starbucks verriet uns, schließt um 21:00- also noch 15 min geöffnet.. lohnt nicht.

Ich habe festgestellt, dass Japaner verwirren spaß macht, habe mich ein wenig dumm gestellt und wusste nichts auf die Frage zu antworten wo wir denn nun hingehen sollten. Das Starbucks im Bahnhof? Kurz nachgefragt, schließt ebenfalls wegen Energiesparmodus. McDonalds? hmm..ja.. ok. Auf zu Mäcces. Kurz vor der Ankunft dann beschlossen, dass der caffee bei Mäcces ne Zumutung ist – anderer Plan musste her. Orientierungslos irrten wir also ein wenig durch die Gegend, bis wir auf ein Italienisches restaurant trafen, welches eine große Auswahl an Keeki (Kuchen) und Caffezeugs aufwies. Also eine ruhige Ecke gesucht und die Karte studiert.

Das lustige an Eru-san ist, dass er nur ein paar Brocken englisch spricht, ein bisschen Italienisch, fließend Koreanisch und Japanisch. Ich war also gezwungen, mich mit ihm auf Japanisch zu unterhalten und die Lücken mit englisch zu füllen. Mehr als einmal war ich froh, dass mein Iphone ein offline- Japanisch Wörterbuch besitzt und wir uns damit verständigen konnten.

Es war sehr lustig und mein Gado-chiokkoreeto keeki (ein heftiger Schokokuchen- diejenigen, die schonmal das Fuga in DD besucht haben, wissen wovon ich spreche…) war auch sehr lecker. Der ice-milk-coffee bestand zwar zu 90% aus Eiswürfeln, aber das ist man nach längeren Aufenthalten hier schon nicht mehr anders gewohnt.

Um 23:00 beschlossen wir dann doch mal so langsam aufzubrechen. Ich wusste ja nicht, wann bf von der Arbeit zurück sein würde, aber in der Regel so zwischen 21:30 und 23:00. Uuuuh.. es ist doch schon etwas spät.

Eru-san begleitete mich dann noch zum Hotel, schwang sich auf seinen Roller und verschwand in der Nacht. (wollte ich immer schonmal schreiben^^)

Ich stürmte also schnell zu unserem Zimmer, wo ich meinen vollkommen aufgelösten bf vorfand, der wohl vor Sorge um mich fast gestorben währe.

Nach tausenden Entschuldigungen meinerseits stellte sich heraus, dass der gute Herr auch erst fünf Minuten vor mir eingetroffen war.. aber ich bin ja Gaijin und noch dazu eine Frau, es könnte ja sonstwas passiert sein…

Egal, sicher zurück haben wir dann noch die letzten minuten des Abends genießen können.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s